Artenschutz • 26.10.2026

WWF und Walter Zoo zählen 2465 Glühwürmchen und warnen vor gefährdeten Populationen

Bei einem Projekt von WWF und Walter Zoo haben über 100 Freiwillige in der Ostschweiz nach Glühwürmchen gesucht.

Von pd
aktualisiert am 27.10.2026

Zwischen Mai und Juli wurden in 81 Gebieten Glühwürmchen entdeckt. Dabei absolvierten die Freiwilligen 515 Begehungen. Dabei wurden 2465 Tiere des Grossen Leuchtkäfers nachgewiesen. Darunter waren 619 leuchtende Weibchen, 1760 Männchen sowie 86 Larven. Die Männchen, die selbst nicht leuchten, wurden mit speziellen Leuchtfallen angelockt.

Viele Standorte mit wenigen Tieren

Obwohl an mehreren Standorten Glühwürmchen nachgewiesen wurden, gab es nur wenige Orte mit grösseren Populationen – oftmals in Naturschutzgebieten. In 54 Gebieten wurden weniger als 30 Tiere nachgewiesen. An 29 Standorten wurden sogar weniger als zehn Glühwürmchen entdeckt. «Bei den vielen Gebieten mit nur wenigen Tieren könnte es sich um Reliktpopulationen handeln. Hängt ihr Fortbestand jedes Jahr vom Paarungserfolg einzelner Weibchen ab, ist ihr Erlöschen nur eine Frage der Zeit», sagt Elia Heule, Leiter Zoologie und Artenschutz Walter Zoo.

Besonders erstaunlich ist der Nachweis des Kleinen Leuchtkäfers in Weinfelden. Diese Art kommt bisher in der Ostschweiz nur an wenigen Orten vor. Ihr Verhalten ist besonders spektakulär: Die leuchtenden Männchen fliegen durch die Nacht und erzeugen dabei den Eindruck tanzender Lichter. Die meisten Glühwürmchen wurden im hohen Gras, an Hecken, Gebüschen und Böschungen gefunden. Auch Waldränder und Feuchtgebiete erwiesen sich als wichtige Lebensräume. Auffällig war, dass auf frisch gemähten Flächen deutlich weniger Glühwürmchen festgestellt wurden. Das Monitoring zeigt auch, dass künstliches Licht selbst in den vergleichsweise dunklen Untersuchungsgebieten allgegenwärtig ist. Einzelne Leuchtkäfer-Weibchen wurden sogar in unmittelbarer Nähe von Lichtquellen beobachtet. Dort gehen ihre Leuchtsignale im Streulicht unter und die Männchen finden sie deutlich schlechter.

Im nächsten Jahr ist ein weiteres Monitoring geplant. Der Fokus wird auf Gebieten liegen, in denen aufgrund geeigneter Lebensräume Vorkommen erwartet wurden, bisher aber noch keine Glühwürmchen nachgewiesen werden konnten. Gleichzeitig sollen erste Lebensraumaufwertungen umgesetzt werden. Ziel ist es, bestehende Populationen zu stärken, Lebensräume besser miteinander zu vernetzen und neue geeignete Standorte für Glühwürmchen zu schaffen.

Leuchtsignale der Natur

Glühwürmchen sind weit mehr als faszinierende Sommerboten. Leuchtkäfer gelten als sogenannte Schirmart: Wo sie vorkommen, profitieren zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten mit ähnlichen Ansprüchen. Sie benötigen strukturreiche Lebensräume, naturnahe Landschaften und dunkle Nächte ohne übermässige Lichtverschmutzung. Ihr Schutz steht deshalb stellvertretend für eine intakte Umwelt und eine hohe Lebensqualität für Mensch und Natur.