Auf dem Rheinblick stellten sich vor dem Spiel zwei Fragen. Die erste war: Hält das Wetter? Es regnete nur schwach, das Wetter war nicht gut, aber gut aushaltbar. Die zweite war: Wie viele Fans erscheinen? Am Ende waren es mehrere Hundert, die auf den Rheinblick kamen. Ein paar Gelegenheitsbesucher hatte das Wetter vielleicht gekostet, aber nicht viele. Es waren um die 600 Zuschauerinnen und Zuschauer, die das Spiel sehen wollten. Und die Heimfans starteten feurig, mit einer sehenswerten Pyroshow, in die Partie.
Auf dem Platz war es dann aber der FC Montlingen, der den Ton angab. Der Mannschaft von Adi Brunner war sofort anzusehen, dass sie ein frühes Tor anstrebte. Und es waren noch keine 120 Sekunden vergangen, da gelang dies auch. Nach einem Einwurf setzte sich Luca Schmenger, der am Trikot gehalten wurde, durch, es folgten zwei Abpraller und dann stand Topskorer Volkan Akyildiz goldrichtig, um das 1:0 zu erzielen. Auch in den nächsten Minuten gab Montlingen den Ton an, doch Nurkan Ibrahimis Pass auf Akyildiz war etwas zu unpräzis, es blieb beim 1:0.
Rüthi meldete sich nach einer Viertelstunde an und kam mit Sven Städler zum ersten Abschluss, er schoss aber knapp am Tor vorbei. Wenig später wurde Flamur Bojaxhi im Sechzehner umgerempelt, der Schiedsrichter gab zum Entsetzen der Heimfans aber keinen Penalty. Dann flachte die Partie etwas ab; auf der einen Seite schoss Kevin Streule drüber, auf der anderen wurde Akyildiz entscheidend geblockt.
Dann folgte der bis dahin grösste Aufreger. Montlingens Innenverteidiger Florian Haltiner wurde nach einer strittigen Szene mit der direkten roten Karte des Feldes verwiesen. Es war Haltiners erster Platzverweis in seiner langen Fussballkarriere – und die Entscheidung war eindeutig zu hart. Offensiv passierte lange Zeit nichts mehr, bis vor der Pause doch noch zwei Tore folgten. Zuerst traf Ibrahimi mit einem wuchtigen Schuss zum 2:0 für die Gäste, dann verkürzte Städler auf 1:2 aus Rüthner Sicht. «Das Tor wird der Mannschaft Moral geben, da bin ich mir sicher», sagte ein Zuschauer in der Pause zu seinem Kollegen. Es war eine Halbzeit, die in Sachen Spannung hielt, was das Derby im Vorfeld versprochen hatte.
Nach der Pause näherte sich Rüthi dem Ausgleich mit Flamur Bojaxhi, dessen Kopfball aber etwas zu harmlos war. Auf der Gegenseite blockte Guri Bojaxhi im letzten Moment Akyildiz und jubelte (zu Recht!) für dieses grandiose Tackling – Derbygefühle auf dem Rheinblick. Viel mehr davon war in der Folge aber nicht zu spüren, abgesehen von einer Situation: Rüthis Städler und Montlingens Wörnhard gaben sich verbal Saures, dann löste Gabriel Lüchinger die Situation damit, dass er sagte: «Spieled doch ofach kli schneller.»
Rüthi drückte in der Folge weiter und erarbeitete sich auch Spielanteile, musste sich aber auch vorwerfen lassen, einfach nicht konkret genug agiert zu haben. Es resultierten keine besseren Chancen mehr, Montlingens Abwehr stand in dieser Phase sehr gut. Und die dezimierten Gäste setzten zum Gegenangriff an: In der 70. Minute wurde Schmenger im Sechzehner gefoult, und wenn nicht einmal der Spieler reklamiert, der das Foul gemacht hat, ist das Verdikt klar: Penalty. Ibrahimi verwertete souverän zum 3:1, womit das Spiel gelaufen war. Danach plätscherte es ohne grosse Emotionen dem Ende entgegen und die Gäste durften sich als Derbysieger feiern lassen. Damit ist auch Rüthis Heimspielserie gerissen: Seit fast zwei Jahren hatten die Oberrheintaler kein Heimspiel mehr verloren, doch einmal passiert es einfach.
Montlingen gewinnt das Derby in Rüthi souverän mit 3:1