Mittelfeldspieler Joshua Boehrer ist bei Rebstein auch Trainerassistent. Das merkt man im Spiel. Er spricht mit seinen Kollegen, spornt an, organisiert. Führt er den Ball, findet er immer eine Anspielmöglichkeit, weil er gute Übersicht hat. Leichtfüssig bietet er sich überall an, vorne und hinten, links und rechts. Er ist immer dort, wo es «brennt». Man hat das Gefühl, Laufen sei für ihn ein Vergnügen. Als er in der 88. Minute ausgewechselt wird, erreicht er die Spielerbank nicht im langsamen Trott, sondern im lockeren Laufschritt.
Mit der gleichen Leidenschaft
Im Gespräch nach dem Spiel – das Fussballgeschehen ist gründlich analysiert – wird seine berufliche Tätigkeit zum Thema. Er schildert seine Ausbildung und seinen Werdegang mit der gleichen Leidenschaft, mit der gleichen Begeisterung, wie er über Fussball erzählt hat. Grund genug also, mit dem KV-Lehrling zu beginnen, der auf der Gemeindeverwaltung von Berneck seine Ausbildung macht.
Nach dem Lehrabschluss arbeitet Joshua noch kurze Zeit in Berneck, dann studiert er an der Fachhochschule Graubünden ab 2015 im Bereich Sportmanagement. Aber es bleibt nicht beim Studium: Er arbeitet in der gleichen Zeit auch bei Lidl und füllt dort Gestelle auf.
Es war für mich wichtig zu sehen, dass es auch eine andere Arbeitswelt gibt.
Nach dem Abschluss mit dem Bachelor arbeitet er bei GFC Sports Management AG in Chur. Es wird eine intensive Zeit, die Beanspruchung ist an der oberen Grenze. Nach vier Jahren braucht er eine Pause und verlässt die Firma im Herbst 2023 ohne neuen Job. Lesen, Wandern und Biken bieten Entspannung, die Kräfte kommen zurück. Er findet im Jahr 2024 die Stelle bei der Sporthilfe Schweiz.
Sportlerinnen und Sportler unterstützen
Seit fast zwei Jahren gehört er nun zum Team der Sporthilfe Schweiz im Bereich Fundraising. Seinen Arbeitsplatz hat er in Zürich, aber er kann vieles von zu Hause aus erledigen. Es geht darum, Nachwuchsathletinnen und -athleten langfristig und nachhaltig zu unterstützen und für sie ein leistungsförderndes Umfeld zu organisieren.
Es ist ein schönes Gefühl, wenn eine Sportlerin, ein Sportler ein Ziel erreicht hat und wir dazu die Unterstützung bieten konnten.
Kein gutes Spiel
Kehren wir von der Welt des grossen Sports in unsere Region zurück, auf den Fussballplatz in Diepoldsau. «Es war kein gutes Spiel», sagt Rebsteins Trainer Ralph Heeb, «aber wir haben dominiert und verdient die nächsten drei Punkte geholt.» Seinen Assistenten lobt er: «Joshua und ich, wir haben vier Jahre ausgezeichnet zusammengearbeitet.»
Vor dem Spiel leitet der Assistent das Aufwärmen. Im Training gibt der Chef die grosse Linie vor, sein Assistent übernimmt einen Teilbereich.
Für mich sind Intensität und Qualität wichtig», sagt Boehrer, «und dies erreichen wir, wenn wir in jedem Training einen Schritt vorwärts machen.
Diese Zeit ist aber bald vorbei. Ende Saison verlässt Ralph Heeb den FC Rebstein. «Ich werde wohl nicht mehr Co-Trainer sein», sagt Boehrer, «aber ich wäre gern noch als Spieler dabei.»
Seit zwölf Jahren beim FCR
Seine Fussballlaufbahn beginnt der heute 31-Jährige in Au, in dem Verein, in dem sein Vater Guido Boehrer bis vor ein paar Jahren Sportchef war. Er spielt im Team Rheintal-Bodensee und für kurze Zeit in der ersten Mannschaft des FC Au-Berneck. Dann wechselt er zum FC Rebstein, der eine Liga höher spielt als der FCAB. Seit zwölf Jahren gehört er dort zum Kader der ersten Mannschaft, aber seine Rückenprobleme haben ihm immer Pausen aufgedrängt. In der laufenden Saison kann er wegen einer Kreuzbandverletzung in der Vorrunde nur zwei Spiele bestreiten. In der Rückrunde ist er bis jetzt aber bei jedem Spiel dabei gewesen.
Seit sechs Jahren wohnt er in Widnau, zusammen mit Fabienne Köppel, die dort aufgewachsen ist. Seine Partnerin kennt er schon länger. Beide sind in ihren Bereichen engagiert. «Aber es gibt immer wieder Zeiten für das Zusammensein. Das geniessen wir sehr.»
Abschied von der 3. Liga?
«Ich freue mich auf das Spiel am nächsten Sonntag gegen Brühl II, unseren hartnäckigsten Verfolger», sagt er. Mit einem Sieg wäre der Aufstieg praktisch geregelt. In Rebstein würde das allen Freude bereiten, ausser Roger Kuster. Der «Profi-Linienrichter» des FCR ist in der 2. Liga nicht gefragt, da kommt ein Trio. Aber Roger ist zuversichtlich:
Ich finde auch in der neuen Saison ein FCR-Team, das ich als Linienrichter unterstütze.
Rebsteins Nummer fünf organisiert, nicht nur auf dem Platz