vor 44 Minuten

Voralp-Buschauffeur: «Die Grabserberger liegen mir am Herzen»

Eine 60-jährige Ära endet. In wenigen Tagen chauffiert Burkhard Heeb ein letztes Mal den Linienbus zur Voralp hinauf und geht dann in Pension. Während 41 Jahren fuhr er auf dieser Linie – nachdem die Strecke ab 1966 schon jene seines Vaters, Albert Heeb, gewesen war.

Die Autofahrerin, die auf der ohnehin nicht gerade breiten Grabserbergstrasse mit dem Linienbus kreuzt, hebt beim rücksichtsvollen Vorbeifahren grüssend die Hand vom Steuer. Auch die zusteigenden Kinder und Erwachsenen grüssen den Chauffeur und verabschieden sich beim Aussteigen von ihm, jedenfalls die Einheimischen. Alle hier oben kennen Burkhard Heeb.

So oft den Grabserberg hinauf- und hinabgefahren wie er ist sonst wohl niemand, je nach Wochentag und Jahreszeit bis zu zehnmal am Tag. Seit 1985 fährt er auf dieser Linie. Anfänglich ablösungsweise, ab Anfang Juni 1992 fix, damals noch als selbstständiger Postautounternehmer. Er übernahm die Strecke damals von seinem Vater, Albert Heeb, der ab September 1966 Postautohalter auf der Strecke Grabs-Grabserberg-Voralp war.

Ein Foto aus dem W&O vom 29. Mai 1992: Burkhard Heeb wird als Nachfolger seines Vaters Albert Heeb präsentiert. Rechts der langjährige Grabser Briefträger Markus Gantenbein, der zusammen mit Albert Heeb in die Pension verabschiedet wurde.
Ein Foto aus dem W&O vom 29. Mai 1992: Burkhard Heeb wird als Nachfolger seines Vaters Albert Heeb präsentiert. Rechts der langjährige Grabser Briefträger Markus Gantenbein, der zusammen mit Albert Heeb in die Pension verabschiedet wurde.
Bild: Hansruedi Rohrer

Aber nun naht Burkhard Heebs letzte Fahrt, womit eine 60-jährige Ära endet. Pensioniert wird er offiziell zwar erst im Oktober, wegen Ferien- und Überzeitansprüchen sitzt er aber bereits Ende Juli letztmals am Steuer des Grabserberg-Busses.

Hätte er gewollt, hätte er auch Wirt werden können

Ursprünglich hatte sich Burkhard Heeb in seinen Jugendjahren zwar für eine Sanitärinstallateur-Lehre entschieden. Bereits mit 22 sattelte er aber um und wurde Lastwagenchauffeur. Zunächst fuhr er für Kesseli Gemüse in Gams, aber schon bald ermutigte ihn sein Vater, die Carprüfung zu machen. Es sei für die Eltern so etwas wie ein frühzeitiges Aufgleisen der Nachfolgeregelungen  gewesen, erzählt Heeb. Die Wirtschaft seiner Mutter (die «Traube» in Sax) habe er nicht übernehmen wollen; das Wirten sei nie sein Ding gewesen. Aber das Fahren, das machte ihm Freude. Und seinem Vater war es noch so recht, als er ihn zunächst als Sommerablösung gewinnen konnte. Dies ermöglichte es dem Vater nämlich, die Sommermonate über seine Alp in der Gegend des Gräppelensees ob Unterwasser zu bewirtschaften. Den Winter über, wenn der Vater das Steuer des Postautos wieder übernahm, half Burkhard Heeb beim Carunternehmen Graf aus, das auch den damaligen Buchser Ortsbus betrieb und für jenen im Winterhalbjahr zusätzliches Personal benötigte.

Der Dezember 2007 bedeutete eine Zäsur. Nach einer Neuausschreibung im Jahr zuvor ging die Konzession für die Grabserberglinie sowie 16 weitere Regionalverkehrslinien in der Region Sarganserland Werdenberg von Postauto auf den von der Bus Ostschweiz AG eigens dafür gegründeten Betrieb Bus Sarganserland Werdenberg über. Burkhard Heeb wurde übernommen und durfte auf dieser Strecke weiterfahren wie zuvor, ohne einem Chauffeuren-Pool zugeteilt zu werden, der auf verschiedenen Strecken eingesetzt wird. Darüber war er froh, erzählt er: «Den Kontakt zu den Leuten hier am Berg halten zu können, war mir wichtig – ich kenne alle, selbst die Touristen, die jedes Jahr kommen.»

