«Vermutlich wird es meine letzte Ausstellung sein», sagt der 83-jährige Eisenplastiker Peter Federer nachdenklich. In der Galerie Art dOséra präsentiert er mit rund 35 Skulpturen einen eindrücklichen Querschnitt durch sein jahrzehntelanges Schaffen sowie eine Auswahl an Objekten, Zeichnungen und Entwürfen.
Der Betrachter erkennt in seinen Werken die konsequente existenzielle Auseinandersetzung mit Form, Raum und Material. Federers künstlerischer Weg begann mit schweren, geschmiedeten Figuren und führte über filigranere, zunehmend abstrahierte Arbeiten bis hin zu grossformatigen Raumzeichen. Seine frühen Bronzefiguren und massiven Eisenplastiken wichen mit der Zeit schlankeren, beinahe schwebenden Skulpturen.
Hohe Schaffenskraft trotz Beeinträchtigungen
Ein gesundheitlicher Einschnitt prägte sein Werk nachhaltig. Ab 1982 zwangen ihn Herzprobleme, körperlich kürzerzutreten. Das Schmieden fiel ihm schwerer, doch seine Arbeiten wurden feiner und zugleich monumentaler, teils bis zu 15 Meter hoch. Nach einer Herzoperation verspürte er das starke Bedürfnis, Schutzschilder zu schaffen. «Unbewusst», wie er heute sagt. In diesen Werken suchte er Raum und Schutz. Qualitäten, die sich fortan in seinem Schaffen widerspiegelten. Federer ist weit über das Rheintal hinaus bekannt. Der endgültige Durchbruch gelang ihm 1979 mit dem Gewinn eines eidgenössischen Wettbewerbs. Damals realisierte er die markante Figurengruppe «Ruhn» vor der Kaserne in Dübendorf.
Seine «Zeichen» prägen das Rheintal
Federers Eisenplastiken begegnen einem heute in der ganzen Schweiz, unter anderem in Dübendorf, St. Gallen, Flawil, Berneck, Rebstein, Widnau, Au, Dietlikon, Zürich, Bern, Basel, Locarno und Wettingen. Durch Wettbewerbe und Direktaufträge bereichert er seit Jahrzehnten den öffentlichen Raum. Gerade in Widnau trifft man vielerorts auf seine «Zeichen», wie er seine Plastiken selbst bezeichnet. Raumzeichen bei der Oberstufe Gässeli oder im «Augiessen», Schilder bei der Schiessanlage, «Lettern mit Federkiel» beim Zeitungsverlag des «Rheintalers» in Berneck oder die zwölf Meter hohen Raumsignale beim Abwasserwerk Rosenau. Ein sechs auf sechs Meter grosses Wandbild schmückt das Schulhaus Bünt in Berneck. Dass eine acht auf sechs Meter grosse Plastik beim Progy in Rebstein einst entsorgt wurde, schmerzt ihn bis heute.
Dass das Künstlerleben kein leichtes ist, weiss Federer aus eigener Erfahrung. «Ich hatte einfach Glück, dass ich nationale Bekanntheit erlangt habe, denn im Rheintal allein hätte ich kaum überleben können», sagt er. Geldgierig sei er nie gewesen. Vielleicht wäre er sonst Kunstsammler geworden. Die Kunst habe ihn schon früh fasziniert. Seine innere Berufung beschreibt er so:
Künstler sind süchtig nach ihrer Kunst und kommen davon nicht mehr los.
Auch heute arbeitet er noch, soweit es seine Gesundheit zulässt.
Ein Dokument regionaler Kunstgeschichte
Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung wird die Präsentation seines neuen Kunstbandes sein. Das Werk dokumentiert seinen künstlerischen Werdegang umfassend und bietet einen vertieften Einblick in sein vielseitiges Schaffen. Der Band versteht sich als bleibendes Dokument regionaler Kunstgeschichte und macht Kunst als Teil der kulturellen Identität sichtbar.
Die Vernissage in der Galerie Art dOséra an der Hauptstrasse 71 in Balgach findet am Freitag, 20. März, um 19 Uhr statt. Die Ausstellung dauert bis 12. April. Öffnungszeiten sind jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 079 349 24 75.
Noch einmal eine grosse Ausstellung: Peter Federer setzt ein letztes Mal seine Zeichen