Christlich vor 1 Stunde

Prägende Zeiten: «Wenn ich gehe, dann gehe ich»

Mit der Fastenzeit beginnt eine geprägte Zeit der Besinnung. Sie lädt ein, den eigenen Rhythmus zu überdenken, innezuhalten und sich bewusst auf Ostern vorzubereiten.

Von Josef Benz, Pfarrer
aktualisiert vor 1 Stunde

Die Fasnachtszeit ist vorbei – seit einigen Tagen stehen wir in der Fastenzeit, in der vorösterlichen Besinnungszeit. Alles hat seine Zeit, lesen wir schon im Alten Testament der Bibel (Kohelet 3,1–8).

Unsere Welt, unser Leben besteht doch aus vielen einzelnen Perioden; Zeiten, die dann zusammen ein Ganzes ausmachen und sich in ein Ganzes einfügen, in das Ganze unseres Lebens.

Die Jahreszeiten in der Natur: säen, wachsen, reifen, ernten; die Lebensabschnitte im menschlichen Leben. Aber ist es in unserem persönlichen Leben auch so?

Es scheint doch, dass unsere Zeit alles unternimmt, um diesen Rhythmus durcheinanderzubringen.

In einem jeden von uns lebt doch eine Verwurzelung im Rhythmus der Tage, der Wochen und der Jahreszeiten, der Rhythmus von Tag und Nacht, von Arbeit und Ruhe, von Werktag und Sonntag, von Arbeit und Freizeit, und selbstverständlich gehört auch die Ferienzeit dazu. Können wir unser Leben aus dieser Verwurzelung herausreissen, ohne dass es auf die Dauer Schaden nimmt? Ich glaube kaum. Die folgende Erzählung ist deshalb auch für uns bezeichnend: 

Ein in Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne. Dieser sagte: «Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich …» Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: «Das tun wir auch, aber was machst du noch darüber hinaus?» Er sagte wiederum: «Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich. Wenn ich bete, dann bete ich …» Wieder sagten die Leute: «Das tun wir doch auch.» Er aber sagte zu ihnen: «Nein, denn wenn ihr betet, seid ihr schon wieder bei euren Geschäften. Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon. Wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel …»

Können wir dies nicht auch manchmal (oft?) von uns sagen?

Lassen wir uns von der jetzigen Fastenzeit ansprechen; einer Zeit der Besinnung, des Nachdenkens, der Zurückhaltung und des Verzichtes.

Umso freudiger und erfüllter wird dann Ostern sein. In diesem Sinne eine frohe und besinnliche vorösterliche Fastenzeit!

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