Alte Bäume vor 7 Stunden

Seit mehr als 100 Jahren spendet diese Platane Schatten und soll es weiter tun

Das Baumquartett des Vereins St.Galler Rheintal zeigt besondere Siedlungsbäume. Teil 9 unserer Serie widmet sich der Platane auf dem Dorfplatz von Marbach.

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

Wie in Balgach steht auch in Marbach in unmittelbarer Nähe zum Rathaus, direkt beim Restaurant Rössli, eine alte Platane. Rein von der Höhe und dem Volumen des Baumdaches her könnte man nicht auf einen alten Baum schliessen. Doch wer den Stamm mit seinen Beulen und Wuchtungen anschaut, kann erahnen, wie alt der Baum wirklich ist. Er hat einen Umfang von 4,8 Metern. Sein Alter wird im Baumquartett «Siedlungsbäume St. Galler Rheintal» auf 120 Jahre geschätzt. Im Schutzinventar der Gemeinde sind sogar 135 Jahre vermerkt.

Die Platane wurde als Schattenspender gepflanzt

Beim Nachfragen in der Nachbarschaft wird Thomas Oesch aus Balgach zu einer älteren Dame im Haus nebenan gewiesen. Er klingelt an der Haustüre, doch es regt sich nichts. So nimmt er sich die Zeit, beim Gemeindepräsidenten Alexander Breu nachzufragen. Er kennt die Platane am Dorfplatz gut. Sie wächst allerdings auf Privatgrund und wurde ursprünglich wohl als Schattenspender für den Biergarten gepflanzt. Käme der Baum bei einem Bauvorhaben zu Schaden oder würde gefällt, würden sich der Gemeinderat und die Denkmalpflege wehren. Ob dies reicht, um den Baum weitere 100 Jahre am Leben zu lassen, bleibt offen. Aktuell wird das ehemalige Restaurant innen renoviert, und der neue Eigentümer schätzt offenbar den Baum.

Auf dem Retourweg trifft Oesch auf Verena Haltinner. Nach 1959 hütete sie den Kindergarten der Gemeinde und erzählt, wie damals zwei Kinder den Stamm mit ihren Armen umfassen konnten. Später brauchte es sogar drei Kindergärtler, um den Baum zu umarmen. Als Kind spielte Verena Haltinner jeweils im Herbst im Laubhaufen. Nun ist sie 92 Jahre alt und freut sich nach wie vor täglich am Leben im und unter dem Baum.

Pflege kostet jährlich 2000 Franken

Der ehemalige Wirt des «Rössli» hatte nicht immer Freude an dem Baum. Er bezifferte die jährlichen Kosten für Pflege und Unterhalt auf 2000 Franken. Vor etwa zwölf Jahren wurde der Baum massiv auf fünf «Finger» zurückgestutzt. Auch später wurde er alle paar Jahre radikal geköpft. Wie in Balgach beim Rathaus stellt sich Thomas Oesch hier die Frage, ob dem Baum nicht ein grösseres Baumdach zugestanden werden kann. Dazu sollten pro Kopf ein paar Leittriebe stehen bleiben und freigestellt werden. Erfahrungen in St. Gallen zeigten, dass die ehemals geköpften Platanen schon nach ein paar Jahren ihre natürliche, breitausladende Form annahmen. Der so belassene Baum bedankt sich in Hitzesommern mit kühlendem Schatten. Ein Wert, der nach dem heissen 2026 sicher auch in Marbach von den Bewohnerinnen und Bewohnern geschätzt wird. Dazu gehört wohl auch der Architekt, der im Parterre des Restaurants sein Büro betreibt. Er braucht wohl kaum noch eine Klimaanlage.

Die Platane zeigt sich aktuell recht vital. Die Hitze scheint ihr wenig ausgemacht zu haben. Vermutlich dringen ihre Wurzeln bis tief in den feuchten Schuttfächer des Dorfbaches ein, der in unmittelbarer Nähe eingedolt verläuft.

Das Baumquartett «Siedlungsbäume St. Galler Rheintal» kann bei den Gemeindehäusern bezogen werden. www.regionrheintal.ch/baumquartett