Hitzewelle vor 1 Stunde

So bleiben die Rheintalerinnen und die Rheintaler besonnen in der prallen Sonne

Die vorherrschende Hitzewelle birgt Gefahren, die aus polizeilicher Sicht unbedingt zu beachten sind, schreibt die Kantonspolizei St. Gallen in einer Medienmitteilung. Das Verhalten kann derzeit besonders risikobehaftet sein. Auch Hundebesitzer müssen zum Wohle ihrer Vierbeiner einige Regeln beachten.

Von kpsg/red
aktualisiert vor 1 Stunde

Der Kanton St. Gallen hat am Dienstag mit zwei Medienmitteilungen auf die vorherrschenden Gefahren aufgrund der Trockenheit sowie auf die gesundheitlichen Risiken durch die hohen Temperaturen hingewiesen (siehe Boxen). Auch aus Sicht der Kantonspolizei ist die vorherrschende Hitzewelle mit erheblichen Risiken verbunden, die es zu beachten gilt.

Hunde dürfen nicht im Auto gelassen werden

So musste die Polizei am Montagnachmittag in Wil ausrücken, weil ein Hund allein im geschlossenen Auto zurückgelassen worden war. Das Thermometer im Wageninnern kann auf weit über 50 Grad ansteigen. Selbst das Öffnen eines Fensters schafft hier keine Abhilfe, denn der Kühleffekt ist dabei sehr gering. Auch das Parkieren im Schatten bringt nur kurzzeitige Besserung, da die Sonne und somit auch der Schatten schnell wandern. Hundebesitzerinnen und -besitzer sollten ihre Tiere deshalb in der Sommerhitze auf keinen Fall im Auto zurücklassen, sonst besteht die akute Gefahr eines Hitzeschlags. Selbstverständlich gilt die Warnung nicht nur für Hunde, sondern auch für Kinder im Auto. In einem Ratgeber auf der Website der Kantonspolizei werden weitere Verhaltensregeln genannt, etwa regelmässig eine Pause bei längeren Autofahrten zu machen.

Unkrautbrenner verursachten Heckenbrände

Mehrmals musste die Kantonspolizei St. Gallen in den letzten Wochen ausrücken, nachdem Hecken zu brennen begonnen hatten. Ein solches Feuer kann sich rasch auf umliegende Gebäude ausbreiten. Ursache war meist die Benutzung eines Brenners, mit dem Unkraut verbrannt worden war. Gerade bei trockener Witterung ist im Umgang mit Feuer und Hitzequellen besondere Vorsicht geboten. Trockene Hecken, Sträucher und Grasflächen können rasch Feuer fangen. Die Kantonspolizei empfiehlt, Unkraut in der Nähe von Hecken nicht mit offener Flamme zu entfernen. Auch Grill, Feuerschalen und heisse Asche sind nur mit ausreichendem Abstand zu Holz, Hecken, Sträuchern und trockenem Gras zu verwenden.

Sicherheit im und auf dem Wasser

Viele Menschen suchen bei den aktuellen Temperaturen das kühle Nass. Auch im Bereich von Gewässern und Wassersport müssen Gefahren beachtet werden. Schwimmunfälle oder Ereignisse im Zusammenhang mit Booten kommen leider immer wieder vor. Auch hier verfügt die Kantonspolizei St. Gallen über wertvolle Ratgeber.

Kanton und Apotheken gemeinsam für Hitzeschutz

Hohe Temperaturen können die Gesundheit belasten. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere und Kleinkinder. Das Amt für Gesundheitsvorsorge und der Apothekenverband St. Gallen/Appenzell starten eine gemeinsame Aktion zum Hitzeschutz mit Informationen, praktischen Tipps und Beratung rund um das Thema Hitze und Gesundheit.

Hohe Temperaturen können zu Kreislaufproblemen, Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten führen. Bereits einfache Massnahmen helfen, gesundheitliche Risiken zu verringern: ausreichend trinken, direkte Sonneneinstrahlung meiden, körperliche Aktivitäten an die Temperaturen anpassen und für regelmässige Abkühlung sorgen. Ebenso wichtig ist es, auf Menschen im eigenen Umfeld zu achten, die besonders von Hitze betroffen sind.

