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Fussball 10.04.2026

Cupfinal als nächstes Highlight: Melanie Mazenauer auf der grossen Bühne

Vor anderthalb Wochen waren die Augen der Fussballschweiz auch auf Melanie Mazenauer gerichtet. Sie stand als Schiedsrichterassistentin am Cupfinal der Frauen im Einsatz. Es war ein weiteres Highlight in einer schönen Karriere, die im Grüntal begann.

Von Remo Zollinger
aktualisiert am 12.04.2026

Über 7500 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten sich auf der Winterthurer Schützenwiese zum Duell zwischen YB und Servette eingefunden, als Melanie Mazenauer an der Seite von Schiedsrichterin Deborah Anex mit den Teams das Feld betrat. «Es ist immer eine Freude, wenn es so viele Fans hat und eine gute Stimmung herrscht», sagt die Altstätterin. Sie stand zum zweiten Mal an einem Cupfinal im Einsatz – auch vor zwei Jahren hiess die Begegnung YB gegen Servette, damals war sie Assistentin 2, nun Assistentin 1.

Das ist ein kleiner Aufstieg, bewegt sich die Assistentin 1 doch an der Seite der technischen Zonen und hat mehr Aufgaben. So unterstützt sie die vierte Offizielle im Umgang mit der Trainerbank sowie bei den Wechseln. Nervöser war Melanie Mazenauer deshalb nicht, obwohl es noch mehr Neuerungen gab für sie. So kam erstmals bei einem Spiel, das sie mitleitete, der Videoassistent zum Einsatz, was die Kommunikation veränderte. Zudem wurde das Spiel live im Fernsehen übertragen. Doch es war ein sehr faires Duell, selbst wenn das Tor kurz durch den VAR überprüft werden musste. Servette gewann das Spiel dank dieses Treffers mit 1:0.

Lieber viele als wenige Fans im Stadion

Dass es am Cupfinal viele Fans hatte, war für Melanie Mazenauer nicht nur in Sachen Stimmung positiv. Die 27-Jährige sagt:

Wenn es weniger Zuschauerinnen und Zuschauer hat, hört man viel konkreter, was sie reklamieren. Sind aber tausende Fans im Stadion, herrscht da einfach eine Art Grundlärm, die man sehr gut ausblenden kann.

Sie spricht aus Erfahrung, war dies doch nicht ihr erster Einsatz an einem gut besuchten Spiel. Und doch: So richtig zur Gewohnheit geworden sind solche Spiele für die Schiedsrichterassistentin noch nicht.

Der Cupfinal war von der Affiche her ein besonderes Spiel, «ein Highlight», wie sie sagt. Dennoch verlief – abgesehen davon, dass sie das Aufgebot telefonisch und nicht wie üblich schriftlich erhielt – die Woche zuvor nicht viel anders als vor einem anderen Spiel. Das Sextett der Unparteiischen hatte Kontakt miteinander, «aber das ist eigentlich nicht mehr als Daily Business», sagt Melanie Mazenauer, die zum Schiedsrichterteam des FC Altstätten gehört. Für den Final erhielten die Unparteiischen dann spezielle Trikots und eine schön hergerichtete Kabine.

Normalerweise bei den Männern im Einsatz

Etwas Besonderes gab es im Vorfeld doch: Melanie Mazenauer und Melissa Correia, die Assistentin 2, bekamen in der Woche zuvor ein Aufgebot für ein Frauenspiel. Dies, weil beide hauptsächlich im Männerfussball im Einsatz stehen. «Der Sport ist der gleiche. Aber es fühlt sich anders an, ein Frauenspiel zu leiten als eines bei den Männern», sagt Mazenauer. Sie assistiert sonst vor allem Spiele in der 1. Liga Classic und der Promotion League, also der höchsten Stufe des Schweizer Amateurfussballs.

Und: Sie assistiert diese, pfeift jedoch nicht selbst. In der Schweiz muss man sich, sofern man eine Karriere im Schiedsrichterwesen anstrebt, schon früh entscheiden, ob das Arbeitsinstrument die Pfeife oder die Fahne sein soll. Melanie Mazenauer fühlte sich von der Rolle der Assistentin mehr angezogen und fokussierte sich darauf. Sie arbeitete sich rasch und weit nach oben, ist schon lange nicht mehr im regionalen Fussball tätig. Und sie sagt:

Ich bringe einen grossen sportlichen Ehrgeiz mit. Ich will keine Fehler begehen. Wenn ich etwas mache, dann will ich es gut machen.

