Selbständigkeit braucht jedoch ein Fundament. Dazu gehören sichere Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen, solides Wissen und logisches Denken. Wer Texte nicht sicher versteht, kann auch generierte Informationen kaum kritisch beurteilen. Wer Grundlagen nicht beherrscht, kann darauf nur schwer selbständig aufbauen. Dazu braucht es auch Selbstdisziplin.
Lernen bedeutet, sich zu konzentrieren, Fehler zu korrigieren und auch Dinge zu tun, auf die man gerade keine Lust hat. Es bedeutet, zu üben, bis man etwas kann. In einer Welt voller Ablenkungen sind diese Fähigkeiten für den Erfolg zentral. Offene Lernformen erhalten viel Aufmerksamkeit. Ich sehe jedoch die Gefahr, dass dabei Grundkompetenzen in den Hintergrund geraten. Vorzeigen, anleiten, klare Erwartungen, gezieltes Üben und ehrliche Rückmeldung stehen der Selbständigkeit nicht entgegen. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür. Selbstorganisiertes Lernen kann darauf aufbauend eine wertvolle Methode sein.
Unser Bildungssystem hat zahlreiche Reformen und neue pädagogische Trends erlebt. Die erhofften Fortschritte spiegeln sich in den PISA-Ergebnissen nicht wider. Das beweist keinen ursächlichen Zusammenhang, sollte aber Anlass sein, die gesetzten Prioritäten kritisch zu überprüfen. Auch Rückmeldungen der Lehrbetriebe sprechen dafür, Grundkompetenzen wieder stärker ins Zentrum zu stellen.
Entscheidend sollte nicht sein, wie modern eine Unterrichtsform erscheint, sondern wie wirksam sie ist. Das Ziel sollte nicht möglichst viel Selbstorganisation in der Schule sein, sondern Selbständigkeit im Leben. Nur wer auf einem soliden Fundament steht, kann seinen Weg später selbständig gehen.
Fabian Schmid, Widnau
Selbständigkeit braucht ein Fundament