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Bevölkerungsentwicklung vor 1 Stunde

Wachstum und kein Ende in Sicht: Immer mehr Einwohner in der Region

Im letzten Jahr ist das Rheintal weniger stark gewachsen als im Jahr zuvor, der Unterschied ist aber gering. Die Region ist als Wohn- und Arbeitsraum weiterhin beliebt. Das gilt auch für das Appenzeller Vorderland – 2025 besonders für Walzenhausen.

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 19 Minuten

Vorweg zu den nackten Zahlen. Das Rheintal – bei dieser Betrachtung gehört auch die Gemeinde Thal dazu – ist im letzten Jahr um 784 Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen, das sind 0,91 Prozent. Das Wachstum ist kleiner ausgefallen als im Jahr 2024, als es 983 Personen oder 1,16 % betrug. Umgekehrt sieht es im Appenzeller Vorderland aus: Im letzten Jahr wuchs es um 116 Personen oder 0,72 %, 2024 waren es nur 91 (0,57 %).

Doch obwohl das Wachstum letztes Jahr geringer ausgefallen ist als 2024: Das Rheintal wächst weiterhin. Mit genau 85'873 Einwohnerinnen und Einwohnern beherbergt die Region zwischen Thal und Lienz mehr Personen als die Stadt St. Gallen.

Im letzten Jahr gab es kaum statistische Auffälligkeiten

Es gibt keine Gemeinde, die letztes Jahr einen besonderen Boom in der Bevölkerungsentwicklung erlebt hat. Rüthi, Eichberg, Thal und St. Margrethen hatten 2024 ein Wachstum von deutlich über zwei Prozent verzeichnet, bis zu beeindruckenden 3,54 Prozent (Rüthi). Im letzten Jahr wuchs die Gemeinde Berneck mit 1,91 Prozent am stärksten, gefolgt von Au (1,86 %) sowie St. Margrethen (1,51 %). 2025 war ein Jahr, in dem es nur sehr wenige statistische Auffälligkeiten gab.

Die Zahlen offenbaren einen Wachstumsschwund, es ist aber weiter eine positive Entwicklung. Damit steht das Rheintal im Kontrast zu anderen Randregionen, die einen Rückgang erleben. Als Randregion sieht sich das Rheintal weiterhin, das Understatement ist auch hier zu Hause. Dies, obwohl das Rheintal nicht nur in Sachen Bevölkerungszuwachs, sondern auch in der Wirtschaft floriert und teils mit grösseren urbanen Agglomerationen mithalten kann. Peripherie ist das Tal vor allem in geografischer Hinsicht.

Die fünf Mittelrheintaler Gemeinden – Au, Balgach, Berneck, Diepoldsau und Widnau – haben im letzten Jahr die Marke von 35'000 Einwohnerinnen und Einwohnern geknackt. Würden sie eine Gemeinde bilden, wäre diese in der Liste der Schweizer Städte unter den besten 20 zu finden. Sie sind ein Ballungsraum; einer dieser, für die Raumplaner und Demografen den Trendausdruck «softurban» geschaffen haben. Solche Räume gibt es in der Ostschweiz noch mehr, so etwa das Sarganserland, wo die Gemeinden Mels, Sargans und Vilters-Wangs eine gemeinsame Bevölkerung von 20'999 haben.

Boomtown Widnau mit kleiner Wachstumsbremse

Besonders beliebt sind offenbar die Fasnachtshochburgen: Mels ist im Sarganserland die grösste Gemeinde, Altstätten im Rheintal. Auf Rang zwei folgt Widnau, die Boomtown. Es gibt keine Gemeinde, die in diesem Jahrtausend so stark gewachsen ist wie Widnau, sowohl in absoluten wie auch in relativen Zahlen. Seit dem 1. Januar 2000 ist Widnau um 2901 Personen gewachsen, das entspricht 28,03 Prozent (Altstätten: 2233, 17,58 %).

