Für viele ist es bei einer Show mit Michael Elsener vielleicht nicht die beste Entscheidung, in der vordersten Reihe zu sitzen, bildet doch diese wechselseitige Kommunikation mit dem Publikum, ob verbal oder nonverbal, einen der Höhepunkte des Abends. Die Stimmung war denn auch ausgelassen, selbst ein den ganzen Saal durchdringender Feueralarm mitten in der Vorstellung, den das Publikum zuerst dem Programm zuordnete, war für Elsener kein Hinderungsgrund, die Interaktion abzubrechen, ganz nach dem Motto «The Show Must Go On».
Philosophisch tiefgründig und mutig
Elsener ist weit mehr als ein Comedian, der die Lacher im Minutentakt sucht. Er hat eine einnehmende und publikumsnahe Präsenz auf der Bühne, baut seine Texte teilweise behutsam auf, sie sind oft philosophisch tiefgründig und nicht abgegriffen, und er scheut nicht davor zurück, heikle Themen anzusprechen. Sein Coming-out, das er in einen Sketch über ein Klassentreffen verpackte, oder seine Abdankungsrede über sich selbst, waren mutige und faszinierende Highlights des Abends.
Elsener ist bekannt für seine scharfen Beobachtungen und witzigen Parodien. So nahm er das Publikum auf eine Reise durch die Schweizer Politik und Gesellschaft mit. Seine Imitationen von Roger Federer, den Bundesräten Parmelin und Cassis, Jacqueline Badran und weiteren prominenten Persönlichkeiten waren so authentisch, dass man glaubte, diese selbst auf der Bühne zu hören. Elsener spielte im Diogenes-Theater drei erheiternde und inspirierende Vorstellungen auf höchstem Niveau, das Publikum dankte es ihm jeweils mit grossem Applaus.
Ein informativer Gönnerabend
In den Genuss der Vorpremiere von Michael Elsener kamen auch rund 60 Gönnerinnen und Gönner des Diogenes-Theaters.
Sie wurden am Freitagabend vorgängig zur Vorstellung noch mit einem Apéro und Informationen versorgt.
René Wuffli, Präsident des Diogenes-Theater-Vereins, berichtete über sehr erfreuliche Zahlen von der ersten Hälfte des Gastspieljahres 2025/2026. Von September bis Dezember 2025 seien insgesamt rund 40 Vorstellungen, inklusive des wiederum erfolgreichen Adventskalenders, vor gesamthaft über 4000 Besuchenden gespielt worden. Der Auslastungsgrad bei den Gastspielen betrug 82 Prozent; die meisten Vorstellungen waren ausverkauft. Auch das neue Jahr ist schon rekordverdächtig: Die acht Vorstellungen der Theatercompany Rühti mit dem Stück «Die Verwandlung» sowie die sechs Gastspiele im Januar sind alle ausverkauft.
René Wuffli zeigte sich darüber sehr erfreut und erläuterte, dass die Zuschauerzahlen grundsätzlich über den Vor-Corona-Jahren liegen, was in der heutigen Zeit für ein Kleintheater nicht selbstverständlich sei. Der Präsident rief dazu auf, auch unbekanntere Künstlerinnen und Künstler zu buchen, er könne «auf jeden Fall alle nur bestens empfehlen».
Michael Elsener ist ein Meister der Interaktion mit dem Publikum