Apotheken als niederschwellige Anlaufstelle

Mit der Kampagne «Zu heiss? Wir sind da.» machen die Mitgliedsapotheken des Apothekenverbands St. Gallen/Appenzell auf ihre Rolle als leicht zugängliche Anlaufstelle aufmerksam. Apothekerinnen und Apotheker beraten bei Fragen zu Hitze, Gesundheit und Medikamenten und unterstützen Kundinnen und Kunden dabei, geeignete Schutzmassnahmen für den Alltag zu finden. Auch können besonders gefährdete Personen unkompliziert erreicht und auf bestehende Informations- und Unterstützungsangebote aufmerksam gemacht werden.

Informationen und praktische Unterstützung

Während der Kampagne stellen die teilnehmenden Mitgliedsapotheken des Verbands im Kanton Informationsmaterialien für verschiedene Zielgruppen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Empfehlungen zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern während heisser Tage. Um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen, werden Give-aways abgegeben. Die Apotheken können die Aktion mit zusätzlichen Angeboten ergänzen, beispielsweise mit der Möglichkeit, vor Ort Wasser zu trinken oder sich kurz auszuruhen.

Teil des kantonalen Hitzeaktionsplans

Die Kampagne ist Teil des kantonalen Hitzeaktionsplans. Dieser verfolgt das Ziel, die Bevölkerung besser auf Hitzeperioden vorzubereiten, besonders gefährdete Personen zu schützen und die Gesundheitskompetenz rund um Hitze und Gesundheit zu stärken. Auf der Plattform zum kantonalen Hitzeaktionsplan finden Bevölkerung, Fachpersonen und Institutionen aktuelle Informationen, Empfehlungen und Materialien zum Umgang mit Hitze.

Wer unvorsichtig ins Wasser geht, riskiert schwere Unfälle. Schwimmen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ist ein No-Go; man soll nicht überhitzt und möglichst nicht allein ins Wasser gehen. Auch das Springen in unbekannte oder trübe Gewässer sei zu unterlassen. Kinder dürfen am Wasser keine Sekunde unbeaufsichtigt sein und sollten stets in Griffnähe bleiben. Warnhinweise und Anweisungen von Rettungskräften sind unbedingt zu befolgen, weil Strömungen oft unterschätzt werden. Wer unsicher schwimmt, sollte überwachte Badeplätze nutzen. Schwimmhilfen bieten nur zusätzliche Sicherheit und ersetzen keine Schwimmkenntnisse.

Ob Gummiboot, Stand-up-Paddle oder Motorboot: Sicherheit auf dem Wasser beginnt mit guter Vorbereitung. Wasserfahrzeuge müssen korrekt beschriftet sein, für jede Person ist ein Rettungsmittel mitzuführen – idealerweise wird die Schwimmweste ständig getragen. Auf Alkohol sollte verzichtet werden. Boote dürfen nicht überladen oder zusammengebunden werden. Wer aufs Wasser geht, muss sich über die geltenden Vorschriften und mögliche Gefahren informieren. Bei Sturmwarnungen ist das Gewässer sofort zu verlassen. Wer einen Notfall bemerkt oder ein verlassenes Boot entdeckt, alarmiert umgehend die Polizei.

Auch in den Bergen ist es heiss

Auch ein Ausflug in die Berge drängt sich bei vielen Menschen in den Sommermonaten auf. Bei den aktuellen Temperaturen bleibt es aber auch in der Höhe überdurchschnittlich heiss. Daher gilt auch dort die Devise, dass man sich gut ausrüstet und seinen körperlichen Zustand richtig einschätzt, wenn man sich auf Wanderungen oder Velotouren begibt. Wichtig ist es, auf jeden Fall genug zu trinken dabeizuhaben. Wenn man sich nicht an diese Grundsätze hält, geht man auch in den Bergen ein unnötiges Risiko ein.

Die Kantonspolizei St. Gallen appelliert bei der vorherrschenden Hitze an ein besonnenes Verhalten, sei es im Umgang mit den Risiken als auch mit der Natur und den Mitmenschen.

