Schon immer im Goal, nun auch im Garten | Der Rheintaler

Fussball 25.04.2023

Schon immer im Goal, nun auch im Garten

Gute Unterhaltung in Altstätten: Acht Tore im Spiel gegen Ems, auf jeder Seite vier. Die Angreifer der beiden Mannschaften sind erfolgreich, die Torhüter weniger. Aber Altstättens Goalie Mirel Eugster hat Format.

Von Beni Bruggmann
aktualisiert am 25.04.2023

Das Spiel, gegen Ende hektisch, ist vorbei. Die Gemüter beruhigen sich. Die Spieler verabschieden sich mit Handschlag. Dann gehen sie in die Kabine. Nur der Altstätter Torhüter Mirel Eugster kommt auf die Spielerbank zum Gespräch. Der junge Mann ist ruhig, hört aufmerksam zu und gibt deutliche Antworten.

In jungen Jahren ist für ihn klar: Ich will Fussballprofi werden. Die Wahl, ins Tor zu stehen, hat allerdings keinen «profimässigen» Ursprung:

Ich war ein eher bequemes Kind, und der Goalie hat es gut: Er muss nicht ‹seckeln›.

Aber der Weg, den er einschlägt, führt gradlinig zum Profifussball. Die richtige Einstellung gehört rasch zu seinem Leben.

Mirel Eugster war im Nachwuchs des FCSG

Nach den ersten Schritten beim FC Altstätten spielt er in der Auswahl Rheintal-Bodensee, dann geniesst er das perfekte Angebot in den U-Mannschaften des FC St. Gallen. Er kann an der Sportschule St. Gallen Fussball und Lehre kombinieren und schliesst eine Ausbildung im Bereich KV ab. Im Fussball geht es bis ins U21-Team. Er hat beste Vorbilder, erinnert sich gut an Torhütertrainer Stefano Razzetti, an den Trainer Joe Zinnbauer oder Goalie Daniel Lopar.

Im Spiel gegen Ems hat Mirel Eugster viel Arbeit. Er kassiert vier Tore, zeigt aber doch ein gutes Spiel.
Im Spiel gegen Ems hat Mirel Eugster viel Arbeit. Er kassiert vier Tore, zeigt aber doch ein gutes Spiel.
Bild: Hansueli Steiger

Dieser Lopar stand im Jahr 2017 bei einem Heimspiel gegen Luzern im Tor, Ersatzgoalie Herzog war verletzt. Seinen Platz durfte der junge Rheintaler aus dem Nachwuchs übernehmen. Mirel Eugster erinnert sich:

Ich kam nicht zum Einsatz. Aber im Kybunpark zum Heimteam zu gehören, war ein wunderbares Erlebnis.

Es nährte die Hoffnung, beim FCSG wirklich einmal einen Platz im «Eins» zu bekommen.

Beim FC Wil danach keine Minute gespielt

Der Umweg über den FC Wil bot sich an. In der zweithöchsten Klasse Spielpraxis zu holen, war eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Seine Pluspunkte waren mit 1,87 m die Grösse, dann die Einstellung zum Fussball («Ich habe alles gegeben»), seine gute Torhütertechnik und – nicht selbstverständlich für einen Goalie – seine Beidfüssigkeit. «Ich habe im Training alles gegeben, aber keine Minute gespielt.» Nach zwei Jahren steht er da, ohne Spielpraxis, ohne Verein, ohne Vertrag. Aus der Traum.

Es folgt ein halbes Jahr Fussballpause. Dann erinnert er sich an den Stammverein, den FCA.

Ich wollte einfach ein bisschen mittrainieren. Es hat mir gefallen. Ich wurde gut aufgenommen. Als Stammgoalie Andrin Dietsche den Club verliess und der Platz im Tor frei war, habe ich zugesagt.

Die zweite Fussballkarriere beginnt. Und die zweite Berufskarriere grad auch.

Die zweite Lehre führt ihn in ein gutes Team

In der Firma seine Vaters Dani Eugster, einem Treuhandbüro in Altstätten, hat er früher einmal gearbeitet. In diese Richtung geht es aber nicht. «Ich wollte körperlich arbeiten», sagt er und beginnt mit 22 seine zweite Lehre, diesmal als Landschafts­gärtner.

Vorher bestand meine gärtnerische Leistung höchstens aus Rasenmähen. Dann konnte ich beim Schnuppern den Beruf kennenlernen. Obwohl es die ganze Zeit geregnet hat: Mir gefiel die Arbeit.

So ist er nun auch im Beruf in einem Team daheim. «Wir sind eine Gruppe von zehn Leuten, schaffen etwas Bleibendes und können am Schluss unsere Arbeit mit Stolz anschauen. Ich gebe mein Bestes und habe Freude an dieser Arbeit.»

Erstmals Rot beim Heimspiel gegen Vaduz

Zurück zum Fussball. Trainer Adi Brunner sagt über seinen Goalie: «Mirel ist einer der besten Torhüter in der Region.» Vor 14 Tagen ist Mirel Eugster im Spiel gegen Vaduz wegen eines Fouls vom Platz gestellt worden. «Meine erste rote Karte», sagt er, «ich habe beim Hinauslaufen gezögert.»

Der Torhüter gibt seine Erfahrung auch gern den anderen Spielern im Verein weiter.
Der Torhüter gibt seine Erfahrung auch gern den anderen Spielern im Verein weiter.
Bild: Hansueli Steiger

Für ihn kommt der 18-jährige Bruno Mota Marinho, ein FCA-Junior, zum Einsatz. «Ich profitiere von Mirels Erfahrung», sagt er, «und auch vom Torhütertraining jeweils am Dienstag. Ich freue mich auf jedes Training. Wir haben es oft sehr lustig.» Den Torhütertrainer treffe ich am Spiel und möchte ihn zu seinen beiden Schützlingen befragen. «Ich gebe keine Antwort,» sagt er knapp. Er ist wohl nur am Training gut gelaunt.