Wer sich am Sonntagnachmittag auf der Aegeten das Spiel zwischen Widnau und Collina d’Oro angesehen hat, brauchte am Abend keinen TV-Krimi mehr. Widnau rackerte, kämpfte um jeden Ball, zeigte Emotionen und spielte sich einige gute Torchancen heraus. Als die Tessiner nach 70 Minuten mit ihrer zweiten Möglichkeit das 0:2 erzielten, sah es nach einer Enttäuschung für Blau-Weiss aus. Doch dann zeigten die Rheintaler eine beeindruckende Reaktion: Nur sieben Minuten später war der Gleichstand wieder hergestellt und am Schluss stand Widnau näher am Siegtreffer.
Torlose erste Halbzeit mit Widnauer Chancen
Bereits nach sechs Minuten setzte Widnau durch Stefano D’Amico ein erstes Ausrufezeichen, Collina-Keeper Miodrag Mitrovic konnte den Schuss parieren. Wenig später fehlte bei einem Daniel-Lässer-Freistoss nicht viel. Winterneuzugang Ueli Rhiner, der zum ersten Mal in der Startelf stand, stand in der 15. und in der 30. Minute im Mittelpunkt: Einen Abschluss konnte Mitrovic entschärfen, der andere ging knapp rechts daneben. Kurz vor der Pause hatte Widnau die bis dahin beste Chance: Noah Thönig erkämpfte sich den Ball, passte auf Raoul Marino, der sofort zu Stefano D’Amico, der in der Mitte freistand, weitergab. Dieser konnte das Leder nicht wunschgemäss annehmen, Mitrovic eilte aus dem Kasten und vereitelte das fast sichere Gegentor.
Auf der anderen Seite musste Goalie Ilija Kovacvic in der ersten Hälfte keinen einzigen gefährlichen Ball halten. Es war aber bei weitem nicht so, dass die Tessiner nichts für’s Spiel taten, aber Widnau gelang es mit einer formidablen Abwehrleistung, den Gegner nicht zum Abschluss kommen zu lassen.
Vom 0:2 zum 2:2 durch Liechti und Lässer
Nach einer Thönig-Chance gingen die Tessiner in Führung. Zoran Josipovic, der fünf Spiele in den Schweizer U-Nati-Teams absolvierte, traf mit einem unhaltbaren Schuss von der Strafraumgrenze. Nach 71 Minuten bauten die Gäste die Führung aus. Für einmal konnten sich die Tessiner durch den Strafraum kombinieren, Niccola Spinelli traf aus spitzem Winkel. Nun stimmten Aufwand und Ertrag erst recht nicht mehr überein.
«Zwei Tore Rückstand, aber wir haben noch 20 Minuten», rief Diego Liechti seinen Vorderleuten zu. Nur ein paar Sekunden später erzielte der Widnauer Captain den Anschlusstreffer per Kopf nach einer Cornerflanke von Lirim Shala. In der 78. Minute gab es Freistoss nach einem Foul an Timon Cabezas. Die Distanz betrug etwa 28 Meter. Daniel Lässer nahm Mass und liess Mitrovic mit einem platzierten Schuss ins linke Kreuzeck keine Chance. Nun wurde es richtig spannend: Regie-Altmeister Alfred Hitchcock hätte seine Freude am Geschehen gehabt. Die Zweikämpfe wurden noch intensiver ausgetragen und Widnau drückte auf den Siegestreffer, bei dem zweimal nur ein paar wenige Zentimeter fehlten.
Trainer Andreas Lüchinger sagte: «Eigentlich hätten wir gewinnen müssen, aber nach dem Rückstand haben wir Charakter gezeigt.» Am nächsten Sonntag kommt es gleich zum nächsten Heimspiel, dann ist der FC Dietikon zu Gast.
1.Liga Classic, Gruppe 3
Widnau – Collina d’Oro 2:2 (0:0)
Aegeten, 430 Zuschauer – SR: Roten – SRA: Arnold, Gorrengourt.
Tore: 54. Josipovic 0:1, 71. Spinelli 0:2, 72. Liechti 1:2, 78. Lässer 2:2.
Widnau: Kovacic; Beck, Liechti, Neumann, Giorlando; De Simeis (72. Ivanusa); Thönig, D’Amico, Lässer, Rhiner (64. Cabezas); Marino (64. Shala).
Gelbe Karten: 35. A. Lüchinger, 58. Musumeci, 62. Rhiner, 77. Stojanovic, 79. Loiero, 79. D’Amico, 81. Hetzel, 92. Thönig, 94. Branzini.
Viel Kampf, viel Aufwand, gute Torchancen und immerhin einen Punkt für Widnau