Der Rahmen für das erste Auswärtsspiel seit der Neugründung des St.Margrether Aktivteams hätte schöner nicht sein können: Im nigelnagelneuen Gossauer Buechenwald-Stadion trafen die Unterrheintaler auf die vierte Mannschaft des früheren NLB-Vereins. Es entwickelte sich ein unterhaltsames Fünftliga-Spiel, das dieser Bezeichnung aber auch gerecht wurde. Entschieden haben es die Gastgeber für sich, sie gewannen 6:2. Zwei Doppelschläge – zehn Minuten nach der Pause und zehn Minuten vor Schluss – waren ausschlaggebend.
Dem FC St.Margrethen fehlte einiges, um zu Punkten zu kommen. Es waren nicht nur die vielen Chancen aus der ersten Hälfte, die die Gäste nicht machten, sondern andere Faktoren, die zum Schlussresultat führten. Einer davon führte der Captain aus. Afet Mevmedoski sagte nach dem Spiel: «Wir mögen vielleicht eine halbe Stunde mithalten» und sprach damit die Fitness seines Teams an. Trainer Urs Künzler sagte fast das gleiche: «Es fehlt uns halt noch die Luft.»
Das ist sehr gut erklärbar. Die auf diesen Frühling hin gegründete Mannschaft hat bisher sechsmal miteinander trainiert und selbst da wäre in Sachen Trainingsbesuch noch mehr gegangen. Dies äusserte sich immer wieder in Missverständnissen und Schwierigkeiten in der Abstimmung. Das darf niemanden wundern und auch der Trainer ist nicht überrascht. «Bis zum Sommer geht es einfach darum, dass wir uns kennenlernen und dass wir Ernstkämpfe bestreiten», sagte Urs Künzler. Es war hörbar: Nicht Punkte sind das vorrangige Ziel, sondern das Bilden einer neuen Mannschaft.
Diese zeigte in Gossau, dass sie Spieler hat, die gut Fussball spielen können. In der achten Minute setzte sich Omar Coralic über rechts sehenswert durch und traf in die hohe Ecke zur Führung für St.Margrethen. Sechs Minuten später stand es nach einem schönen Angriff der Fürstenländer aber schon wieder 1:1 – und dann entwickelte sich ein Spiel, in dem St.Margrethen gute Chancen hatte. Gossau IV versuchte es oft mit Weitschüssen, die meisten landeten weit über dem Tor. Einer flog auf die Baustelle hinter dem Ballfänger. Mit «De nögscht, Yanic!», wurde dem Schützen von der Bank aus Mut zugesprochen. Fünftligafussball. Und das ist nicht negativ gemeint.
«Wir könnten zur Pause 4:1 führen», sagte St.Margrethens Captain, doch vorne lag nach 45 Minute die Heimelf, die in der 41. Minute wieder in Führung gegangen war. Nico Maier vergab vor der Pause die letzte Chance für die Unterrheintaler, sein Schuss landete daneben. Afet Mevmedoski, der angesprochene Captain, hat vor vielen Jahren schon einmal bei St.Margrethen gespielt. Er ist jetzt 40-jährig, aber immer noch der fitteste Mann auf dem Platz. Er warf sich in die Zweikämpfe, spielte kluge Bälle und setzte sich voll für das Team ein.
Doch auch sein Einsatz konnte nicht abwenden, was nach der Pause folgte. Es schien auch von aussen, als ob sich bald die Frage nach der verbleibenden Kraft stellte. Diese beantwortete Gossau mit zwei Toren in drei Minuten, es stand 4:1 für die Fürstenländer. Doch St.Margrethen gab nicht auf und kam, abermals durch Coralic, zum zweiten Tor. In der Folge hatten die Gäste eine zweite Luft und Coralic – der auffälligste Spieler der St.Margrether – scheiterte zweimal an Gossau-Goalie Mattia Corazza, der in diesen Szenen gute Reflexe bewies.
Generell waren die Hausherren die bessere Mannschaft, einer von ihnen erzielte sogar einen Hattrick und bei Captain und Aussenverteidiger Shane Fitz kam kaum ein Angreifer der Gäste durch. Und nach den beiden Coralic-Chancen entschied Gossau IV das Spiel für sich. Es war der zweite Doppelschlag der Gastgeber, die damit das Skore auf ein uneinholbares 6:2 hochschraubten. Auch die 49 Zuschauerinnen und Zuschauer wussten, dass das Spiel damit gelaufen war. Ein weiteres Tor fiel nicht.
Was macht St.Margrethen nach einem solchen Spiel Mut? Sicher, dass es Spieler hat, die sich technisch auf einem guten Niveau bewegen. Dann aber vor allem, dass es aktuell viel Zeit hat, sich auf kommende Aufgaben vorzubereiten. «Ab dem Sommer wollen wir natürlich anders auftreten», sagte Urs Künzler. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Projekt weiterentwickelt.
Das neue «Eins» des FC St.Margrethen braucht noch Zeit