Krankenpflege vor 1 Stunde

Zukunft der Gesundheitsversorgung findet zu Hause statt

Die Zukunft der Gesundheitsversorgung findet vermehrt zu Hause statt. Das war das Leitthema an der Delegiertenversammlung des Spitex-Verbands SG|AR|AI. Der Verband müsse die Koordination übernehmen.

Von pd
aktualisiert vor 1 Stunde

An der diesjährigen Delegiertenversammlung des Spitex-Verbands SG|AR|AI stand die künftige Gesundheitsversorgung zu Hause im Zentrum. Fachreferentin Miriam Hagmann zeigte auf, weshalb Koordination zur Schlüsselaufgabe bei der Spitex wird.

«Die Zukunft der Gesundheitsversorgung findet zu Hause statt», sagte die diplomierte Pflegefachfrau und Betriebswirtschafterin bei der Spitex Sarganserland in ihrem Referat. Sie ging der Frage nach, wie sich «Care@Home» heute und mit Blick auf das Jahr 2040 weiterentwickeln muss. Anschaulich zeigte sie die Realität ihres Berufsalltags auf: Zahlreiche Akteure handeln nebeneinander, Zuständigkeiten überlappen sich, Ressourcen werden mehrfach beansprucht und Versorgungslücken bleiben bestehen. Für Klientinnen und Klienten bedeute dies ein oft schwer durchschaubares System in einer Zeit, in der diese zunehmend hochaltrig, multimorbid und mehrfach belastet seien, so die Fachfrau weiter. Gerade in komplexen Situationen, etwa bei Verwahrlosung, Suchtproblematiken oder Einsamkeit, werde die Koordination zu einer entscheidenden Voraussetzung für eine tragfähige Versorgung zu Hause.

Die Rolle der Spitex ist im Wandel

Miriam Hagmann machte deutlich, dass diese Koordination in der Praxis bereits heute in hohem Mass durch die Spitex erbracht werde, häufig jedoch als «unsichtbare Leistung». Eine der grössten Herausforderungen sei dabei die Finanzierung. Fragmentierte Finanzierungssysteme, fehlende Anreize im Tarifsystem, föderale Strukturen und Zuständigkeitslücken erschwerten eine verlässliche Abgeltung. Die Referentin sprach in diesem Zusammenhang von einer Art «Kollektivgut-Dilemma». Der Aufwand für Koordination liege oft bei einer einzelnen Partei, profitieren würden jedoch alle beteiligten Akteure.

Mit Blick auf das Jahr 2040 verschärften sich diese Fragen weiter. Und: Der demografische Wandel, die Verlagerung von einer stationären in eine ambulante Behandlung, neue Modelle wie «Hospital@Home», der steigende Kosten- und Versorgungsdruck sowie der Mangel an Fachpersonen und Hausärztinnen und -ärzten erhöhten die Komplexität. Umso entscheidender sei, dass sich die Spitex als wichtigste Akteurin und Expertin der Pflege und Versorgung zu Hause klar positioniere, mit hybriden Versorgungsmodellen, berufsübergreifender Zusammenarbeit und einer starken Koordinationsrolle.

Neue Perspektiven im Jahresbericht 2025

Unter dem Titel «Care@Home Ostschweiz» zeige der Jahresbericht, wie sich die Gesundheitsversorgung zu Hause bereits heute verändert und welche Rolle die Spitex dabei einnimmt. Sie ist ein zentraler Pfeiler der Versorgung in den eigenen vier Wänden und gewährleistet gemeinsam mit Hausärztinnen und Hausärzten, Spitälern, Langzeitinstitutionen, Therapeutinnen und Therapeuten, Angehörigen sowie Gemeinden Kontinuität, Qualität und Sicherheit über Sektorengrenzen hinweg. Der Auftrag bleibt derselbe, schreibt der Verein: Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen, unabhängig von Alter, Diagnose oder sozialer Situation. Die Umsetzung dieses Auftrags verändert sich jedoch grundlegend. Dank medizinisch-technischem Fortschritt übernimmt die Spitex heute zunehmend auch komplexe, teils spitaläquivalente Leistungen, etwa in der Onkologie-, Psychiatrie-, Wund- oder Palliativpflege. Der Jahresbericht beleuchtet darüber hinaus zukunftsweisende Themen wie Caring Communities, smarte Vernetzung, Netzwerkforen und die Frage, wie Bildung die Spitex-Mitarbeitenden von morgen stärken kann. «Care@Home Ostschweiz» wird dabei als intelligent vernetzte, präventive und berufsübergreifende Versorgungslandschaft gedacht, eingebettet in das gesamte Gesundheitssystem und getragen von einer Kultur der Zusammenarbeit, der Innovation und klarer Rollen.

Neue Mitglieder im Vorstand

Ebenfalls standen an der Delegiertenversammlung Veränderungen im Vorstand an. Nach vielen Jahren engagierten Wirkens verlassen Karen Peier, Bea Weiler Schober und Alexander Bommeli den Vorstand. Neu gewählt wurden Brigitte Bühler, Geschäftsführerin Spitex Vorderland, Luzia Krempl, Kantonsrätin St. Gallen (Die Mitte), Habib Kherbeche als Vertretung der kantonalen Ärztegesellschaft St. Gallen sowie Andreas Baumann, Gemeindepräsident von Degersheim.

Der Spitex-Verband SG|AR|AI dankt den bisherigen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement und freue sich auf die Zusammenarbeit mit den neu gewählten Mitgliedern. Gemeinsam gelte es, die Rahmenbedingungen für eine starke, vernetzte und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu Hause weiterzuentwickeln.