Im trockenen Hitzesommer 2026 gab es nicht viele Anlässe, die aus Witterungsgründen verschoben werden mussten. Die Organisatoren des Tönirennens, der Veloclub Altstätten (VCA) und Gili’s Velolade, hat es mit «Uf de Töni», das in der Region längst zur Tradition gehört, aber gleich zweimal mit einer Absage «breicht». Die Wetteraussichten für die Mittwochabende, an denen das Rennen ursprünglich geplant war (3. und 10. Juni), waren so schlecht, dass das OK schon früh beschlossen hatte, das Rennen abzusagen.
«Vielleicht findet es später im Jahr noch statt», hiess es damals in einer Mitteilung. Aller guten Dinge sind drei: Diesmal waren die Wetterköche dem Tönirennen gut gesinnt. «Nehmen wir nochmals einen Anlauf», sagte ein zufriedener VCA-Präsident Marcel Dürr. Mit insgesamt elf Fahrerinnen und genau 100 Fahrern wurde die Vorjahresmarke um zwei Teilnehmende überboten.
Melanie Geiger sechs Minuten schneller als 2025
Bereits eine Stunde vor dem Start war bei der Nummernausgabe beim ehemaligen Restaurant Krone einiges los. Dort stand auch die Startrampe, wo pünktlich um 18 Uhr das Einzelzeitfahren startete. 10,7 Kilometer beträgt die Streckenlänge, die es jeweils zu bewältigen gilt, verteilt auf 660 schweisstreibende Höhenmeter. «Uf de Töni» ist ein interkantonales Rennen: Kurz vor der Landmark wird die Kantonsgrenze zu Appenzell Innerrhoden überquert. Auf der Strecke geht es stetig aufwärts – abgesehen von einer rasanten Abfahrt auf der Haggenstrasse kurz vor dem Restaurant Wilden Mann, die dann wenige Hundert Meter vor dem Ziel wieder in eine happige Steigung übergeht.
Die Namen auf dem ersten Platz sind sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gleich wie letztes Jahr – und beide waren eine Klasse für sich. Bei den Frauen bezwang Melanie Geiger aus dem vorarlbergischen Göfis den Berg über sechs Minuten schneller als im letzten Jahr. Mit einer Zeit von 30 Minuten und 43 Sekunden nahm sie der Zweitplatzierten, Alia Pfiffner aus Davos-Platz, fast fünf Minuten ab. Marielle Hintereder aus Thal vervollständigte das Podest als sehr gute Dritte.
Thomas Litscher war eine Klasse für sich
Auch bei den Männern gab es einen souveränen Sieger: Thomas Litscher, der ehemalige Mountainbikeprofi, stellte mit 26 Minuten und 11,4 Sekunden einen sagenhaften neuen Streckenrekord auf. Der Thaler erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,6 Stundenkilometern. Eine Zuschauerin lachte und sagte: «Da bin ich ja mit dem Auto fast langsamer.» Wer die Strecke kennt, weiss um Litschers herausragende Leistung. Das Podest wurde mit zwei Fahrern aus Vorarlberg komplettiert: Marcel Summer (Lochau) und Luis Reheis (Feldkirch).
Der Heerbrugger Marcel Fürer, der auf den 22. Platz fuhr, sagte: «Der St.Anton ist mein Hausberg. Wenn ich schnell Velofahren gehe, fahre ich hier hinauf.» Robin Spiess aus Marbach, der sich in den Top 20 klassierte, sagte: «Eigentlich ist das Rennen für mich gut gelaufen. Aber ich spüre noch den Nationalpark-Marathon vom letzten Samstag.» Was gut verständlich ist: Dieser ist 140 Kilometer lang und es sind 4000 Höhenmeter zu bewältigen. Da fühlt sich das «Tönirennen», mit Verlaub, wie eine lockere Trainingsfahrt an.
Das erste, aber nicht das letzte Mal
Zufrieden war auch Riccardo Rogantini aus Heerbrugg: Er blieb als Elfter knapp über einer Zeit von 30 Minuten. Er hat bereits ein Ziel für das nächste Jahr: «Ich probiere dann, unter diese Marke zu kommen.» Beeindruckt von der Strecke und der herrlichen Aussicht war die Engländerin Marion Peters, die in Feldkirch wohnt: «Ich bin zum ersten Mal hier oben, aber bestimmt nicht das letzte Mal.»
Die Zeitmessung wurde wieder von Clemens Eugster betreut. Er sagte: «Die Software haben wir nun das zweite Jahr im Einsatz. Die Zeit wird durch einen Transponder genommen, der zusammen mit der Startnummer am Velo befestigt wird.» Ausgelöst wird sie bei der Startrampe in Altstätten; gestoppt wird sie, sobald die Lichtschranke auf dem St.Anton überquert wurde. Die Zeiten werden sofort in der Tabelle aktualisiert. «Dadurch müssen wir keine Ranglisten mehr ausdrucken. Wenn ich hier oben am Zusammenräumen bin, können sie unten im Lindenhof bereits mit der Siegerehrung beginnen», sagte Eugster. Dort gab es dieses Jahr wieder einen Cordon-Bleu-Plausch. Auch dieser ist eine schöne Tradition.
«Uf de Töni 2026»
Ranglistenspitze
Frauen: 1. Melanie Geiger (Göfis/A) 30:43,0min; 2. Alia Pfiffner (Davos-Platz) 35:20,1; 3. Marielle Hintereder (Thal) 38:17,9; 4. Kristina Rimmele (Hard/A) 38:20,9; 5. Denise Camenisch (Paspels) 39:06,7; 6. Martina Fenk (Hinterforst) 40:58,8.
Männer: 1. Thomas Litscher (Thal) 26:11,4min (neuer Streckenrekord); 2. Marcel Summer (Lochau/A) 27:02,4; 3. Luis Reheis (Feldkirch/A) 27:35,1; 4. Raul Schneider (Tübach) 27:49,5; 5. Paul Freuis (Dornbirn/A) 27:54,6; 6. Manuel Schreiber (Dornbirn/A) 28:23,5.
Komplette Rangliste: my.raceresult.com/392111/
Thomas Litscher fährt am «Tönirennen» einen neuen Streckenrekord