Fussball 05.08.2026

Auf die Kür folgt für den FC St.Gallen die europäische Pflicht

Am Donnerstag, 19 Uhr Schweizer Zeit, spielt der FCSG bei Sheriff Tiraspol um das Weiterkommen in der Conference-League-Qualifikation. Benfica konnte als Kür betrachtet werden – für Tiraspol gilt das nun nicht mehr.

Von rez
aktualisiert am 05.08.2026

Will der FC St.Gallen an der Ligaphase der Europa Conference League teilnehmen, muss er noch zwei Qualifikationsrunden überstehen. Die erste beginnt mit dem Hinspiel am Donnerstag in Tiraspol. Die Ostschweizer gelten über beide Spiele hinweg als deutliche Favoriten. Was für die letzte Runde gegen Benfica nicht gegolten hatte, gilt jetzt: Das Weiterkommen ist Pflicht. Danach ginge es in der Playoffrunde weiter. Der Gegner dort hiesse wahrscheinlich FC Nordsjælland (Dänemark); dieser geht als haushoher Favorit in seine Qualispiele gegen Valur Reykjavik aus Island.

Beim FC St.Gallen stimmen derzeit Form und Moral. Er ist mit zwei Siegen in die Meisterschaft gestartet. Die beiden Gegner – der FCZ und Vaduz – gehören zwar nicht gerade zu den Anwärtern auf den Meistertitel, müssen aber auch zuerst besiegt werden. Besonders, wenn die Spiele zwischen europäischen Partien stattfinden und man gegen beide Gegner in Rückstand gerät. In Vaduz hatte Aliou Baldé St.Gallen in der ersten Minute schon in Führung gebracht, danach drehte der Aufsteiger aber auf, hatte viele Chancen und führte verdient 2:1.

Die grossen Sorgen in der Abwehr bleiben bestehen

Doch dann kam der grosse Auftritt von Enoch Owusu. Er verpasste fast die ganze letzte Saison verletzt (nur fünf Teileinsätze) und entschied das Spiel doch noch für den FC St.Gallen. Owusu erzielte die Tore zum 2:2 und zum 3:2 und sicherte den Grün-Weissen damit die zweiten drei Meisterschaftspunkte. Nur die Berner Young Boys und Lugano haben auch die ersten beiden Ligaspiele gewonnen, alle anderen Teams haben schon Federn gelassen.

Dass der FCSG in Vaduz nicht besonders stilsicher auftrat, hatte vor allem einen Grund: Die Abwehr bereitet Trainer Enrico Maassen grosse Sorgen. Mit Tom Gaal, Cyrill May, Colin Kleine-Bekel und Stephan Ambrosius fallen zurzeit vier Verteidiger verletzt aus. Und Jozo Stanic ist nach seiner gelb-roten Karte in Lissabon für das Spiel in Tiraspol gesperrt. Maassen ist also gefordert, Kreativität ist gefragt. Im letzten Spiel kam neben Stanic und dem gesetzten Chima Okoroji auch Joel Ruiz zum Einsatz. Und auch der eingewechselte Betim Fazliji spielte in der Abwehr und wäre für das Spiel in Moldawien eine valable Option für die Startelf.

Es wird eine gar nicht so abenteuerliche Reise

Sheriff Tiraspol ist auf europäischem Parkett ein bekannter Name – 2021 gewannen die Osteuropäer in der Champions League auswärts bei Real Madrid. Zuletzt mussten sie aber kleinere Brötchen backen, vom einstigen Ruhm ist nicht mehr besonders viel übrig. Dies liegt auch daran, dass die Stadt in Transnistrien liegt, in einem von der Republik Moldau abtrünnigen Landstreifen direkt an der Grenze zur Ukraine. In diesem sind zahlreiche russische Soldaten stationiert. Wer nach Tiraspol reist, besucht ein Freilichtmuseum, denn die Stadt scheint in der Sowjetzeit stehen geblieben zu sein.

Sheriff startete in der ersten Qualifikationsrunde zur Europa League und setzte sich gegen Aluminij aus Slowenien durch (1:0, 0:0). Danach traf die Mannschaft auf Maccabi Tel Aviv, verlor 0:5 und 0:1 und schied aus der EL-Quali aus. Deshalb geht’s nun in der ECL-Quali weiter. Doch was für die St.Galler Fans, die diesmal wieder anreisen dürfen, eine abenteuerliche Reise wird, ist für die Mannschaft keine grössere Belastung als die von letzter Woche: Tiraspol liegt Luftlinie näher an der Ostschweiz als Lissabon. Auch die Fahrt vom Flughafen in die Stadt ist kürzer – und vor Ort wird das Maassen-Team eine hervorragende Infrastruktur antreffen.

Die Vorzeichen für einen Erfolg stehen also nicht schlecht. Nun gilt es für die Ostschweizer aber, konzentriert ins Spiel zu gehen und dem Gegner nicht zu viele Räume zu überlassen. Presst die Mannschaft wieder so aktiv und hoch wie im Hinspiel gegen Benfica, dürfte dies gelingen. Dann wäre die gebeutelte Abwehr gar nicht so oft gefragt wie befürchtet.