Letztes Jahr war das Wachstum kleiner als zuvor. Dies dürfte so weitergehen, sagt Gemeindepräsident Bruno Seelos:

Im Hinblick auf den neuen Rahmennutzungsplan, der am 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist, haben zahlreiche Bauherrschaften ihre Projekte in den letzten Monaten zurückbehalten. Die Vorprüfung von Baugesuchen hat erst seit Jahresbeginn wieder deutlich zugenommen. Wir gehen deshalb für die nächsten zwei Jahre von einem geringeren Wachstum aus, bis neue Projekte realisiert und bezugsbereit sind.

Lieblos auf Rendite oder qualitativ hochstehend

Die Frage, ob ein Bevölkerungswachstum in Zeiten von Dichtestress und Wohnungsnot überhaupt erstrebenswert ist, stellt sich für Seelos nicht. Er verweist auf die Innenverdichtung, differenziert allerdings stark: «Diese kann lieblos und rein renditeorientiert oder qualitativ hochstehend umgesetzt werden.» Die Gemeinde schaffe nur die Rahmenbedingungen, sei aber daran interessiert, dass die Quartiere für Mensch und Natur lebenswert seien. Dafür hat Widnau den Gestaltungsbeirat geschaffen, der in solchen Fragen mitwirken kann.

Denn sicher ist: Widnau wird auch in Zukunft wachsen, ohne dies explizit anzustreben. Seelos sagt:

Die gewählte Standortpolitik, von der Kita über das Glasfasernetz bis zum Zentrum Zehntfeld für unsere Senioren, zielt nicht auf Wachstum ab, sondern ist vielmehr eine Folge davon.

Widnau ist eine Zentrumsgemeinde, die mit der Umgebung gut verbunden ist, «eine Kombination von Überschaubarkeit und Urbanität», sagt der Gemeindepräsident. Das wirkt auf Interessierte wie ein Magnet.

Walzenhausen ist um fast drei Prozent gewachsen

In dieser jährlichen Erhebung zur Bevölkerungsentwicklung in der Region kommt es nur sehr selten vor, dass eine Gemeinde aus dem Appenzeller Vorderland obenaus schwingt. 2025 war dies so der Fall: Walzenhausen ist um 62 Personen oder 2,96 Prozent gewachsen und zählt neu 2094 Einwohnende.

Walzenhausen ist im letzten Jahr um beinahe drei Prozent gewachsen. Das liegt auch daran, dass Altbauten saniert und neu bezogen wurden.
Walzenhausen ist im letzten Jahr um beinahe drei Prozent gewachsen. Das liegt auch daran, dass Altbauten saniert und neu bezogen wurden.
Bild: gk

Im Dorf ist das nicht primär auf innere Verdichtung zurückzuführen, sondern auf konstante Erneuerung, während die Ortsplanungsrevision mit Auszonungspflicht läuft. Gemeindepräsident Michael Litscher erklärt:

Wir beobachten schon seit längerer Zeit eine Wachstumsdynamik, die nach unserer Einschätzung besonders auf Bezüge von sanierten Altbauten, Nutzungen von Leerbeständen und Generationenwechsel zurückzuführen ist. Auch haben sich im letzten Jahr vermehrt Lebensgemeinschaften mit mehr als zwei Personen in unserem Dorf angemeldet.

Das Wachstum schätzt Litscher, es bringe mehr Leben ins Dorf – in Schulen, Vereinen oder ganz generell. Und: Die Nachfrage nach Wohnraum animiere dazu, dass Neubauten, Verkäufe, Sanierungen oder Umnutzungen angeregt werden, was wieder zu mehr Wachstum führt. Walzenhausen biete eine «fantastische Aussicht», eine «ländliche, ruhige Umgebung» und hochwertige, ansprechende Wohnlagen. Und das Dorf ist mit über 1000 Arbeitsplätzen auch ein bevorzugter Arbeitsort. Das komplette Angebot der Volksschule gebe es im Dorf und das Rheintal sei innert Minuten zu erreichen.

Das zeigt: Auch eine Gemeinde, die am Rand von einer Randregion liegt, kann noch wachsen. Besonders, wenn das Wachstum in den grösseren Gemeinden weniger stark ausfällt – auch, weil sie zum Teil an ihre Grenzen stossen.


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