Mit gerade einmal 19 Jahren arbeitet Kim Frei in einem renommierten Blumengeschäft in Kopenhagen, dort, wo florale Kunstwerke auch ihren Weg in das Umfeld des dänischen Königshauses finden. Nun sorgte sie mit einem ganz besonderen Werkstück, einem filigranen Ballettschuh aus Blüten, gestaltet für die Abschiedsfeier von Susanne Heering, für Aufmerksamkeit. Eine Arbeit voller Feingefühl, Symbolik und Leidenschaft.
Harmonie aus Formen und Farben der Natur
Schon früh war für Kim Frei klar, dass Kreativität einmal eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielen würde. «Ich war schon immer ein Naturkind», erzählt sie. Zunächst habe sie sich zwar für Grafikdesign interessiert, doch der Wunsch, mit den Händen zu arbeiten und nicht den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen, sei stärker gewesen. Nach ihrer ersten Schnupperlehre stand fest für sie fest: Floristik ist ihre Welt.
Besonders fasziniert sie bis heute die Möglichkeit, aus den Formen und Farben der Natur etwas Harmonisches entstehen zu lassen. «Es steckt so viel mehr hinter diesem Beruf, als viele Menschen denken», sagt Frei. Genau dieses Gespür für Ästhetik und Emotion brachte sie nun bis nach Dänemark.
Bereit für neue Herausforderungen
Das Praktikum in Kopenhagen erhielt sie über den Schweizer Floristenverband. Als Kim Frei die Ausschreibung entdeckte, meldete sie sich sofort an. Heute arbeitet sie bei «Bering House of Flowers», einem traditionsreichen Geschäft, das seit Jahren Praktikantinnen aus der Schweiz aufnimmt und unter anderem für florale Aufträge rund um das dänische Königshaus bekannt ist.
Der besondere Auftrag kam überraschend. Am Tag vor der Beerdigung von Susanne Heering herrschte Hochbetrieb im Atelier. «Am Morgen hiess es plötzlich, dass ich den Schuh gestalten darf», erinnert sie sich. Nervös sei sie nicht gewesen, vielmehr bereit für eine neue Herausforderung.
Die Verbindung zum dänischen Königshaus habe sich zunächst surreal angefühlt. Doch schnell habe sie gemerkt, dass auch Royals «normale Menschen» seien. Trotzdem sei es eine grosse Ehre gewesen, den Auftrag mit Liebe auszuführen.
Blüte für Blüte einzeln aufgeklebt
Viele Vorgaben gab es dabei nicht. Kim Freis Chef vertraute ganz auf ihr Gefühl, etwas, das in der Floristik oft entscheidend sei. Wichtig war vor allem die präzise Form des Schuhs. Die Grundform schnitt sie aus Trockensteckschaum, umwickelte sie sorgfältig und begann anschliessend, Blüte für Blüte einzeln aufzukleben.
Verwendet wurden unter anderem Meerlavendel, Chrysanthemen, Hyazinthen, Maiglöckchen, Spraynelken und Rosenblätter. Für die Spitze des Schuhs setzte sie drei Schmetterlingsranunkeln ein. Die Farbwelt bewegte sich in Rosa-, Weiss- und Lachstönen, zart, elegant und beinahe schwerelos.
Fast einen ganzen Tag arbeitete sie an dem Werkstück. «Jede einzelne Blüte wurde von Hand aufgeklebt. Das braucht viel Geduld und ein feines Händchen.» Besonders stolz ist sie auf die verspielten Dimensionen des Schuhs, auf Höhen und Tiefen, die ihm Lebendigkeit verleihen.
Die grosse Kunst der Trauerfloristik
Dass ihre Arbeit später sogar in den dänischen Nachrichten zu sehen war, realisierte sie erst im Nachhinein. Doch trotz der grossen Aufmerksamkeit betont Kim Frei, dass für sie es keine Rolle spiele, wie bekannt eine verstorbene Person war. «Ich stecke immer gleich viel Passion und Liebe in meine Arbeiten. Das Schönste ist, wenn Angehörige berührt sind.»
Gerade die Trauerfloristik liege ihr besonders am Herzen. Sie liebt es, mit Angehörigen über die Persönlichkeit der Verstorbenen zu sprechen, Lieblingsfarben oder Hobbys kennenzulernen und daraus florale Werkstücke entstehen zu lassen. «Das ist für mich die eigentliche Kunst dahinter.» Blumen könnten oft ausdrücken, was Worte nicht vermögen, sagt sie.
Sie erinnern daran, dass etwas schön war, obwohl es nicht bleibt.
Und wie geht es weiter? Einen festen Plan hat die junge Floristin nicht. Sie möchte reisen, neue Länder entdecken und weiter mit Blumen arbeiten. Vielleicht führe ihr Weg irgendwann wieder nach Dänemark zurück. Sicher ist für sie nur eines: «Ich weiss, dass ich auf dem richtigen Weg bin.»
Rheintaler Floristin gestaltet aussergewöhnlichen Blütenschuh