Es erinnert mich an die Diskussion um PFAS: Erst werden Stoffe zugelassen und jahrelang eingesetzt, und wenn später die Folgen für Böden, Wasser, Tiere und Menschen sichtbar werden, heisst es plötzlich: «Wir konnten damals nicht wissen, welche Folgen das haben würde.» Was wird dann irgendwann vom Bauernverband zu hören sein, wenn unsere Böden und unser Wasser belastet oder vergiftet sind? «Wir haben nichts falsch gemacht. Es war gesetzlich erlaubt.»
Es reicht nicht, immer nur darauf zu schauen, was gesetzlich erlaubt ist. Die entscheidende Frage muss sein: Was ist langfristig verantwortbar für unsere Böden, unser Wasser, unsere Biodiversität und unsere Lebensgrundlagen? Die Landwirtschaft darf nicht ständig zuerst danach fragen, welche Mittel zugelassen sind und wo noch staatliche Unterstützung zu holen ist. Es muss endlich stärker darum gehen, wie wir Landwirtschaft betreiben können, ohne unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.
Forschung sollte nicht hauptsächlich dazu dienen, den nächsten Wirkstoff, die nächste Ausnahmebewilligung oder die nächste Möglichkeit für staatliche Unterstützung zu finden. Forschung sollte uns helfen, weniger abhängig von Pestiziden und anderen problematischen Stoffen zu werden. Wenn Bienen verschwinden, Böden ihre Qualität verlieren und unser Wasser belastet wird, nützt es niemandem mehr, darauf hinzuweisen, dass damals alles gesetzlich erlaubt war. Gesetze können sich ändern. Die Natur lässt sich nicht einfach zurücksetzen. Es braucht ein grundlegendes Umdenken – beim Bauernverband, in der Forschung und in der Landwirtschaft.
Ivo Keel, Imker, Rebstein
Bienensterben in Landquart – und trotzdem soll alles so weitergehen?