Wie man ganz einfach einen Floh im Glas dressiert: mit einem Deckel | Der Rheintaler

Christlich 26.11.2023

Wie man ganz einfach einen Floh im Glas dressiert: mit einem Deckel

Wissen Sie, wie man Flöhe trainiert (falls man Flöhe denn wirklich auch trainieren könnte)? Ganz einfach.

Von Martin Nägele,
Diakon
aktualisiert am 26.11.2023

Flöhe können bis zu einem halben Meter in die Luft zu springen. Wenn wir sie dazu bringen wollen, nur noch zehn Zentimeter in die Höhe zu springen, dann müssen wir sie nur in ein etwa zehn Zentimeter hohes Gefäss setzen und mit einem Deckel verschliessen.

Nun machen die Flöhe immer eine sehr schmerzliche Erfahrung, wenn sie mit ganzer Kraft ihre Sprünge vollführen, da sie jedes Mal mit ihrem Kopf an den Deckel stossen.

Sie springen nicht mehr so hoch, obwohl sie es könnten

Innert einer kurzen Zeit springen sie nur noch bis kurz unter den Deckel. Jetzt kann man den Deckel abnehmen und sie werden nicht herausspringen. Sie haben gelernt, nur noch bis zu einer bestimmten Höhe zu springen und obwohl sie höher springen könnten, tun sie es nicht mehr.

Vielen Menschen geht es ähnlich wie den Flöhen. Als Kinder haben wir uns sehr oft «den Kopf angestossen», wenn wir uns an etwas Neues gewagt oder versucht haben, an unsere Grenzen zu gehen. Wir haben erlebt, dass etwas schiefging, dass wir versagt haben, dass wir abgelehnt wurden und haben daraus gefolgert, dass wir zu dumm, zu unbegabt, zu ungeschickt oder unbeliebt sind.

Und deshalb nutzen wir heute nur einen kleinen Teil der Fähigkeiten, die in uns stecken, aus Angst, uns wieder den Kopf anzustossen.

In der Bibel (Josua 1, 9) steht:

Ich sage dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!

Gott ermutigt den Menschen immer wieder; äussere und innere Grenzen zu überwinden. Die Folge ist, offener zu denken, zu handeln – und auch zu glauben. Gott traut uns zu, dass wir über unseren eigenen Schatten springen können. Trauen wir uns das auch zu?

Gerade Sonntage bieten sich dazu an, Grenzen, die uns seit Kindheit an einengen, zu überdenken. Montage sind dazu da, mutig und ausgeruht in eine Woche zu starten und Sachen und Umstände in Angriff zu nehmen, die wir aus Angst, uns «den Kopf anzustossen», hinausgeschoben haben.