Koblach vor 8 Stunden

Ist das Rhesi-Projekt noch zeitgemäss?

Wenn Entscheidungen vor 15 Jahren gut und richtig waren, sind sie heute unter Umständen falsch. Den Rhein auf 4300 m³/s Abfluss auszubauen, ist gut, aber wichtig?

Von Norbert Bolter
aktualisiert vor 3 Stunden

Nach 15 Jahren darf man schon fragen: Ist ein Ausbau mit Dammabrückung noch erforderlich, wo nachweislich (vol.at am 2. Juli 2025) immer weniger Wasser im Rhein fliesst? Sind 342 ha mehr Kies-, Schlick- und Flussfläche noch zeitgemäss, angesichts der Klimaerwärmung beziehungsweise des Temperaturanstieges?

Wenn man den Satz aus der Machbarkeitsuntersuchung aus «Alpenrhein: Nachhaltiger Hochwasserschutz VAW 4362-4» auf Seite 82 hernimmt: «Die Massnahme Erhöhung der Mittelwuhre und Hochwasserdämme (V5) ist aus Sicht des Hochwasserschutzes am geeignetsten. …», das kombiniert mit dem Vorschlag von RheSiNat: mehreren Aufweitungen, wie sie am Rhein in Chur-Felsberg gebaut wurden, müssen keine Trinkwasserbrunnen versetzt werden.

Muss man einen Fluss, der nachweislich immer weniger Wasser führt, noch um das Fünffache verbreitern, wenn es andere Vorschläge zur Renaturierung und zur Sicherheit gibt? Mit 1 Milliarde Euro (ca. Kosten von Abschnitt 1) könnte man vielleicht auch Wichtigeres machen. Zum Beispiel für den Hochwasserschutz verstärkt regionale Massnahmen durchführen, da grossflächige Hochwasser weniger betroffen sind, lokale Starkregenereignisse jedoch deutlich zunehmen.

Dazu Worte des ersten Schweizer Rheinbauleiters Ingenieur J. Wey vor 120 Jahren (Das «Vorarlberger Volksblatt» und der Diepoldsauer Durchstich, 1906), die heute noch Gültigkeit haben: «Ein hartnäckiges Festhalten an einer vorgefassten Meinung, selbst an einem Vertrage, wenn er infolge veränderter Verhältnisse als unzweckmässig oder verfehlt erscheint, ist nicht nur nicht motiviert, sondern verdient verurteilt zu werden!» Ist das aktuelle Rhesi-Projekt noch zeitgemäss?

Norbert Bolter, Koblach