Zuerst war sie Spielerin und Schiedsrichterin

Melanie Mazenauer bekam das Interesse für das Schiri-Wesen in die Wiege gelegt. Ihr Vater Sandro Mazenauer bekleidete im Fussball schon sehr viele Rollen – als Trainer, Präsident, Schiedsrichter, Coach und Instruktor. In den letzten beiden Funktionen ist er heute noch beim Verband tätig, zudem trainiert er die dritte Mannschaft des FC Altstätten, die in der 4. Liga spielt.

Melanie Mazenauer liebt es, vor vielen Fans ein Spiel zu assistieren.
Melanie Mazenauer liebt es, vor vielen Fans ein Spiel zu assistieren.
Bild: pd

Auf dem Montlinger Kolbenstein begann die kleine Melanie – wie fast alle Schiedsrichter – als Spielerin. Sie wollte dann aber auch einfach einmal ausprobieren, wie es ist, ein Fussballspiel zu leiten. Als sie als Schiedsrichterin anfing, wechselte sie zum FC Altstätten, damit sie beides sein konnte: Schiedsrichterin und Spielerin. Am Samstag pfiff sie bei den B- oder C-Junioren, am Sonntag spielte sie selbst. Dabei merkte Melanie Mazenauer, ein Talent als Schiedsrichterin zu haben.

Die Schiri-Laufbahn als grosse Lebensschule

Später entschied sie sich dann für eine Laufbahn als Unparteiische. Sie merkte, was in diesem Bereich alles möglich ist – besonders durch die nationale Frauen-Förderungsgruppe. Melanie Mazenauer sagt:

Man lernt mega viel auf diesem Weg. Sozialkompetenz, Leiterschaft, Teamarbeit, Entscheidungen treffen und die vertreten können: Das habe ich als Schiedsrichterin gelernt.

Neben zwei Cupfinal-Teilnahmen war das Erreichen des FIFA-Abzeichens ein grosser Meilenstein. Gemeinsam mit Désirée Blanco, die das Spiel leitete, und Esther Staubli, die als vierte Offizielle amtete, feierte Melanie Mazenauer im polnischen Gdynia beim WM-Qualifikationsspiel zwischen den Frauen-Nationalteams von Polen und Armenien ihre internationale Feuertaufe.

Das erste Spiel im Ausland war eine ganz neue Erfahrung. Ich war an der Seite der erfahrenen Schiedsrichterinnen Désirée Blanco und Esther Staubli unterwegs, die für mich Vorbilder sind.

Es blieben nicht die letzten internationalen Einsätze für Melanie Mazenauer: Bei Serbien gegen Griechenland und Finnland gegen Kroatien war sie erneut bei Länderspielen an der Seitenlinie, später assistierte sie auch die Duelle zwischen Liechtenstein und Hongkong sowie zwischen Polen und den Niederlanden. Letzteres ist der Altstätterin besonders in Erinnerung geblieben: Ausgetragen wurde es in der 41'620 Fans fassenden Arena in Gdansk (PL). Und es geht weiter so: In dieser Woche reist sie an ein Turnier mit U19-Nationalteams nach Schottland, wo sie drei Spiele assistieren wird.

Fussballfan, auch ohne parteiisch zu sein

«Dass ich neben den Spielen jeweils auch noch das Land kennenlernen darf, ist ein schöner Nebeneffekt», so die Altstätterin. Eine solche Gelegenheit hatte sie auch im Januar, als sie in Zypern an einem Trainingslager für Elite-Referees des Schweizerischen Fussballverbandes teilnehmen durfte.

Ich hatte Trainings- und Theoriekurse und war im gleichen Hotel wie die besten Schiedsrichter der Schweiz. Es war schon cool, sie auf diese Art besser kennenzulernen.

Beobachtet eine Schiedsrichterin, wenn sie am TV Fussball schaut, primär die Unparteiischen? Melanie Mazenauer lacht, sagt: «Ja, ich kann kein Spiel mehr einfach so schauen, ich beachte immer gewisse Sachen, die sicher nur Schiedsrichtern auffallen. Aber ich kann schon auch einfach auf dem Fussballplatz stehen und mich über ein tolles Tor freuen.» Dies ganz so, wie sie auf dem Platz ist: jederzeit unparteiisch, aber dem Fussballspiel stark verbunden.