Lüchingen vor 2 Stunden

Lesung mit Botschaften aus der «Seelenfabrik»

Shqipton Toni Rexhaj, der bekannte Rheintaler Rapper und Poet, gestaltete einen Anlass zu seinem neuesten Werk – mit Sängerin und Songwriterin Manu Oesch.

Von Theodor Looser
aktualisiert vor 2 Stunden

Im gut besetzten neuen Pfarreiheim stellte sich Toni Rexhaj, der für seinen Gedichtband «Heimat der Heimatlosen» den St. Galler Kulturförderpreis erhalten hatte, selbst vor und las Gedichte aus seinem neuen Buch «Die Seelenfabrik – Poesie aus der Tiefe des Burnouts». Er arbeitet heute wieder als Koch, Küchenchef, ist an feste Abläufe und Qualität bei der Arbeit gewöhnt.

Kurz schilderte er seinen gesundheitlichen Absturz, der ihn in eine Rehaklinik zur Heilung seines Burnouts führte. Toni Rexhaj wollte wieder Musik machen. Doch das Herz revoltierte, der Körper und wohl auch die Seele machten nicht mehr mit. Früher hatte er nie etwas für den Körper getan, schaute, dass er seinen Job gut machte, dass er für die Familie da war, für seine Musik und seine Kunst. Rexhaj hatte das Gefühl, dies machen zu müssen, wieso auch immer, «für mich gab es keine Pause»! Beim Arztbesuch erhielt er den Rat, für eine längere Zeit auszusetzen, sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen.

In der Klinik entstanden Gedichte

Während des Aufenthalts in der Rehaklinik, der «Seelenfabrik», schrieb er den 152-seitigen Gedichtband «Die Seelenfabrik», in dem er seine Krankheit und Genesung mit Gedichten beschrieb. Manu Oesch bereicherte die Dichterlesung mit Songs und Raps von Toni Rexhaj (Rexeye), die von ihr für Gitarre und Gesang bearbeitet wurden. Sie wurde immer wieder mit lautstarkem Applaus belohnt.

Im Interview bekannte Toni Rexhaj, dass er sich während seines Klinikaufenthaltes immer mehr zurückzog, weil er das in der Klinik geborene Projekt unbedingt zu Ende bringen wollte. Manchmal arbeitete er bis morgens um drei Uhr, was seiner Therapeutin nicht unbedingt gefiel. Er rechnete aus, wie viele Gedichte er für das Büchlein brauchte, und wollte es während der Zeit in der Klinik fertigstellen. Das authentische, gefühlsmässige Erleben an Ort und Stelle aufschreiben, nicht irgendwann nachher.

«Einfach Toni»

Nach dem Lesen der Gedichte aus verschiedenen Stadien seines Aufenthalts in der «Seelenfabrik» trug Toni das letzte Gedicht seines Buches vor, in dem es um den Austritt aus der Klinik geht.

 «Einem tiefen Fall gleich, der Beginn der letzten Woche – wie eine Erkältung kurz vor dem Ausbruch, spürbar, aber nicht greifbar. Innehalten, die Augen geschlossen, den Körper fühlen, erinnern an die kleinen Inseln, die ich mir hier gebaut habe. Unsicherheit, die sich breitmacht, die Ungewissheit, die am Horizont hängt, entscheidender Moment meines Lebens. Ich will, aber ich will nicht zu viel tragen. Viele sind schon weg, hinaus in ihre Welt, niemand kehrt mit einer Antwort zurück, niemand trägt ein Heilmittel hinaus».

Sängerin Manu Oesch schloss den Anlass mit einem letzten Lied ab. Es trug den Titel «Einfach Toni».

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