Der FC Au-Berneck ist vor einigen Wochen in Glarus aus dem OFV-Cup 2. Liga ausgeschieden und hat an diesem Wochenende kein Spiel. Auch Widnau II hat keinen Einsatz, die 3. Liga pausiert und im Cup darf das «Zwoa» logischerweise nicht antreten. So trafen sich die beiden Mannschaften am Donnerstagabend zu einem Testspiel, das immerhin rund 50 Schaulustige auf die Tägeren lockte.
Den Trainern bieten solche Spiele jeweils die Möglichkeit, dem zweiten Anzug das Vertrauen zu schenken – und zu schauen, welche Akteure sich für mehr Einsätze aufdrängen. So schickte der Au-Bernecker Trainer Ralph Heeb eine Reserveelf auf den Platz, die mit Spielern gespickt war, die sich beim Übungsleiter empfehlen wollen. Einer von ihnen ist der 18-jährige Junior Deon Delija, der hinter den Spitzen agierte und seine Farben in Führung brachte. Dies, nachdem Au-Berneck zuvor einen Penalty vergeben hatte; der 17-jährige Widnau-Goalie Silvan Jenny parierte stark.
In den ersten 30 Minuten verlief die Partie nach Papierform. Die Gastgeber dominierten, müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig effizient gewesen zu sein. Von Widnau II war noch nicht viel zu sehen. Doch bei den Gästen war ein Spieler dabei, der zum «Eins»-Kader gehört: der 18-jährige Stürmer David Can. Er glich für die Mannschaft von José Torregrosa in der 33. Minute entgegen dem Spielverlauf aus und war auch sonst auffällig. Die Gäste nahmen das Spiel nun vor allem im Mittelfeld in die Hand und die Zuschauer rieben sich verwundert die Augen: Nach einer Stunde führte der FCW 3:1. Fabio Grossenbacher erzielte das zweite (50.), Can das dritte Widnauer Tor (61.).
Widnau II belegt in der 3. Liga, Gruppe 2, nach fünf Spielen mit sieben Punkten den fünften Rang. Dies liegt nicht nur am Einsatz von «Eins»-Spielern im «Zwoa», sondern auch daran, dass es in dieser Mannschaft viele interessante junge Talente gibt. Die Widnauer traten in Au mit einem sehr jungen Team an, der 27-jährige Ex-Au-Bernecker Giuliano Lamorte war mit Abstand der älteste Spieler im Kader. Der jüngste, Debütant Laurin Kobelt, ist gerade mal 15 Jahre alt. Und doch boten die Widnauer den Auern nicht nur die Stirn, sie führten mit zwei Toren Vorsprung.
Au-Berneck kann auf ein breites Kader mit viel Qualität zurückgreifen, in dieser Phase war aber der Wurm drin. Dann wechselte Trainer Ralph Heeb gestandene Kräfte ein; Bledi Shala, Ahmet Cetinkaya und Amir Dervisevic. Letzterer – in der 2. Liga bereits mit sieben Saisontoren – drückte der Schlussphase den Stempel auf. Zuerst verkürzte er mit einem spektakulären Weitschuss auf 2:3. Dann trieb er sein Team immer wieder an, bis das «Happy End» folgte: Mit der letzten Aktion des Spiels, der Schiedsrichter pfiff danach nicht mehr an, erzielte Dervisevic das 3:3. Au-Berneck ging also nicht als Verlierer vom Feld – was auch daran lag, dass der eingewechselte Goalietrainer Martin «Ox» Baumgartner vor dem Ausgleich eine hervorragende Doppelparade zeigte.
So ging ein unterhaltsames, attraktives Testspiel mit 3:3 zu Ende. Widnau II weiss, auf viele gute Spieler zählen zu können, die zudem noch einiges an Entwicklungspotenzial mitbringen. Au-Berneck weiss indes, dass der zweite Anzug nicht so ganz sitzt – was aber auch daran liegt, dass das Team erstmals in dieser Zusammensetzung spielte und deshalb auch nicht zu erwarten ist, dass die Automatismen greifen.
Ein Testspiel, das unterhaltsam war und Erkenntnisse lieferte