Die eineinhalb Monate bis zum Eröffnungswochenende sind eine lange Zeit – und doch auch wieder nicht. Nervös ist David Good jedenfalls nicht, ein kleines bisschen angespannt dagegen schon. Der 27-jährige Kletterer ist verantwortlich für die Planung und Umsetzung der rund 150 Routen, die zum Betriebsstart bereitstehen sollen. Jede Route bietet Platz für eine Sportlerin oder einen Sportler mit jeweils einer Person, die sichert.
Das bedeutet, dass Good und sein 20-köpfiges Team aus Helfenden und künftigen Teilzeitangestellten in den nächsten Wochen um die 14 800 Griffe und Elemente in die Wände schrauben müssen. Dies auf eine Hallenhöhe von bis zu 17,5 Metern. «Das bringen wir schon fertig», ist Good überzeugt. «Notfalls lassen wir für den Start lieber eine Route weg, als dass wir etwas Halbherziges abliefern.»
Wichtiger sei für ihn, dass alle Sportlerinnen und Sportler auf ihre Kosten kommen. Von Einsteigern über Fortgeschrittene bis zu schwierigen Routen für die anspruchsvollen Profis soll jeder Schwierigkeitsgrad abgedeckt sein. Der Zeitdruck komme aber nicht nur vom Einrichten der Kletterrouten. «In der Halle wird noch ein spezieller Fallschutzboden verlegt», erklärt David Good.
«Für uns bedeutet das, dass wir zwei bis drei Wochen keine Hebebühne einsetzen und somit nicht schrauben können.» Auch mit dem Anbringen der Griffe sei es nicht getan.
Wir müssen die Routen zuerst noch testen und zur Optimierung allenfalls Elemente versetzen. Das braucht ebenfalls seine Zeit.
Vom Familienhobby zum Routenbau
In der Szene kennt man sich. So kam David Good auch zu diesem Auftrag: Er wurde von den Projektverantwortlichen direkt gebeten, sich zu bewerben, und schloss sich dem achtköpfigen Betreiberteam an. Der gebürtige Grabser ist in Gams aufgewachsen und wohnt heute in Sax. Er klettert, seit er laufen kann. Diese Leidenschaft wurde ihm in die Wiege gelegt: «Auch meine Eltern haben schon immer geklettert. Beide nahmen früher an Wettkämpfen teil.»
Goods eigene Turniervergangenheit war nicht besonders erfolgreich, wie er sagt. Dem Sport blieb er lieber in seiner Freizeit treu, ohne Leistungsdruck und ohne etwas gewinnen oder beweisen zu müssen. Nach einer Ausbildung zum Elektroinstallateur und dem Militärdienst wurde er vor fünf Jahren Verkäufer im Sportgeschäft seines Vaters.
Nebenher hat er immer «geschraubt», wie er es nennt. Das heisst, er hat in Kletterhallen der Region Routen ausgetüftelt und an den Wänden die Griffe montiert. Während andere von Ausflügen in beliebte Kletterparadiese am Mittelmeer oder in den amerikanischen Yosemite-Nationalpark träumen, bleibt David Good lieber in der Region. Er sagt:
Im Rheintal gibt es sehr viele schöne Felsen, wo man klettern kann.
«Ich gehe aber auch sehr gerne in die Bündner Berge oder den Alpstein.» Wenn er und seine Partnerin einmal abschalten wollen, suchen sie sich ein ruhiges Plätzchen in Schweden oder Norwegen. Auf das Klettern müssen sie nicht verzichten. «Dort gibt es eine grosse Auswahl an Routen», sagt Good. «Zudem ist es friedlicher, weil es einfach weniger Leute hat.»
In der Regel kommen Kletterhallen erst ins Spiel, wenn die Sportlerinnen und Sportler keine Möglichkeit haben, im Freien zu klettern. «Die grösste Auslastung haben die Hallen im Winter», sagt David Good. «Im Sommer sind die Leute, wenn möglich, in der Natur und in den Bergen.» Auf die Kletterhallen weicht man als Schlechtwettervariante aus, sie werden über Mittag und zu Randzeiten benutzt oder gezielt für die Schulung oder das Training zwischendurch. Solche Flauten wollen die Betreiber der Kletterhalle Rhiblok mit Rahmenangeboten abfedern.
