«Lazarus, komm heraus!» (Joh 11,43)
Mit dem Glauben an wirkungsvolle Nahrungszusätze oder Therapien möchten heutzutage die einen ihr irdisches Dasein verlängern, andere wiederum mit einer Sterbehilfeorganisation selbstbestimmt das Abenteuer «Leben» in Würde vorzeitig beschliessen. Beide Strömungen unserer Zeit wehren sich gegen das Lebensmotto «mer nehmet’s, wie’s chonnt».
Was kann die Geschichte der Lazarus-Auferweckung diesem Thema nach der richtigen Dauer des Lebens beisteuern? Zunächst scheinbar einmal gar nichts.
Dieser Freund von Jesus Christus wurde «lediglich» ins irdische Leben zurückgeholt und keinesfalls vor dem endgültigen Lebensende bewahrt.
Es steht auch nicht geschrieben, wie sich dieser Lazarus nach der dreitägigen Grabesruhe gefühlt hat, nachdem er fast gewaltsam wieder auf die Erde zurückgeholt wurde. Vielleicht nicht einmal eine so angenehme Erfahrung! Auch ist nichts bekannt über den zweiten Tod, den Lazarus erlebt hat. Allerdings möchte der Evangelist Johannes in unser eigenes Leben hineinsprechen.
Er will unsere Augen des Glaubens öffnen, uns heute Mut zusprechen, wenn unsere wichtigsten Dinge und Personen den Bach hinunterzugehen drohen und alles scheinbar aus den Fugen gerät. Auch und gerade dann, wenn jede Rettung zu spät erscheint, kann der Herr das Rad unserer Lebensfahrt noch herumreissen und eine hoffnungsvolle Wende einleiten.
Jesus Christus kann helfend eingreifen, wenn wir lange nichts mehr erwarten und erhoffen und nur noch den Gestank des Todes riechen.
Natürlich bedrängen uns oftmals Steine auf unserem Lebensweg, aber wir sind befähigt, diese wirkungsvoll aus dem Weg zu wälzen. Wir teilen nicht das unselige Schicksal des Sisyphos, der erfolglos in alle Ewigkeit den Stein rollen muss. Gott gibt in ausweglosen Situationen zwar Hilfe und Unterstützung, wir aber haben selber die Kraft, unsere Aufgaben erfolgreich anzugehen und die Vielzahl unserer Steine aus dem Weg zu entfernen. Und dann das Entscheidende:
Wenn wir uns halbtot, verlassen und in der Dunkelheit der Höhle gefangen fühlen: Gerade dann spricht uns Christus persönlich an: Lazarus, komm heraus!
Tiefer und wahrer Glaube bedeutet eben, das heilsame Wirken Christi in unserem eigenen Leben zu erhoffen und zu erkennen. Genauso eröffnen biblische Texte uns die kraftvolle Gegenwart Gottes in unserem eigenen Leben. Somit dürfen auch wir modernen Gläubigen uns immer neu aus der Höhle des Unglaubens herausrufen lassen.
Zur Lazarus-Geschichte: Christen müssen nicht wie Sisyphos leben