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«Spiele gegen Eschen sind wie ein Derby»: Widnau empfängt USV

Am Sonntag, 14 Uhr, hat der FC Widnau die nächste Chance auf Punktezuwachs: Zu Gast ist die USV Eschen/Mauren. Aktuell liegen die Liechtensteiner mit 24 Punkten auf dem zwölften Tabellenplatz, Widnau ist mit 17 Zählern Fünfzehnter.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 1 Stunde

Das Spiel in der Vorrunde im Sportpark endete für Widnau mit einer 1:2-Niederlage. Es war ein Resultat, das nicht dem Spielverlauf entsprach. Die Rheintaler hatten einige hervorragende Chancen, um das Spiel für sich zu entscheiden. Doch als Raoul Marino in der 90. Minute endlich skorte, hatte die USV bereits zweimal getroffen. Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger sagte damals: «Wenn man vier Hundertprozentige nicht nutzt, kann man nicht gewinnen. Das bessere Team hat verloren. Das ist im Fussball leider manchmal so.»

2012 spielte die USV europäisch

Die USV (Unterländer Spielervereinigung) Eschen-Mauren wurde 1963 gegründet. Als grösste Erfolge stehen zweifellos die fünf Pokalsiege im liechtensteinischen Cup zu Buche. Zwischen 1976 und 1978 blieb der Pott dreimal in Serie im Sportpark: Eschen gewann 1976 gegen Balzers, 1977 gegen Vaduz und 1978 gegen Ruggell. 1987 folgte Cup-Streich vier, ein 1:0 gegen Vaduz. Danach erreichte die USV zwölfmal in Folge den Final. Gegner war jedes Mal Vaduz – und jedes Mal ging der Pokal in den Landeshauptort. 2012 wurde der Bann mit einem 6:4-Sieg im Penaltyschiessen (natürlich wieder gegen Vaduz) gebrochen.

So spielte Eschen-Mauren europäisch: In der ersten Qualirunde für die Europa League trafen die Liechtensteiner auf den FC Hafnarfjördur aus Island und zogen sich achtbar aus der Affäre. Im Kaplakriki-Stadion gab es eine 1:2-Niederlage, zu Hause unterlag die USV mit 0:1. Auch heuer heisst der Cupfinal FCV gegen USV. Im Halbfinal setzte sich Eschen bei Drittligist Triesen mit 11:1 durch.

Neuer Trainer war Schweizer Meister

Ein Spieler, der letzte Saison zweimal gegen den FCW spielte, ist der 22-jährige Verteidiger Justin Seifert. Er wechselte von Balzers, stärkster Widnau-Widersacher im Kampf um den Aufstieg, zu Eschen. Schlüsselspieler sind auch die beiden Muratis: Emir, der seit 2023 beim USV spielt, zieht im zentralen Mittelfeld die Fäden. Medin ist ein spielstarker Mittelfeldakteur, der immer für ein Tor gut ist.

Bendegüz Bence Györky kam 2016 vom ungarischen Club Debrecen via SV Roitham (Österreich) nach Bazenheid. Nach einem Engagement bei Tuggen landete er vor knapp drei Jahren bei Eschen. Am Sonntag, einen Tag vor seinem 32. Geburtstag, dürfte er auf der Aegeten wieder Captain sein. 59-facher Internationaler des Fürstentums ist der 28-jährige Livio Meier. Dem Rheintaler Publikum ist Menderes Caglar ein Begriff. Der 26-Jährige war vier Saisons beim FC Montlingen. «Mendi» ist 16-facher U-Natispieler und ist seit Februar bei der USV. In der Vorrunde gehörte auch Verteidiger Alex Ybrah dazu. Der Eritreer wechselte im Winter zu Altstätten.

Trainer ist seit dem 1. April Patrick Winkler, der Michele Polverino ablöste. Der Teufner hat mit dem FC St.Gallen über 200 Spiele bestritten und wurde 2000 Schweizer Meister. Seinen Assistenten Erik Regtop kennt man im Rheintal bestens.

Die Liechtensteiner rudern in ruhigem Fahrwasser. In den letzten 25 Jahren gab es nur eine Saison, in der die USV die Liga wechselte. 2008 stiegen die Blau-Weissen von der 2. Liga inter in die 1. Liga Classic auf, wo sie seither spielen. Zweimal standen sie in den Aufstiegsspielen zur Promotion League, zogen aber gegen die Basler Black Stars (1:4, 0:3) und Baden (0:5, 3:2) deutlich den Kürzeren. Im Sommer wechselten mit Lirim Shala und Erolind Sylaj (der im Winter zu Besa weiterzog) zwei Spieler von der USV zu Widnau.

2:0 geführt und doch verloren

Am letzten Samstag erlebte Widnau in Mendrisio ein Wechselbad der Gefühle. Zur Pause führten die Rheintaler durch Tore von Shala und Timon Cabezas 2:0. Zehn Minuten danach verkürzten die Hausherren. Widnau musste dem Gegner erst in der 80. Minute das 2:2 zugestehen. Dann wurde es bitter: Bis zum Schlusspfiff gab es zwei weitere Gegentreffer, Widnau musste die Heimfahrt mit einer 2:4-Niederlage antreten.

Trainer Andreas Lüchinger sagte: «Es war ein schwieriges Spiel. Wir standen von Anfang an unter Druck.» Mendrisio war wuchtig und körperlich überlegen, aber Widnau zeigte sich effizient. «Wir hatten zwei Chancen und erzielten zwei Tore», so Lüchinger. Natürlich sei es ärgerlich, 2:0 zu führen und doch noch zu verlieren. «Aber sie hatten letztlich mehr Qualität als wir. Sie zermürbten uns in der zweiten Halbzeit.»

Viele Nackenschläge in letzter Zeit

Co-Trainer Daniel Lüchinger: «Wir bekamen in den letzten Wochen einen Nackenschlag nach dem anderen.» Es sei aber nicht von Pech die Rede: «Es ist eher Unvermögen, wenn man solche Spiele aus der Hand gibt.» Positiv sah er die Konter, die gut gefahren waren und die 2:0-Pausenführung brachten. «Danach folgte ein Standardtor gegen uns. Das kann passieren.» Was ihm nicht gefallen hat, war das Abwehrverhalten: «Die letzten drei Tore, die wir bekamen, waren ein totales Versagen im Defensivverbund. Wir verteidigen teils wie Junioren, das geht in dieser Liga nicht. Das Verteidigen geht im Sturm los und endet beim Torhüter.» Es sei nicht immer die Abwehr schuld, wenn man Tore kassiere.

Am Sonntag fehlen die verletzten Rikard Oroshi und Ceyhun Tüccar. Hakija Canoski, Simeon Weber und Kevin Egbon sind im Aufbautraining. Nach der gelben Karte in Mendrisio ist Stefano D’Amico gesperrt. Fraglich sind zudem die angeschlagenen Shala, Daniel Lässer und Diego Liechti.

Über Eschen sagte Andreas Lüchinger: «Spiele gegen diesen Club sind immer speziell, eigentlich wie ein Derby.» Die Liechtensteiner haben seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen und seit drei Partien nicht mehr getroffen, was sie eher noch unberechenbar macht. «Trotz der letzten Spiele erwarte ich einen guten Gegner. Wir müssen an die Leistung unserer letzten Heimspiele anknüpfen. Dann gewinnen wir.» Daniel Lüchinger: «Es wird kein schönes Spiel. Wir müssen den Gegner über den Kampf in die Knie zwingen. Für uns zählen nur noch Punkte.»