Ringen vor 1 Stunde

Neuer Modus, Transferstopp und Abschaffung der Leihringer sollen die Liga ausgeglichener machen

Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft im Ringen wird in diesem Jahr mit acht statt nur sechs Teams in der Premium League ausgetragen. Doppellizenzen gibt’s nicht mehr, und der Transfermarkt ist für zwei Jahre aufgehoben.

Von Yves Solenthaler
aktualisiert vor 1 Stunde

Die letzte Saison in der Swiss Premium beendete die RS Kriessern auf dem vierten und der RC Oberriet-Grabs auf dem fünften Rang. Der sportliche Unterschied zwischen den beiden Rheintaler Mannschaften ist aber deutlich grösser, als es eine Tabellenposition vermuten lässt: In den Direktbegegnungen siegte Kriessern 25:10 und 25:12, und Kriessern (12) holte dreimal mehr Punkte als der RCOG (4), der damit seine beste Saison seit dem Wiederaufstieg vor vier Jahren bestritt.

Die Top-4-Teams können es sich leisten, gegeneinander im Hinblick auf die Finalkämpfe zu taktieren, solange sie Oberriet-Grabs und Schattdorf auf Distanz halten, was ihnen nicht schwerfällt, wenn sie ihre besten Ringer einsetzen. «Für Oberriet-Grabs und Schattdorf wäre es attraktiver, in der Challenge League zu kämpfen», sagt Silvan Steiger, Nationalliga-Chef im Zentralvorstand von Swiss Wrestling und Vizepräsident des RC Oberriet-Grabs. Vor diesem Hintergrund sind an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung des Verbandes ein neuer Modus und stark einschränkende Massnahmen im Transferwesen beschlossen worden. Steiger sagt:

Langfristig soll die Meisterschaft mit diesen Änderungen ausgeglichener werden.

Mit dem Verzicht auf Leihringer (es gibt keine Doppellizenzen mehr) und dem Transferstopp bis 1. Januar 2028 sollen zudem die Vereine belohnt werden, die sich um die Nachwuchsausbildung kümmern.

Zwei Vierer-Gruppen und nachher Viertelfinals

Die Swiss Premium League (früher Nationalliga A) und die untergeordnete Challenge League umfassen neu je acht Teams. Ende Saison steigt ein Team aus der höchsten Liga ab, es wird durch den Meister der zweithöchsten Liga ersetzt. In der Challenge League ringen auch die zweiten Mannschaften der RC Willisau-Lions und des RS Freiamt, diese beiden Teams sind nicht aufstiegsberechtigt.

Die acht Teams in der Premium League werden in zwei Gruppen eingeteilt. Als Gruppenköpfe sind die Vorjahresfinalisten – Meister Willisau und Einsiedeln – gesetzt, die restlichen drei Teams pro Gruppe werden zugelost. Es sind dies Freiamt (3. im Jahr 2025), Kriessern (4.), Oberriet-Grabs (5.), Schattdorf (6.) sowie die zwei Aufsteiger Weinfelden und Ufhusen. Es kann also theoretisch eine Gruppe mit drei Spitzenteams geben, wenn Freiamt und Kriessern zusammengelost werden.

Die Finalkämpfe der Premium League beginnen mit Viertelfinals, in denen die Teams gruppenübergreifend kämpfen – jeweils der Erste gegen den Vierten und der Zweite gegen den Dritten. Nach diesem Tableau geht es in den Halbfinals, ebenfalls mit Hin- und Rückkampf, weiter. Der Final wird wie bis anhin als Best-of-3-Playoffserie ausgetragen. Auch der Absteiger wird in Hin- und Rückkämpfen unter den vier Verlierern des Viertelfinals ermittelt.

«Wenn es blöd läuft, gibt es kein Derby RCOG gegen Kriessern», sagt Silvan Steiger. Allerdings sei dies wegen Überkreuz-Spielen im Viertelfinal kein realistisches Szenario. «Ob der neue Modus die gewünschte Wirkung erzeugt, müssen wir laufend beobachten», sagt Ligachef Steiger, «wenn nötig, nehmen wir nach der ersten Saison Anpassungen vor.»

Transferstopp macht Nachwuchsförderung attraktiver

Die Neuerungen sind also radikal, aber nicht in Stein gemeisselt. Die Änderungen im Transferwesen schränken die Klubs allerdings nachhaltig ein: Sie müssen für zwei Jahre mit dem bestehenden Kader auskommen und auch auf die (bisher höchstens zwei) Leihringer verzichten. Dadurch erhofft sich gerade Weinfelden einige Chancen, hatten sie doch mit Schwinger-Eidgenosse Jeremy Vollenweider und Robin Zwick (beide Kriessern) sowie Yves Müllhaupt (Freiamt) drei Siegringer an Premium-League-Vereine ausgeliehen. Der zweite Aufsteiger Ufhusen dürfte einen schwereren Stand haben. Die Luzerner betrachten den Abstecher in die Premium League als Abenteuer.

Der bis Ende 2027 währende Transferstopp geht einher mit der Verpflichtung, dass ein später transferierter Ringer mindestens drei Jahre für den neuen Verein kämpfen muss. Auch mit dieser Änderung verfolgt Swiss Wrestling das Ziel, dass die Vereine wieder selbst mehr Talente ausbilden, die im Optimalfall in der nationalen Meisterschaft zu internationalen Spitzenkönnern gestählt werden.

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