Wie gross das Interesse für das Spiel zwischen dem FC St. Gallen und SL Benfica ist, liest sich auch daran ab, dass der Medienraum im Sitterstadion zur Pressekonferenz mit Trainer Enrico Maassen sowie Captain Lukas Görtler voll war. Auch viele Journalistinnen und Journalisten aus Portugal waren anwesend und hörten interessiert zu, als das St. Galler Erfolgsduo erklärte, wie es dem auf dem Papier übermächtig erscheinenden Gegner entgegenwirken will.
Ein wichtiger Punkt, so sagte es Maassen, werde sein, «mit der Höhe, auf der wir pressen, variabel zu sein». Frühere Spiele gegen europäische Top-Teams wie Vitoria Guimarães oder die ACF Fiorentina hätten gezeigt, dass es nicht möglich sei, 90 Minuten hoch zu stehen. «Wir wollen unseren Fussball spielen, aber auf ganz hohem Level zu pressen, ist schlichtweg nicht möglich.» Zudem sei wichtig, auf alles gefasst zu sein: «Wir müssen physisch und mental auf ganz, ganz hohem Konzentrationslevel sein», sagte der St. Galler Trainer.
Captain Lukas Görtler sagte: «Wir freuen uns, gegen einen so starken, international bekannten Gegner zu spielen. Wir haben viel Respekt und Hochachtung, aber auch Lust, Benfica zu ärgern.» Der FCSG sei sich aus der heimischen Liga gewohnt, dominant aufzutreten, er wisse aber, «dass das gegen diese Mannschaft viel schwieriger wird. Wir müssen versuchen, ab und zu das Momentum auf unsere Seite zu holen. Wir sind der Underdog, aber es ist Fussball, elf gegen elf, da ist immer etwas drin. Mit der Leidenschaft, die wir haben, und dem Herz, das wir auf den Platz bringen, werden wir unsere Momente bekommen.»
Von den Momenten sprach auch der Trainer: Es gelte, solche effizient zu nutzen. Es sei wichtig, dass die Verteidigung sich optimal verhalte, «und wir brauchen einen guten Torhüter». Wer dieser sein wird, sagte Enrico Maassen auch: Lawrence Ati Zigi ist nach der WM mit Ghana zurück. «Er ist erholt, fit und spielt.» Verzichten muss er aber auf die verletzten Colin Kleine-Bekel, Nevio Scherrer, Cyrill May, Stephan Ambrosius und Nino Weibel und die rekonvaleszenten Malamine Efekele und Behar Neziri.
Ein Pluspunkt könnte das Publikum sein. Das Stadion ist ausverkauft, und obwohl auch viele portugiesische Fans dabei sind, ist das Sitterstadion für die Stimmung bekannt. «Sie sind sich gewohnt, vor noch mehr Fans zu spielen, aber wir hoffen, dass es einen Hexenkessel gibt und dieser das Spiel etwas beeinflusst. Diese Karte wollen wir im Heimspiel natürlich ausspielen», sagte Görtler. In einer Woche ist der FCSG im 68 100 Fans fassenden Estádio da Luz zu Gast.
Dass es dann noch um etwas geht, ist sein erklärtes Ziel. «Wir versuchen, zu überraschen und für das Rückspiel alles offen zu halten. So können wir nach Lissabon reisen und jeder von uns freut sich auf das Spiel. Natürlich gehe ich heute nicht ins Bett und denke, wir hauen Benfica weg. Aber wir sind auch nicht so schlecht, dass wir gar nicht erst antreten müssen», so der Captain, bei dem auch die Mimik Vorfreude auf das Spiel vermittelte. Das treue Ostschweizer Publikum darf sich auf einen kämpferischen FC St. Gallen freuen.
Der FC St. Gallen will gegen Benfica variabel und unbequem auftreten