Auf dem Hof von Bruno Giger in Zuckenriet stellte der Kanton St. Gallen seine Biodiversitätsstrategie 2026 bis 2033 vor. Zwischen Blumenwiesen, Waldrand und naturnahen Flächen wurde deutlich, worum es der Regierung geht: Biodiversität soll nicht bloss ein abstrakter Begriff bleiben, sondern sichtbar und erlebbar werden. Regierungspräsident Beat Tinner betonte, dass die Vielfalt von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen weit mehr sei als ein schönes Landschaftsbild. «Sie sorgt für sauberes Wasser, fruchtbare Böden und stabile Ökosysteme», sagte Tinner anlässlich der Begehung.
Der Kanton will als Vorbild agieren
Die neue Biodiversitätsstrategie baut auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre auf. Bereits seit 2018 werden Moore saniert, Trockenwiesen aufgewertet, Weiher geschaffen und Waldreservate erweitert. Auch im Siedlungsraum entstanden biodivers gestaltete Flächen. Nun sollen die Anstrengungen weitergeführt und gezielt ausgebaut werden. Im Zentrum stehen 18 konkrete Massnahmen in vier Handlungsfeldern. Lebensräume sollen geschützt und aufgewertet, besser miteinander vernetzt sowie bedrohte Arten gezielt gefördert werden. Gleichzeitig will der Kanton die Bevölkerung stärker einbeziehen und Wissen vermitteln. Für die Umsetzung der Strategie sieht der Kanton jährlich 650'000 Franken vor. Regierungspräsident Beat Tinner betonte dabei die Vorbildfunktion des Kantons: «Auf eigenen Flächen, bei kantonalen Bauten oder entlang von Strassen schaffen wir gezielt artenreiche Lebensräume. Biodiversität entsteht vor Ort und funktioniert nur gemeinsam.»
Die Natur erobert Fläche zurück
Wie solche Aufwertungen aussehen können, zeigt eine Fläche mitten in einer Siedlung in Rüthi. Dort wurde ein ehemaliger monotoner Rasen naturnah umgestaltet. Heute finden sich dort eine Ruderalfläche, eine entstehende Blumenwiese, Asthaufen, Totholz und Steinhaufen. In der Mitte entstand ein Platz zum Verweilen und Beobachten. Besonders auffällig ist eine sogenannte Sandlinse für Wildbienen. Schon kurz nach der Aufwertung konnte dort die seltene gelbbindige Furchenbiene beobachtet werden. «Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie rasch die Natur aufgewertete Flächen zurückerobert», sagte Urs Gimmi, Leiter Abteilung Natur und Landschaft des Kantons St. Gallen.
Zusammenarbeit statt Vorschriften
Bezüglich der Biodiversitätsstrategie sprach Urs Gimmi von einer langfristigen, generationenverbindenden Aufgabe. Die neue Strategie setze bewusst auf konkrete und sichtbare Massnahmen. «Biodiversität gelingt nur gemeinsam mit Gemeinden, Landwirtschaft, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern», sagte er bei der Vorstellung der Ziele. Der Fokus liege deshalb auf Zusammenarbeit, Beratung und Unterstützung der verschiedenen Akteure. Gerade im Siedlungsraum bestehe noch grosses Potenzial. Auch private Grundeigentümer könnten mit einfachen Massnahmen einen Beitrag leisten. Beispielsweise mit Blumenwiesen, Asthaufen oder dem Pflanzen von einheimischen Sträuchern und Bäumen. Bis 2050 soll der Kanton St. Gallen laut der Vision der Regierung von vielfältigen und gut vernetzten Lebensräumen geprägt sein. Projekte wie jenes in Rüthi zeigen bereits heute, wie dies konkret aussehen kann. (pd)
Belebte Flächen statt monotoner Rasen: Kanton macht Biodiversität sichtbar