Kinderecke, Bistro und Schulangebote
Reines Klettern genügt den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Daher befindet sich im Parterre ein Bistro, in dem gesunde Imbisse und Mittagsmenüs angeboten werden. «Nichts Schweres wie Pommes frites, das auf dem Magen liegt», betont David Good. «Es geht mehr in Richtung Gemüse- und Salatteller.» Dank der modernen Ausstattung kann der Gastrobereich auch grössere Anlässe abdecken und bietet genug Platz, um zur Unterstützung ein Catering beizuziehen.
Es gibt einen familienfreundlichen Bereich mit Klettergriffen in Form kleiner Äffchen, eine verspielte Kindererlebniswelt und eine Einstiegswand für Anfänger. Dazu gibt es Überlegungen, zusammen mit Schulen Projektwochen durchzuführen oder den Kindern das Bouldern über Mittag zu ermöglichen. Es könnten Sommer- und Winter-Challenges organisiert werden oder spontan ein Grillabend im Aussenbereich. Die Betreiber sind offen und auch bereit, ihre Angebote zu prüfen, auszubauen oder anzupassen. Man will der Bevölkerung das bestmögliche Erlebnis bieten.
Die «Rhiblok»-Halle ist wettkampftauglich
Bauherr und Initiant ist der Liechtensteiner Alpenverein LAV mit Unterstützung des Landes und der Gemeinden Vaduz und Schaan, die auch den Boden zur Verfügung stellten und je 250 000 Franken bewilligten. Von den 6,7 Millionen Franken Baukosten sind 80 Prozent subventioniert, die restlichen 20 Prozent wurden mit Hilfe von Sponsoren finanziert. Um die Projektentwicklung kümmerte sich ein neunköpfiges Komitee, das sich nun zurückzieht. Der Betrieb wird in die Hände eines achtköpfigen Führungsteams gelegt. Um einen wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen, benötigt eine Halle von der Grösse des «Rhiblok» ein Einzugsgebiet von rund 100 000 Personen, was die Einwohnerzahl von 42 000 Menschen im Fürstentum Liechtenstein bei Weitem übersteigt.
Daher war von Anfang an klar, dass man auch Schweizer und Vorarlberger Kletterinnen und Kletterer ansprechen muss. «Die nächstgelegenen Angebote in St. Gallen, Chur und Näfels liegen zu weit weg, und Dornbirn ist etwas in die Jahre gekommen», sagt David Good. Die Kletterhalle in Sargans stellte den Betrieb 2023 ein und wurde 2024 endgültig geschlossen.
Nicht, weil kein Interesse vorhanden gewesen wäre, sondern weil die Betreiberin in Pension ging und keine Nachfolge fand. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Sparta Bouldering Buchs mit einem Angebot, das man in reduzierter Form auch in der «Rhiblok»-Halle findet. In Vaduz legt man andere Schwerpunkte, sagt David Good: «Bouldern macht bei uns nur etwa zehn Prozent aus. Der Sport gehört einfach zum Grundangebot einer modernen Kletterhalle dazu.» Liechtensteiner Athletinnen und Athleten können an den Schweizer Klettermeisterschaften teilnehmen und Cup-Punkte sammeln, auch wenn ihnen nach Reglement der Schweizer Meistertitel verwehrt bleibt.
Die «Rhiblok»-Halle ist so ausgelegt, dass Swisscups und selbst Europacups in Vaduz stattfinden können. Es gibt genügend Platz für Publikum, die Möglichkeit für Videoaufzeichnungen und auch die Infrastruktur mit einer genormten Beleuchtung erfüllt die Anforderungen an internationale Wettkämpfe. «Damit könnten wir den Sport unterstützen und dessen Bekanntheit fördern», sagt Good.
Das ist vorerst aber nur eine Vision.
Zunächst arbeitet das Team auf die Eröffnung und den Ganzjahresbetrieb hin. Das Konzept werde dann Schritt für Schritt angepasst. David Good bleibt der Halle auch nach der Aufbauphase erhalten. Neben seiner Verkaufstätigkeit im elterlichen Sportgeschäft kümmert er sich in einem 40-Prozent-Pensum darum, dass die Kletterrouten im «Rhiblok» laufend erneuert und umgestaltet werden.
David Good baut 150 Kletterrouten für die neue Rhiblok-Halle in Vaduz