Ski alpin / Motorsport vor 1 Stunde

Lebemann Roland Collombin war auch im Rheintal bekannt

Am 10. Juli ist der frühere Skirennfahrer und Olympia-Silbermedaillengewinner Roland Collombin verstorben. Er gehörte zu den besten Abfahrern der Welt, vergnügte sich aber auch mit motorisierten Sportgeräten.

Von Elio Crestani
aktualisiert vor 1 Stunde

Mit Roland Collombin hat die Welt eine Ski-Legende verloren. Wie kaum einem vor und nach ihm gelang es dem Walliser, sich in die Herzen der Schweizer Skifans zu fahren. 1972 belegte er – hinter seinem grossen Rivalen Bernhard Russi – an den Olympischen Winterspielen in Sapporo den zweiten Rang, in den Saisons 1972/73 und 1973/74 gewann Collombin die kleine Kristallkugel für den Abfahrtsweltcup. Insgesamt entschied er acht Weltcuprennen für sich. Seine Siege auf der Streif in Kitzbühel, auf der Saslong in Gröden und natürlich am Lauberhorn in Wengen machten ihn unsterblich.

Im Sommer war Roland Collombin jeweils allerdings nicht auf zwei Skiern, sondern auf zwei oder vier Rädern unterwegs. Der Walliser bestritt im Wittwer Racing Team des Diepoldsauers Hans-Ruedi Wittwer gern und oft Motocross- und Autorennen. Collombin lebte dieses Hobby ebenso aus wie jede Kurve auf der Piste – und die langen Nächte auf der Tanzfläche. Collombin wurde nach seiner Sportkarriere Winzer, Weinhändler und Hotelier und betrieb ein Raclette-Stübli in Martigny.

Roland Collombin im Overall des Diepoldsauers Hans-Ruedi Wittwer.
Roland Collombin im Overall des Diepoldsauers Hans-Ruedi Wittwer.
Bild: pd

Roland Collombin wurde am 17. Februar 1951 im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis geboren. Sein grosses sportliches Talent stellte er schon sehr früh unter Beweis. Collombin hätte auch ein guter Radrennfahrer werden können, doch er liebte den Schnee mehr als alles andere. Und er brachte den perfekten Körper für Sportarten mit, die viel Aerodynamik verlangen. Dazu gehört auch Motocross.

Willy Läderach heisst der Mann, der als legendärer Veranstalter des Motocross-Grand-Prix in Frauenfeld in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Er erinnerte sich 1985 an den schnellen Walliser: «1972 gewann Collombin auf KTM das Promi-Motocross in Frauenfeld vor Philippe Roux. Er zeigte auf dem Töff ein grosses Talent.» Auf dem Schnee konnte Collombin gleiten wie kaum ein anderer. «Das konnte er auch im Automobilrennsport», sagte Hans-Ruedi Wittwer. Der 2020 verstorbene Diepoldsauer war damals Besitzer des Rennstalls, für den der Walliser an den Start ging.

Auch im Ausgang war er eine ganz grosse Nummer

Wittwer sagte weiter, Roland Collombin habe sich einfach in jedem Auto sofort zurechtgefunden – ob im Tourenwagen, im Sportwagen oder im Formel-Rennwagen mit freistehenden Rädern. Er fand jeweils sofort die schnelle Linie und konnte es richtig krachen lassen. «Als junger Fahrer war er ein riesiges Talent. Und im Ausgang, in den langen Nächten, war er auch eine Wucht», sagte der unvergessene Hans-Ruedi Wittwer.

Collombin war damals nicht der einzige Abfahrtspilot, der auch im Auto erfolgreich war. So wurde das französische Wunderkind Jean-Claude Killy 1967 im Porsche 911 Gesamtsiebter am Sportwagen-Weltmeisterschaftslauf der Targa Florio. Auch Philippe Roux wurde ein guter Rally-Fahrer – und «Kaiser» Franz Klammer ging im Alfa Romeo GTV in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft an den Start.

Mit nur 24 Jahren musste Roland Collombin im Dezember 1975, nach einem Sturz im zweiten Training der Abfahrt von Val d'Isère, seine Karriere allerdings bereits früh beenden. Er brach sich zwei Rückenwirbel und war für zwei Tage gelähmt, was eine Fortsetzung seiner Laufbahn im Leistungssport verhinderte. Nun ist «la colombe», «die Taube», wie der Lebemann genannt wurde, weggeflogen.