Die Fassung Oberer Rheinspitz befindet sich im Bauperimeter des Hochwasserschutzprojekts Rhesi. Zudem liegt ein grosser Teil der Schutzzone auf österreichischem Boden. Diese Ausgangslage führt gemäss Mitteilung des Gemeinderats seit Jahren zu gewässerschutzrechtlichen Herausforderungen und im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutzprojekt zu Konflikten. Die Gemeinde nutzt nun die laufende Überarbeitung der generellen Wasserversorgungsplanung (GWP), um die Versorgungsinfrastruktur vorausschauend weiterzuentwickeln.
Widenmad als geeigneter Alternativstandort bestätigt
Mit Blick auf die Fassung am Oberen Rheinspitz hat sich der Rat mit dem provisorischen Grundwasserschutzareal Widenmad auseinandergesetzt. Diese Thematik ist nicht neu: Erste diesbezügliche Abklärungen gehen bis in die 1970er-Jahre zurück. Die seit 2022 durchgeführten vertieften hydrogeologischen Untersuchungen zeigen gemäss der Gemeinde deutlich: In der Widenmad befindet sich ein Grundwasservorkommen, das hinsichtlich Menge und Qualität demjenigen am Oberen Rheinspitz gleichwertig ist.
Die Verlegung der Grundwasserfassung löst gewässerschutzrechtliche Konflikte, weil die Schutzzone künftig nicht mehr zu einem Grossteil im Ausland liegt. Gleichzeitig liegt der neue Standort ausserhalb des Bauperimeters des Hochwasserschutzprojekts. Zudem könne der Betrieb während der Bauzeit von Rhesi ohne Unterbruch sichergestellt und die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Die Konzessionsmenge am neuen Standort Widenmad beträgt 1'000'000 m3 pro Jahr – wie bisher am alten Standort. Die Fläche Widenmad befindet sich mehrheitlich im Eigentum des Rheinunternehmens und ist an zwei Landwirte verpachtet.
Die Bewirtschafter der Widenmad wurden bereits im Laufe der hydrogeologischen Untersuchungen informiert. An einer speziellen Info-Veranstaltung für die Pächter vom 20. Februar haben der Rat und die Verpächterin zusammen mit verschiedenen involvierten Fachleuten nochmals die Rechtslage und die Situation der Trinkwasserversorgung im St. Galler Rheintal und in Diepoldsau ausführlich erläutert.
Im Zusammenhang mit Rhesi ist die Sicherstellung der Wasserversorgung während und nach der Bauzeit eine zentrale Herausforderung. 13 von 19 Grundwasserfassungen im St. Galler Rheintal liegen im Rheinvorland.
Regionale Zusammenarbeit im Rheintal
Die vier regionalen Wasserproduzenten haben gemeinsam ein Konzept für die Ersatzwasserversorgung erarbeitet, das auch für die Zeit nach dem Bau von Rhesi die Trinkwasserversorgung langfristig sichert. Es legt fest, welche Grundwasserfassungen im Rheinvorland verbleiben können und welche neu erschlossen oder verlegt werden müssen. Dabei musste für jede Grundwasserfassung im Rheinvorland der Nachweis der Standortgebundenheit einzeln erbracht werden, auch für die Wasserfassung Oberer Rheinspitz. Mit der Verlegung in die Widenmad könne diese gewässerschutzrechtliche Problematik nachhaltig gelöst werden. Um während der Bauzeit von Rhesi einen Wassertransfer zwischen den Versorgungsgebieten zu ermöglichen, ist der Bau von neuen Verbindungsleitungen nötig. Die entsprechenden Linienführungen wurden im Ersatzwasserkonzept ebenfalls festgelegt.
In den nächsten Arbeitsschritten werden die definitiven Fassungsstandorte bestimmt sowie Brunnentypen und Schutzzonen festgelegt. Die entsprechenden Planunterlagen sollen gemeinsam mit dem Hochwasserschutzprojekt Rhesi im Mai 2027 öffentlich aufgelegt werden. Mit der Erschliessung des Widenmads setzen die Gemeinde und die Wasserversorgung Diepoldsau gemäss Mitteilung auf eine rechtlich abgesicherte, technisch solide und langfristig tragfähige Lösung zur Sicherung der Trinkwasserversorgung für Bevölkerung und Wirtschaft.
Trinkwasserversorgung sichern: Wasser kommt künftig vom Widenmad