Orientierungslauf vor 1 Stunde

1400 Läuferinnen und Läufer haben den richtigen Weg gefunden

Das Rheintaler OL-Weekend bot mit seinen nationalen Läufen einen tiefen Einblick in eine faszinierende Sportart. Der organisierenden OL-Gruppe St.Gallen/Appenzell gelang es, die Region von ihrer schönsten Seite zu zeigen.

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 1 Stunde

Es herrschte eine gelöste Stimmung, als am Sonntagvormittag Läuferin um Läufer im Ziel beim Altstätter Rathaus eintrafen. Viele Schaulustige liessen sich nicht nehmen, OL-Luft zu schnuppern und dem bunten Treiben zuzuschauen. Denn was sie sahen, war höchst interessant: Auf der einen Seite gab es die erfahrenen OL-Sportler, die um jede Sekunde sprinteten und am Ende des Laufs noch zuzulegen vermochten. Dann waren da aber auch die Hobbyläuferinnen und -läufer, die es gemütlicher nahmen.

Bei den Elite-Frauen gab's mit der Österreicherin Ylvi Kastner und Lilly Graber aus Biberstein AG zwei Siegerinnen. Einen internationalen Sieger gab es auch bei den Elite-Männern. Der Finne Tuomas Heikkilä, die aktuelle Nummer vier der Sprint-Weltrangliste, gewann das Rennen. Dass internationale Spitzenathleten am Start waren, ist kein Zufall: An diesem Wochenende findet im Tessin ein Weltcup-Event statt – das Rheintaler OL-Weekend bot hierfür eine perfekte Trainingsmöglichkeit.

Schwammwald war eine anspruchsvolle Aufgabe

Am Tag zuvor fand im Oberrieter Schwammwald der Langdistanz-OL statt. Beat Imhof, Kartograf aus Marbach, erfasste das Gebiet neu, der Lauf in diesem Areal war eine Premiere. Und er forderte die Läuferinnen und Läufer stark. «Ich musste ab und zu am Posten anhalten und das Gebiet genau betrachten, bis ich weiterlief. Aber die Karte war sehr gut gemacht und ich hatte keine Probleme, den Weg zu finden», sagte Jérémie Wichoud aus Neuchâtel.

Der Langdistanz-OL im Schwammwald forderte die Teilnehmenden.
Der Langdistanz-OL im Schwammwald forderte die Teilnehmenden.
Bild: Marcel Muttner

Beat Imhof war ebenso zufrieden: «Es war perfekt, wir haben viele Komplimente bekommen. Der Lauf war anspruchsvoll, ja – aber darum geht's im OL auch», sagte er lachend. Und: «Ich glaube, wir haben das Rheintal von der schönsten Seite gezeigt.»

Das Rheintal zu zeigen: Auch darum ging es den Organisatoren der OL-Gruppe St. Gallen/Appenzell. Das Wochenende mit 1400 Starterinnen und Startern war in diesem Ausmass eine Premiere. Die OLG SGA beschenkte sich damit selbst, feiert sie dieses Jahr doch ihr 70-jähriges Bestehen. Laufleiter Erwin Wälter war begeistert: «Das Wochenende bereitet mir eine riesige Freude. Das Rheintal hat in der OL-Szene einen bleibenden Eindruck hinterlassen.»

Zehn-Minuten-Takt bei der Busfahrt nach Hard

Dabei war die Organisation ein grosser «Lupf» – im Vorfeld und an den zwei Renntagen. An diesen standen je 140 Helferinnen und Helfer im Einsatz, auch von drei anderen Vereinen. Und am Samstag galt es, die Teilnehmenden zum Start in den Weiler Hard zu chauffieren. «Alle zehn Minuten fuhr ein Bus, es hat alles hervorragend geklappt», sagte Erwin Wälter.

Auch ein Wettkampfzentrum brauchte es. Dieses lag im Schulhaus Schöntal und war zu jeder Zeit sehr gut besucht. Am Sonntagmorgen kamen grosse Gruppen dort an, sie trugen Trikots von OL-Gruppen aus Luzern, aus Thun, dem Baselland, dem Maggiatal oder Lausanne. Und: Es waren sehr viele Junge am Start. Rund ein Drittel der Teilnehmenden seien 20-jährig oder jünger, sagte Erwin Wälter.

Dazu gehörten Martino Amaro, Dario Vannini, Gioele Bizzozero und Giulio Romagna, die aus dem Tessin angereist waren. Sie berichteten von unterschiedlichen sportlichen Erfahrungen, den einen lief es am Samstag besser als am Sonntag, den anderen umgekehrt.

Aus dem Tessin angereist (von links): Martino Amaro, Dario Vannini, Gioele Bizzozero und Giulio Romagna.
Aus dem Tessin angereist (von links): Martino Amaro, Dario Vannini, Gioele Bizzozero und Giulio Romagna.
Bild: rez

Das klang dann so: «Am Samstag war ich technisch gut unterwegs, aber ich hätte noch mehr Tempo machen können.» Oder: «Der Lauf im Wald war sehr anstrengend, physisch fordernd. Aber es war auch sehr schön, die Landschaft hat mir sehr gut gefallen. Cool war aber auch die Ankunft im Zentrum von Altstätten: Es ist sehr schön, wenn man sich als OL-Sportler auch einmal einem Publikum zeigen kann.»

«Aber Achtung: OL macht süchtig!»

Die vier jungen Männer machen schon seit einigen Jahren OL und sind damit keine Ausnahme. Gerade im Tessin ist diese Sportart sehr beliebt. Was sie so faszinierend macht, war am Rheintaler OL-Weekend gut zu beobachten: Es ist die Kombination des Laufsports mit dem Kartenlesen, das die Sportlerinnen und Sportler antreibt. Da kann es schon mal Missverständnisse geben: «Oh, Mann!», sagte ein Teilnehmer, als er beim Schulhaus Wiesental einen falschen Posten anlief. Er drehte sich sofort ab und sprintete in eine andere Richtung. Es gibt keine Zeit, sich länger mit Fehlern aufzuhalten.

Zeit gibt's aber nach dem Rennen. Da sassen die Läuferinnen und Läufer auf den Bänkli und verglichen ihre Leistungen. «Wie bist du die 20 angelaufen?», war dabei etwa zu hören – in der Hand immer noch die Landkarte, auf der die Posten eingezeichnet sind.

Laufleiter Erwin Wälter warnte die geladenen Gäste, die einen Mini-OL abliefen, als er sagte: «Aber Achtung: OL macht süchtig!» Dass dies sein kann, zeigten die 1400 Läuferinnen und Läufer, die an den Start gingen, eindrücklich.

Mehr Bilder gibt es hier, die Ranglisten auf www.olgsga.ch.