Wegen dieses Zugeständnisses des neuen Arbeitgebers bekam der neue, nun blaue Bus für die Grabserberglinie auch seinen Standplatz in der Rundbogenhalle draussen beim Grabser Fussballplatz, die Heeb noch als Postautounternehmer in der Nähe seines Hauses gebaut hatte.

Der Arbeitstag beginnt vor sechs und endet nach 19 Uhr

Burkhard Heeb durfte also viel von seiner früheren Selbstständigkeit behalten, wenn auch zum Preis weiterhin langer Arbeitstage. Grössere Unterhaltsarbeiten und Reparaturen werden zwar in der Bus-Ostschweiz-Werkstatt in Sargans ausgeführt. Den Bus putzt er aber weiterhin selbst und ist dafür oft schon eine Stunde vor der ersten Kursfahrt  am Staubsaugen und Scheibenputzen.

Früher gab es Tage, da war der Bus zu klein

Die Zeiten hätten sich allerdings schon geändert, resümiert Burkhard Heeb. Früher, da sei der Bus zuweilen zu klein gewesen, etwa wenn jemand vom Berg gestorben sei und alle mit dem Bus ins Dorf zur Beerdigung gefahren seien. Damals hätten eben noch nicht alle ein Auto gehabt und seien deswegen auf den Bus angewiesen gewesen. Heutzutage hingegen machten die Schulkinder den grössten Nutzeranteil aus, besonders im Winter, wenn der Bus seit jeher nur bis auf die Lehn fährt.

Am Grabserberg kennen ihn alle: Burkhard Heeb an der Verzweigung Lehn, wo den Winter über jeweils Endstation ist. In die Voralp fährt der Bus nur während der Sommermonate – seit jeher.
Am Grabserberg kennen ihn alle: Burkhard Heeb an der Verzweigung Lehn, wo den Winter über jeweils Endstation ist. In die Voralp fährt der Bus nur während der Sommermonate – seit jeher.
Bild: Max Tinner

«Manche Schüler, die ich in meinen ersten Jahren hier fuhr, sind mittlerweile Grosseltern, und nun fahren ihre Enkel mit mir.» Obwohl in Sax aufgewachsen und somit in Grabs zugezogen, sind ihm die Grabserberger über all die Jahre ans Herz gewachsen. Er blättere daher auch gerne gelegentlich im Buch, in dem Ende der 1980er-Jahre alle damaligen Bewohnerinnen und Bewohner porträtiert wurden.

Viele Kontakte werden über seine Zeit als Chauffeur hinaus bestehen bleiben, ist Burkhard Heeb überzeugt. Langweilig werde es ihm ohnehin nicht werden. In seiner Jugend war er ein begeisterter Töfflischrauber, und als sein Sohn 14 wurde und sich ein Töffli wünschte, habe er ihm eines gekauft und hergerichtet. Nun, zu seiner Pensionierung, zieht es ihn erneut in seine Werkstatt daheim.

Nachfolge geregelt

«Bus Ostschweiz hat sich als attraktive Arbeitgeberin positioniert», schreibt Ruedi Burger, Leiter Markt und Mediensprecher des  Unternehmens, auf Anfrage. Offene Stellen liessen sich in der Regel zügig neubesetzen, für spezielle Linien wie jene am Grabserberg sowieso.

Fahrdienst wird neu organisiert

Als Nachfolger für Burkhard  Heeb wurde ein Chauffeur ausgewählt, der diese Linie ablösungsweise auch schon gefahren ist: Thomas Schwarz. Die Grabserberg-Linie werde nun aber breiter aufgestellt als bisher, sodass häufiger auch andere Fahrerinnen oder Fahrer am Steuer sitzen werden, schreibt Burger weiter. Vorgesehen sei, deren Dienste mit Einsätzen auf anderen Linien zu kombinieren. «Das erhöht die Flexibilität in der Einsatzplanung und stellt einen zuverlässigen Betrieb der Linie auch langfristig sicher.»

Bei 77 Fahrerinnen und Fahrern bei Bus Sarganserland Werdenberg und 115 bei RTB Rheintal Bus versteht es sich von selbst, dass immer wieder Ersatz gesucht wird, wenn Leute pensioniert werden oder sich beruflich neu orientieren. Auch Teilzeitler und ältere, erfahrene Mitarbeitende seien sehr willkommen, hält Ruedi Burger fest. Wer sich für Stellen und die Fahrausbildung bei Bus Ostschweiz interessiert, findet Informationen dazu auf https://jobs.busost.ch.