Im Dezember 2025 schrieb Nino Niederreiter Eishockeygeschichte. Der Bündner war der erste Schweizer, der in der National Hockey League die 1000-Spiele-Marke erreicht hat. Seither sind für Niederreiter, der in Kanada bei den Winnipeg Jets spielt, 30 weitere Partien dazugekommen. Und er skort in fast jedem zweiten Spiel: Mit 248 Toren und 251 Assists stehen auf seinem Blatt 499 NHL-Skorerpunkte.
Starallüren hat der Churer keine. Dies zeigte sich nicht nur an der Weltmeisterschaft in der Schweiz, wo er sich nicht zu schade war, in die Hosen zu steigen und sich voll für die Nati einzusetzen. Niederreiter skorte in zehn Spielen fünfmal – ganz seinem NHL-Schnitt entsprechend – und war massgeblich daran beteiligt, dass es die Schweiz einmal mehr in den Final geschafft hat. Nach seiner fünften persönlichen WM-Finalniederlage sagte er gegenüber Blick: «Es ist extrem bitter. Am Ende ist es nicht so gekommen, wie es kommen sollte.»
Den Sommer verbringt Nino Niederreiter jeweils in der Schweiz. In der besten Liga der Welt, der NHL, gibt es kein Sommertraining mit der Mannschaft. Die Spieler müssen sich selbst fit halten. Dies machen die meisten in ihren Heimatländern, wo sie sich in Trainingsgruppen organisieren und treffen, um an Fitness und Technik zu feilen. Daneben bleibt jeweils auch etwas Freizeit. In dieser besuchte Niederreiter die Eishockeyschule Scuol, ein einwöchiges Camp im Engadin für ambitionierte Spielerinnen und Spieler im Alter von neun bis 17 Jahren.
Dieses Camp organisieren der frühere NLA- und Nati-Spieler Ueli Hofmann und Andy Plüss. «Das ist kein Feriencamp», sagt Letzterer lachend und fügt dann sofort an: «Aber wir bieten den Kids wirklich viel. In keiner anderen Eishockeyschule der Schweiz haben sie so viel Eiszeit wie bei uns, nämlich 24 Stunden.» Als Zückerchen gab es den Besuch von Nino Niederreiter. Dieser erfüllte in Scuol nicht nur alle Selfie- und Autogrammwünsche, er gab auch allen drei Gruppen ein Training. «Je nach Stufe gab es eine andere technische Aufgabe für die Junioren. Wenn ihnen diese ein NHL-Star erklärt, ist das natürlich nochmal etwas anderes», sagt Andy Plüss.
Eine Ehrung von der Gemeinde im Engadin
Die Geschichte der Engadiner Eishockeyschule beginnt ausserhalb des Engadins, eigentlich an der anderen Ecke der Schweiz, aber mit den gleichen zwei Hauptakteuren – Ueli Hofmann und Andy Plüss. Hofmann, damals beim EHC Olten, fragte Plüss, ob er an einem solchen Projekt mitwirken möchte. Plüss sagte zu und die Schulcamps fanden 14 Jahre lang in Leysin statt. Als in Scuol dann die Eishalle Gurlaina gebaut wurde, wurde das Angebot ins Engadin verlegt. Und es wurde zur grossen Erfolgsgeschichte. Heutige Stars wie Niederreiter, Timo Meier, Mark Streit, David Reinbacher oder Enzo Corvi gaben sich dort als Kids die Klinke in die Hand, genossen die hochklassige Ausbildung. Auch René Stüssi, der heutige Trainer des SC Rheintal, war vor seinem NHL-Draft zu den Anaheim Mighty Ducks im Jahr 1997 in Scuol.
Das zeigt auch: Das Camp richtet sich an ambitionierte Kinder und Jugendliche, «an solche, die im Eishockey wirklich etwas erreichen wollen», sagt Andy Plüss. Etwas erreicht hat auch er selbst, denn die Schule gibt’s nun schon seit 30 Jahren, was im heutigen schnelllebigen Markt der Sportangebote eine sehr lange Zeit ist. Daneben schafft das Camp im Unterengadin auch eine touristische Wertschöpfung, reisen doch viele Eltern der Kids in dieser Zeit ebenfalls nach Scuol. Die Gemeinde weiss das, und sie weiss es zu schätzen. Zum runden Geburtstag der Eishockeyschule besuchte die Gemeindepräsidentin Aita Zanetti das Camp und bedankte sich bei den fleissigen Organisatoren mit einer Ehrung. Die regionalen Medien kamen und berichteten darüber.
Plüss ist nicht der einzige Rheintaler im Camp
Gemeinsam mit Ueli Hofmann ist Andy Plüss die treibende Kraft des Camps, dahinter wirken rund ein Dutzend J+S-Leiter, die die hohe Qualität der Trainings garantieren. Einer von ihnen ist Oldrich Jindra, der von 2007 bis 2011 Trainer des SC Rheintal war und nun in Südtirol beim AHC Vinschgau tätig ist. Ein anderer ist Julian Payr, der stark am Nachwuchsprojekt Rheintal Future beteiligt ist, in dessen Rahmen der SCR eng mit drei Vorarlberger Vereinen zusammenarbeitet. Seit 17 Jahren ein sehr treuer Begleiter des Camps ist Thomas Binder, dessen Sohn Luca in der ersten Mannschaft des SC Rheintal spielt. Niemand hat mehr Pflichtspiele für den Rheintaler Erstligisten bestritten als Luca Binder.
Und dann sind da natürlich auch noch die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen. 105 waren es in diesem Jahr, die aus vielen Ecken der Schweiz, aber auch aus dem Ausland nach Scuol reisten, um ihr Können zu erweitern. 42 von ihnen stammen aus dem Nachwuchs des SCR oder Rheintal Future, was den Organisator besonders freut. Dies auch, weil der Rheintaler Verein stets viel Wert darauf legt, mit gut ausgebildeten Spielern aus dem eigenen Nachwuchs erfolgreich zu sein. Die Basis dafür wird auch im Engadin gelegt.
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