Der Gletscherhügel in St. Margrethen macht seinem Namen an diesem Morgen Ende November alle Ehre: Der Parkplatz vor dem gleichnamigen Restaurant ist vereist, der Weg zur Villa auf dem Hügel dahinter auch. Hier renovieren Chiara Rusch und Sebastiaan den Breeijen, beide 31, eine alte, riesige Villa zu ihrem Traumhaus um. Ursprünglich stammen sie nicht aus dem Rheintal, sondern aus der Region Weinfelden. Nun erzählen sie, wie sie nach St. Margrethen kamen.
Per Checkliste ins Rheintal
«Es war immer mein Traum, ein Eigenheim zu haben», sagt Sebastiaan, von Beruf gelernter Zimmermann und mit etlichen Weiterbildungen insbesondere im Bereich Bauplanung. Immobilien interessierten ihn schon seit jeher. Er stellte sich allerdings vor, ein erstes Umbauprojekt als Investment zu betrachten und es nach getaner Arbeit zu verkaufen. Dann lernte Sebastiaan Chiara kennen, die als Head of Sales in der Medienbranche arbeitet und zudem als Flugbegleiterin unterwegs ist. Sie liess sich von der Idee ihres Partners anstecken. Das Paar fing an, nach möglichen Objekten zu suchen.
Die beiden erstellten eine Checkliste mit den ihnen wichtigen Punkten wie Garten und Wald, welche die Immobilie ergänzen sollte. Nun begannen sie, in der ganzen Schweiz nach geeigneten Objekten Ausschau zu halten und stiessen so aufs Rheintal. Eines Tages luden sie ihre Velos ins Auto, brachen zu einer Erkundungstour auf und begeisterten sich für die Region.
Ein «geniales» 8700 Quadratmeter grosses Grundstück
Dann poppte auf einem Suchportal das Haus auf dem Gletscherhügel auf. «Wir hätten uns beinahe gegen eine Besichtigung entschieden», sagt Sebastiaan. Und:
Ich wollte ja schon umbauen, aber so ein Riesenhaus? Ich sah, dass wir da viel Ballast übernehmen würden.
Trotzdem schauten sich Chiara und Sebastiaan das zum Verkauf stehende Objekt an – und verliebten sich in die ehemalige Pension. Chiara sagt: «Es ist einfach mega schön.» Sebastiaan findet die Lage auf dem Hügel, den zum Haus gehörenden Wald und das über 8700 Quadratmeter grosse Grundstück «genial».
In der «alten», sprich noch nicht umgebauten Küche besiegelten sie im Mai 2023 den Erwerb des «Oberen Gletscherhügels» per Handschlag mit dem Verkäufer. Im darauffolgenden Juli unterschrieben sie den Kaufvertrag. Im Herbst zogen sie ein, vorerst ins erste Geschoss, das bewohnbar war.
Die Idee eines reinen Investments hat sich mittlerweile in Richtung Eigenheim für eine zukünftige Familie verschoben. Seit letztem Frühling wohnen Chiara und Sebastiaan im Erdgeschoss, mit neuer Küche, fertigem Wohnzimmer und Blick auf den See. Nun ist das Obergeschoss an der Reihe; hier werden die Schlafzimmer und die Bäder entstehen. Eine Wendeltreppe führt ins Dachgeschoss und noch einen Stock höher ins markante Türmchen. Hier ist noch nichts verplant. Chiara: «Wir haben aber verschiedene Ideen: Gästezimmer, Spielzimmer oder Räumlichkeiten für ein B&B.» Das nächste grosse Ziel der beiden ist es, bis im Sommer die Fassade so weit fertigzustellen, dass ein Teil des Gerüsts rückgebaut werden kann.
Ein solches Haus kauft man nicht schlüsselfertig
Könnte man denn einen solchen Umbau auch ohne Sebastiaans Fachkenntnisse realisieren? Theoretisch ja, sagt das Paar, aber Sebastiaans Ausbildungen seien schon ein Geschenk. «Zwei von meiner Sorte würden das nur mit ganz viel Geld hinbringen», sagt Chiara und lacht. Sebastiaan erzählt von Schadstoffanalyse und -sanierung, die beim Umbau eines alten Hauses unabdingbar seien, oder vom 3D-Scanner, mit dem sie sämtliche Räume erfassten und so Baupläne für das Baugesuch erstellten. Und davon, dass es nicht einfach sei, ohne Kenntnisse der Branche die richtigen Handwerker und Unternehmen für ein Projekt zu finden. Es wird klar: Ein Haus wie das auf dem Oberen Gletscherhügel kauft man nicht schlüsselfertig. Sebastiaan:
Aber ich habe grosses Glück, dass Chiara das alles mitmacht. Ohne sie würde es nicht gehen.
Auch wenn ihr Partner oft im Bild ist: Chiara ist es auch, die den Account@hillhouserenovations auf Instagram unterhält und diesen mit Content füttert. Mittlerweile folgen dem Paar 24’000 Follower.
Welches Rezept haben die beiden für das Stemmen eines solchen Mammutprojekts? Chiara:
Man muss von Anfang an realistisch sein. Wir wussten, dass uns das Projekt vier bis fünf Jahre lang beschäftigen würde.
Dass sie bei anderem, wie etwa Ferien, zurückstecken müssen, war ihnen klar. «Wir haben dieselbe Vision. Uns ist Qualität wichtig. Und: Wir machen lieber einmal etwas, dann aber richtig.»
Arbeit am eigenen Haus als perfekter Ausgleich
Sebastiaan hat sich mittlerweile auf die Baustelle im zweiten Stock zurückgezogen. Jetzt arbeite er vorwiegend im Büro, erzählt er, deshalb sei die Arbeit an seinem eigenen Haus ein perfekter Ausgleich: «Hier fühle ich mich wohl, auch bei Kälte.» Er zeigt das Isoliermaterial aus Zellulose und Borsalz. Das sei toll, schwärmt er: nachhaltig, robust, mit Eigenschaften, die Nagetiere und Feuchtigkeit abhalten können. «Wir versuchen, alles so ökologisch wie möglich zu machen.»
Auch sonst sind die beiden am Ortsrand von St. Margrethen happy. Vereiste, steile Strassen? Chiara:
Allermeistens kommen wir gut zum Haus, die Gemeinde räumt die Strasse. Sonst lassen wir das Auto halt einmal unten stehen.»
Das Rheintal habe «Flair», finden beide. Es sei schön, dass die Wintersportorte nicht allzu weit weg lägen. Am Schluss erzählt Chiara, dass sie Wurzeln im Sarganserland hat: Ihr Vater kommt aus Trübbach, ihre Mutter aus Wangs. Vielleicht war also doch mehr als Zufall dabei, als bei der Internetsuche das Haus auf dem Hügel aufpoppte.
Traumhaus auf dem Gletscherhügel: So renovieren Chiara und Sebastiaan ihre 120 Jahre alte Villa