Erhebliche Trockenheit im Kanton 

Die Gefahr durch Trockenheit im Kanton St.Gallen nimmt rasch zu. Die bereits tiefen Wasserstände in Oberflächengewässern und im Grundwasser sinken weiter, die Wassertemperaturen sind vielerorts hoch. Der Kanton schränkt deshalb den Gemeingebrauch von Wasser ein. Die Einschränkung tritt ab sofort ein und gilt bis auf Widerruf. Im Wald ist zudem grosse Vorsicht im Umgang mit Feuer geboten.

Die Trockenheit im Kanton St.Gallen nimmt rasch zu. Nach zwei schneearmen Wintern in Folge gab es auch im Frühling 2026 ein deutliches Niederschlagsdefizit. Im letzten Halbjahr fiel im Kanton St.Gallen nur 50 bis 75 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagssumme. Das Jahr 2026 ist damit bisher insgesamt viel zu trocken. Rund die Hälfte der Flüsse und Bäche führen Niedrigwasser. Sie sinken ebenso wie die Grundwasserstände kontinuierlich weiter. Die Seepegelstände sind ebenfalls für die Saison sehr tief.

Die Wassertemperaturen der Bäche und Seen liegen 3 bis 5 Grad über den saisonal üblichen Werten und erreichen an rund der Hälfte der Messtationen täglich Werte über 20 Grad. Ein Fünftel der Messstationen misst kritische Werte über 25 Grad. Für Wasserlebewesen bedeutet zu wenig und zu warmes Wasser mit geringer Sauerstoffsättigung Lebensgefahr. Besonders betroffen sind kälteliebend Fischarten wie Bachforelle und Äsche.

2026 ähnlich wie die Rekordsommer 2003 und 2018

Die Trockenheitslage im Kanton St.Gallen hat sich in den letzten Wochen schnell und deutlich verschlechtert. Sie ist mittlerweile mit der Situation in den Rekordsommern von 2003 und 2018 vergleichbar. Ohne flächendeckende und regelmässig wiederkehrende Niederschläge werden die Abflüsse, Seewasserstände und Grundwasserstände weiter sinken. Lokale Gewitter geben keine Entspannung der Trockenheitssituation.

Bei den grösseren öffentlichen Wasserversorgungen sind derzeit keine Versorgungsengpässe bekannt. Ebenso ist der Bodensee trotz tiefer Wasserstände ein genügend grosser Trinkwasserspeicher.

Verbot von Wasserentnahmen im gesamten Kanton

Der Fachstab Trockenheit des Kantons St.Gallen hat die Naturgefahrenstufe für Trockenheit in den Gefahrenregionen St.Gallen-Rorschach, Rheintal, Werdenberg, Untertoggenburg und Linthgebiet auf Stufe 3 (erhebliche Gefahr) erhöht. Das Neckertal und das Fürstenland bleiben ebenso auf Stufe 3. Im Obertoggenburg, Sarganserland und Seeztal besteht Gefahrenstufe 2 (mässige Gefahr).

Per sofort ist per Allgemeinverfügung der Gemeingebrauch von öffentlichen Oberflächengewässern im gesamten Kanton eingeschränkt. Das heisst, dass Wasserentnahmen auf dem gesamten Kantonsgebiet ohne Bewilligung untersagt sind. Vom Verbot ausgenommen sind der Bodensee, Walensee und Zürichsee; der Alpenrhein, der Vilterser-Wangser-Kanal ab Sargans, der Rheintaler und Werdenberger Binnenkanal, der Alte Rhein bei Diepoldsau und der Alte Rhein ab St. Margrethen, die Linth und der Linthkanal.

Erhebliche Waldbrandgefahr

Die anhaltende Trockenheit und die grosse Hitze verschärfen auch die Waldbrandgefahr. Das Kantonsforstamt hat letzten Freitag im ganzen Kanton die Waldbrandgefahr Stufe 3 (erhebliche Gefahr) eingeführt. Von einem kantonalen Feuerverbot in Wald- und Waldesnähe sieht der Kanton aktuell ab, jedoch mahnt er zum vorsichtigen Umgang mit Feuer in der Natur. Schon brennende Streichhölzer und Funkenflug eines Grillfeuers können einen Brand entfachen.