Wenn auf der Freilichtbühne gespielt wird, ist einer immer dabei: Peter Kretz. Seit Beginn – und sogar schon beim Vorgängerprojekt – war er jedes Mal mit von der Partie. Elf Stücke über drei Jahrzehnte hinweg: Kein anderes Vereinsmitglied kann so viele Auftritte als Schauspieler verbuchen wie er.
Mit dieser Konstanz ist er der dienstälteste Schauspieler und prägt das Theater seit dessen Anfängen entscheidend mit.
Ein Jubiläum startete die Schauspielkarriere
Sein Weg zum Theater begann 1991 anlässlich der Feierlichkeiten zum 700. Geburtstag der Schweiz. In Oberriet entschied man, auf Schloss Blatten Tellspiele aufzuführen. Peter und sein Bruder Roman Kretz meldeten sich und legten damit den Grundstein für eine Theaterleidenschaft, die bis heute anhält. «So kam ich zum Theater», sagt Peter Kretz nüchtern. Dass daraus eine über 30-jährige Bühnentreue entstehen würde, ahnte damals wohl niemand.
Nach den Tellspielen folgte der nahtlose Übergang: Viele der damaligen Mitwirkenden meldeten sich auch im Jahr 1994, um ein paar Hundert Meter weiter südlich, in Rüthi, mitzuspielen. Schliesslich waren mit Werner Kolb als Regisseur und Kuno Bont als Autor wieder dieselben «Theatermacher» am Werk.
Das Theater liess ihn nicht mehr los
Peter Kretz nennt seinen Entscheid «eine Ehrensache». Ihm gefiel es, und er blieb. Nicht aus Gewohnheit, sondern aus Begeisterung: für den Freilichtcharakter, das Ambiente, den Kulissenbau, die Technik und vor allem für das Zusammenspiel von Menschen. «Wir sind mittlerweile eine grosse Theaterfamilie. Man sieht Generationen heranwachsen. Kinder von einst stehen heute als junge Erwachsene auf der Bühne.» Damit ist unter anderem sein Neffe Daniel Kretz gemeint. Ein eben solches Kind von einst, das heute immer noch aktiv auf der Bühne steht.
Die Rollen, die Peter Kretz bisher gespielt hat, wurden mit den Jahren immer grösser und anspruchsvoller: vom Hirtenjungen und Bauern bis zu tragenden Rollen wie Geschäftsmann und Gemeindeammann. Besonders gefallen haben ihm letztere Figuren, bei denen er führen und Präsenz zeigen konnte.
Durch meine vielen Vereinstätigkeiten, aber auch mein berufliches Engagement, bin ich es gewohnt, vor Leute zu stehen und sozusagen den Ton anzugeben.
Da falle es ihm jeweils einfach, sich auf die Rolle einzustellen. Seine Postur unterstütze ihn dabei sehr. Am meisten gefordert habe ihn die Rolle des Rheinbau-Leiters, einer Figur zwischen Vision, Widerstand und Verantwortung, die oft hart, manchmal aber auch nachsichtig ist.
Rückzug hilft gegen Lampenfieber
Trotz seiner über 30 Jahre Bühnenerfahrung kennt Peter Kretz Lampenfieber. Er begegnet ihm mit Ruhe und Rückzug vor dem Auftritt. Auf neue Rollen bereitet er sich sorgfältig vor, unter anderem mit einer selbst verfassten Rollenbiografie. Wichtig ist ihm, der Figur einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit zu geben. Das mache das Spiel natürlicher. Traumrollen braucht er keine.
Jede Rolle sei eine Aufgabe. Mit der Küchenhilfe Andres in der aktuellen Inszenierung «Kurhotel Kamor», die im September aufgeführt wird, wartet bereits die nächste Herausforderung. Und solange er diese annehmen darf, wird eines sicher sein: Wenn in Rüthi Theater gespielt wird, gehört das Urgestein Peter Kretz einfach dazu.
Informationen zum aktuellen Stück: www.kurhotelkamor.ch
Urgestein Peter Kretz prägt die Freilichtbühne seit drei Jahrzehnten