Der Museumsverein Oberriet, der das Museum Rothus betreibt, feierte im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wurden alle Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die bereits einmal dort ausgestellt hatten, ihr Schaffen nochmals zu präsentieren.
Eine davon ist die bald 82-jährige Bauernmalerin Lilly Langenegger aus Gais. Sie zeigte ihre Bilder bereits 1987 im «Rothus» und tut dies demnächst nochmals. Am kommenden Sonntag um 14 Uhr findet die Vernissage statt.
Bäuerin, Mutter, Künstlerin
Lilly Langenegger-Eisold blickt auf ein aktives und vielseitiges Leben zurück. Sie wurde am 27. Juli 1944 in Zürich geboren. Anfang der 1960er-Jahre arbeitete sie als Kindergärtnerin in einem Heim in Gais. Dort entdeckte sie nicht nur ihre Liebe zur Appenzeller Landschaft und Musik, sondern lernte auch ihren späteren Ehemann Werner Langenegger kennen. Nach der Hochzeit im Jahr 1969 wurde sie Bäuerin und Mutter von vier Kindern.
In den 1970er-Jahren fand Lilly Langenegger über eine Ausstellung zur Bauernmalerei. Sie nutzte ihr zeichnerisches Talent, begann selbst zu malen und entwickelte bald ihren eigenen Stil. Mit viel Liebe zum Detail spiegeln ihre Bilder das bäuerliche Leben, die Natur und die Tiere. Dazu gehören auch naturalistische Rosenporträts, zauberhafte Schmetterlingsbilder und aquarellierte Fantasiebäume. Ihr Werk beinhaltet auch Radierungen. Die Technik der Radierungen vermittelt sie immer wieder in Oberstufenklassen. Gerne erklärt sie dieses Verfahren dem Publikum auch anlässlich der Ausstellung im Rothus.
Bilder einer heilen Welt
Ihre Arbeiten zeigen bewusst eine heile Welt ohne Beton und Verkehr, dafür mit farbenfrohen Landschaften und lebendigen Szenen aus dem bäuerlichen Alltag. 1994 erschien ihr erstes Kinderbuch «Flöckli, das Geisslein». Wie ihre Bilder erzählen auch ihre Geschichten von einer warmen, naturnahen Welt voller kleiner Entdeckungen.
Lilly Langenegger liebt den Kontakt zu Menschen und besonders auch zu Kindern, was sich in ihrer offenen und herzlichen Art widerspiegelt. Auch abseits der Kunst ist sie stets aktiv geblieben. Früher tanzte sie in einer Volkstanzgruppe, heute besucht sie regelmässig das Linedance in St. Gallen – Bewegung gehört für sie einfach zum Leben.
Vor zwei Wochen war zudem das Schweizer Fernsehen SRF mit Lilly Langenegger auf dem Gäbris unterwegs. Dort entstanden Aufnahmen für einen Beitrag, der voraussichtlich im Juli 2026 in der Sendung «Donnschtig-Jass» aus Herisau oder Gais ausgestrahlt wird.
«Rothus» mit historischen Werkstätten
Die aktuelle Ausstellung von Lilly Langenegger passt bestens ins Museum Rothus, das sich seit Jahrzehnten dem bäuerlichen Leben und Arbeiten in der Region widmet. Neben wechselnden Ausstellungen zeigt dieses unter anderem Themen wie Torfstecherei, Maisanbau, Holzverarbeitung oder Rheinhochwasser. Historische Werkstätten und eine funktionstüchtige Mühle ergänzen das vielseitige Angebot.
Daten Ausstellung
Lilly Langenegger wird an den Öffnungstagen der Ausstellung anwesend sein. Diese finden wie folgt statt: Vernissage am kommenden Sonntag, 7. Juni, 14 bis 17 Uhr; am Sonntag, 21. Juni, von 14 bis 17 Uhr sowie am Sonntag, 5. Juli, von 10 bis 17 Uhr. An diesem Tag findet auch das internationale Projekt «Reiseziel Museum» statt, das sich besonders an Familien mit Kindern richtet. Weitere Informationen unter www.museum-oberriet.ch.
Das bäuerliche Leben von seiner schönsten Seite: Lilly Langenegger kommt ins «Rothus»