Kultur vor 1 Stunde

Das Theater im Kies entführt das Publikum auf eine packende Reise in die Nachkriegszeit

Was bedeutete es, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Vorarlberg zu leben? Zwischen Hoffnung, Hunger und Besatzung? Diesen Fragen widmet sich das Stück «Riebl eassa, wähla go!» vom Theater im Kies. Am 24. Juni feiert es Premiere.

Von pd
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Die Produktion führt das Publikum als Theaterspaziergang entlang des Alten Rheins bei Altach direkt in die Nachkriegsjahre 1945 und 1946. Statt auf einer Zuschauertribüne zu sitzen, bewegen sich die Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit den Schauspielenden von Station zu Station und erleben Geschichten, Schicksale und historische Ereignisse dort, wo sie hätten stattfinden können.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen

Es sind Schicksale, die von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Nachkriegszeit geprägt wurden: Heimkehrer aus dem Krieg, Familien in Sorge um ihre Angehörigen, Besatzungssoldaten und Menschen, die zwischen Mangelwirtschaft, Schmuggel und Neubeginn ihren Alltag bewältigen mussten.

Dabei greift die Inszenierung historische Ereignisse und reale Schicksale auf: die ersten freien Wahlen nach dem Krieg, das Verhör des Hohenemser Bürgermeisters Egon Ender, die Geschichte einer vertriebenen jüdischen Person auf der Suche nach einer neuen Heimat sowie zahlreiche Begegnungen, die das Leben in der Grenzregion geprägt haben.

Eine Geschichte zwischen Tragik und Hoffnung

Trotz aller Herausforderungen jener Zeit erzählt «Riebl eassa, wähla go!» keine reine Leidensgeschichte. Humor, Lebensfreude und die Fähigkeit der Menschen, selbst in schwierigen Zeiten Zuversicht zu bewahren, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung. Denn neben Mangel und Unsicherheit gab es auch Freundschaften, Feste, erste Liebesgeschichten und den unbändigen Wunsch nach einem Neuanfang.

Das Besondere am Format: Die Gäste wählen bereits beim Kartenkauf ihre Begleitfigur und erleben die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zur Auswahl stehen der französische Besatzungssoldat Pierre, die auf ihren Mann wartende Berta sowie der junge Kriegsheimkehrer Karl. Grundlage der Inszenierung bilden umfangreiche Recherchen zur Besatzungszeit im Grenzraum Vorarlberg, Liechtenstein und Schweiz.

Eine kurzweilige Mischung der Kulturen und Dialekte

Ein besonderes Merkmal der Inszenierung ist ihre sprachliche Vielfalt. Gespielt wird in den unterschiedlichen Dialekten der Rheinregion – von Vorarlberger Mundarten bis hin zu verschiedenen Schweizer Dialekten. Damit spiegelt das Stück jene grenzüberschreitende Lebenswirklichkeit wider, die den Alltag der Menschen entlang des Rheins seit Generationen prägt. Da auch Darstellerinnen und Darsteller aus der Schweiz Teil des Ensembles sind, wird die enge Verbindung der Nachbarregionen nicht nur thematisch, sondern auch auf der Bühne unmittelbar erlebbar.

Auch das Schweizer Rheintal ist stark vertreten

Die Beziehungen zwischen Vorarlberg und der Schweiz spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade in den Jahren nach dem Krieg waren die Kontakte über die Grenzen hinweg für viele Menschen von grosser Bedeutung – sei es durch familiäre Verbindungen, Arbeit, Handel oder gegenseitige Unterstützung.

Für Theater im Kies ist diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit seit seiner Gründung ein zentrales Anliegen. Bereits bei der Produktion «Die Korrektur eines Tunichtguts» stand die Idee im Mittelpunkt, kulturelle Grenzen aufzubrechen und Menschen aus der Region durch ein gemeinsames Theaterprojekt zusammenzubringen.

Mit «Riebl eassa, wähla go!» wird dieser Gedanke konsequent weitergeführt. Langfristiges Ziel von Theater im Kies ist es, auch künftig überregionale Produktionen am Rhein zu realisieren und den gemeinsamen Kulturraum zwischen Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz sichtbar und erlebbar zu machen.

Die Premiere findet am Mittwoch, 24. Juni, beim Kieskopf Altach statt. Weitere Vorstellungen folgen bis Mitte Juli.

Informationen und Tickets unter: www.theaterimkies.at