Mit schlimmen Nachrichten werden wir Tag für Tag überflutet. Wahnsinnige Berichte aus den Kriegen mit Tausenden von Toten, Millionen von Menschen auf der Flucht, Zerstörung von Wohnungen und notwendiger Infrastruktur.
Dazu kommen so oft auch persönliche, traurige Schicksale.
Vroni erzählt mir, wie sie es kaum mehr aushält, ihre schwerkranke, mürrische Mutter Tag für Tag zu pflegen. Hans berichtet mir weinend, wie er mitansehen musste, wie sein vierjähriger Sohn Franz vor seinen Augen von einem Auto erfasst und weggeschleudert wurde. Zwei Tage darauf sei er im Spital gestorben. Sabine fühlt sich in der Oberstufe gemobbt und ist resigniert, ihre Noten sind ungenügend.
Wir lesen, schauen und hören und sind wie gelähmt. Wie eine Achterbahn sind unsere Gefühle: Ohnmacht, Ängste, Wut, Trauer, Resignation? Und diese Gefühle mischen sich mit einem Knäuel von wirren Gedanken und Fragen.
Warum das alles? Was kann ich da noch tun? Worauf baue ich mein Leben? Was hat das alles für einen Sinn? Worum geht es im Letzten?
Und irgendwann taucht langsam aus einem dunklen Winkel der Seele die Frage auf: Wie komme ich da aus diesem Schlamassel heraus? Jammern nützt nichts. Was hat mir früher geholfen? Woher hole ich Zuversicht und Kraft?
Kraft und Zuversicht finden
Die Augen schliessen. Das Fernsehen, das Radio oder das Handy abstellen. Tief durchatmen. Mich bewegen. Schwimmen. Joggen. Im Wald meine Ohnmacht und meine Wut hinausschreien. Mit jemandem darüber reden. Ganz bewusst auf eine mir liebe Tätigkeit umschalten. Im Garten die Blumen und blühenden Bäume betrachten. Einer Biene nachschauen.
Morgen feiern wir in der katholischen Kirche den Gut-Hirt-Sonntag. Dann beten wir den Psalm 23. Er ist einer der meistgebeteten oder gesungenen Psalmen, heute noch, vor allem auch bei Beerdigungen. In der Fassung von Peter Roth in der Toggenburger Messe berührt mich besonders der Vers:
Und wenn i emol dör e dunkels Tobel mue, so förch i mi nöd, denn du bisch bi mer!
Das Lied weckt in mir Zuversicht, gibt mir Kraft, einen neuen Anstoss. Es regt mich an. Wo kann ich einen kleinen Schritt gehen, der guttut – mir und andern.
Solche seelischen Vitamine wünsche ich auch Ihnen.
Zwischen Leid und Hoffnung Wege aus der Dunkelheit der Ohnmacht finden