Die Rheintaler überwinterten zwar unter dem Strich, ihnen stehen aber noch alle Möglichkeiten für den Ligaerhalt offen. Der SV Höngg, dem man sich im Herbst nach dem Führungstor noch mit zwei Gegentreffern in der Nachspielzeit 1:2 beugen musste, liegt nur zwei Punkte vor den Blau-Weissen. Auch Mendrisio mit drei und St.Gallen U21 mit vier Punkten Vorsprung sind nicht enteilt. Dennoch müssen dringend Zähler her. «Wir benötigen Punkte, das wissen wir», sagt Sportchef und Co-Trainer Daniel Lüchinger.
Der FC Baden hat eine lange Tradition
Der Gegner, ein Traditionsclub aus dem Aargau, hat eine bewegte jüngere Vergangenheit hinter sich. Nach acht vergeblichen Versuchen, in die Promotion League aufzusteigen, gelang 2022 gegen GC U21 und Paradiso endlich der Aufstieg. Dies war nur eine Zwischenstation, denn den Badenern gelang sogar der Durchmarsch in die Challenge League. Der sofortige Abstieg Ende Saison 2023/24 war allerdings nicht zu verhindern. Der Abstand zum Zweitletzten Schaffhausen betrug zwölf Punkte.
Eher überraschend war, dass die Aargauer eine Spielzeit später gleich in die 1. Liga Classic durchgereicht wurden. Es war ein denkbar knapper Abstieg: Grand-Saconnex hatte als Siebter nur drei Punkte mehr als Baden. Gegenüber den drei punktgleichen U21-Teams von Luzern, Lugano und Zürich entschied das Torverhältnis – gegen Baden.
Der FCB ist einer der ältesten Vereine der Schweiz und der älteste Club im Aargau. Englische Angestellte der aufkommenden Maschinenindustrie brachten das Spiel Ende des 19. Jahrhunderts ins Land. Der Anfang war harzig, das Interesse an der Balltreterei bei der heimischen Bevölkerung gering. Nach und nach etablierte sich der am 1. Juli 1897 gegründete Verein aber, und bereits 1907 stieg er in die Serie A, die höchste Schweizer Liga, auf. Auf den Abstieg 1918 folgten lange Jahre in unteren Ligen, ehe Baden 1964 in die NLB aufstieg. Ein Kunststück, das 1979 wiederholt wurde. 1985 stellte Baden sogar für eine Saison ein NLA-Team.
Benaglio, Stiel, Petric – und Roger Gmünder
Kurz nach der Jahrtausendwende hatte Baden auch einen Rheintaler im Kader: Roger Gmünder. Bevor er in den Aargau wechselte, spielte der Stürmer bei Rebstein und Widnau. Zu den bekanntesten Spielern, die schon im FCB-Dress aufgelaufen sind, gehören neben den ehemaligen Nati-Goalies Diego Benaglio und Jörg Stiel auch Mladen Petric, David Sesa und Vedad Ibisevic.
Aktuell liegen die Aargauer auf Rang fünf. Auf Leader YF Juventus fehlen zwar 14 Zähler, auf das zweitklassierte Taverne aber nur deren sechs. Bester Torschütze ist der 23-jährige Alessandro Barletta, der bisher zwölfmal erfolgreich war. Stammtorhüter ist seit dieser Saison der 19-fache Schweizer U-Nati-Spieler Lars Hunn, der im Sommer von Kriens kam. Im September 2014, beim 5:3-Sieg gegen Italien, trug Hunns Gegenüber einen ganz grossen Namen: Gianluigi Donnarumma.
Sturmhoffnung Hakija Canoski mit Fussbruch
Das Widnauer Kader wurde im Winter verändert: Gegangen sind Orhan Ademi und Emir Murati (beide zu Au-Berneck) sowie Erolind Sylaj, der sich dem Zweitligisten Besa angeschlossen hat. Besart Bajrami legt eine Pause ein, Tobia Walt trat wegen seines Studiums kürzer. Zudem einigte man sich nach dem letzten Hinrundenspiel mit Trainer David Gonzalez auf eine Vertragsauflösung.
Für «Gonzo» ist Andreas Lüchinger auf die Bank zurückgekehrt. Mit ihm ist Widnau im Juni 2025 in Uster aufgestiegen. Fünf neue Spieler wurden verpflichtet: Oliver Neumann von Vaduz II, Ueli Rhiner von Chur 97, Rikard Oroshi von Arbon, Sinan Özcelik von Rorschach-Goldach und Hakija Canoski von Rapperswil-Jona. Canoski ist der Pechvogel der Vorbereitung. Im ersten Spiel gegen Promotion-Ligist Kreuzlingen gelang dem 20-Jährigen mit dem 1:0 nach zwei Minuten ein Einstand nach Mass. Im dritten Test, dem 1:4 gegen Wil II, zog er sich allerdings einen Fussbruch zu, er wird noch eine Weile fehlen. «Diesen Ausfall werden wir spüren», sagt Daniel Lüchinger und fügt an, dass sich alle Zuzüge sehr gut eingelebt hätten.
Geglückte Generalprobe, erfolgreiche Aufführung?
Sieben Tests hat Widnau absolviert. «Wir hatten weniger Vorbereitungszeit als sonst. Die Ergebnisse sind in diesen Spielen weniger wichtig», sagt Lüchinger. Und: «Wir hatten gute Momente, aber auch weniger gute Sachen gesehen. Das ist normal zu dieser Zeit.» Das Team holte sich in Belek in der Südtürkei den letzten Schliff. «Mit Sponsoren und Vereinsmitgliedern wurde der Spirit gestärkt. Das Trainingslager war wie die Jahre zuvor ein Erfolg. Mit rund 60 Teilnehmenden war es ein halber Vereinsausflug», sagt Lüchinger und lacht. Doch wer die «Celli»-Brüder kennt, weiss, dass auch hart am Formstand gearbeitet wurde. Lüchinger: «Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt. Ihn wollen wir mit aller Kraft erzwingen.»
Am Sonntag fehlen wird neben Canoski auch Luca Beck, der Oberschenkelprobleme hat. Den FC Baden schätzt Lüchinger stark ein: «Er ist einer der Favoriten der Gruppe. Dennoch können wir zu Hause uf Aegeta jedem Konkurrenten ein Bein stellen». In der Hinrunde verlor Widnau im Stadion Esp 1:3. Daniel Lässer hatte den Aufsteiger in Führung gebracht. Das Resultat wurde danach am grünen Tisch wegen eines Formfehlers in ein 0:3 umgewandelt.
Das letzte Testspiel am Dienstag gewann Widnau gegen Balzers, mit dem sich die Rheintaler letzte Saison ein Duell um den Aufstieg lieferten, durch Tore von Lirim Shala, Daniel Lässer, Lars Ivanusa und Alessio de Simeis mit 4:0. Es wäre den Widnauern zu gönnen, würde auf die geglückte Generalprobe eine erfolgreiche Aufführung folgen.
Widnau trifft auf Baden und will mit frischen Kräften zum Ziel Ligaerhalt