Diepoldsau vor 1 Stunde

Gut besuchte Infoveranstaltung: Biber fordert Hochwasserschutz und Baumschutz heraus

Rund 120 Personen haben kürzlich die Infoveranstaltung der Gemeinde Diepoldsau zum Thema «Biber und Baumschutz an Diepoldsauer Fliessgewässern» besucht.

Von gk
aktualisiert vor 1 Stunde

Wildhüter und Biberexperte Nathan Rudin sowie Claudio Senn, Leiter Betrieb und Unterhalt des Rheinunternehmens, zeigten die Herausforderungen und möglichen Lösungsansätze auf.

Seit den 1970er-Jahren hat sich der Biber in der Schweiz stark ausgebreitet. Bei der letzten Erhebung 2022 wurden im Kanton St. Gallen 425 Tiere gezählt. Inzwischen ist der Biber im ganzen Kanton verbreitet. Als geschützte Tierart fördert er mit seinen Aktivitäten die Biodiversität, verursacht aber gleichzeitig Konflikte.

Nathan Rudin informierte über die Lebensweise des Bibers. Besonders Biberdämme können zu Konflikten führen. Sie sind als wichtige Bestandteile des Biberlebensraums geschützt. Eingriffe in Biberbauten benötigen deshalb eine kantonale Bewilligung. Bei Schäden oder Problemen darf nicht eigenständig eingegriffen werden. Zuständig ist der Wildhüter.

Hoher Aufwand für den Schutz

Für das Rheinunternehmen stellt der Biber eine zunehmende Herausforderung dar. Das Unternehmen ist für den Hochwasserschutz und den Unterhalt der Rheindämme zwischen Bad Ragaz und St. Margrethen zuständig und beschäftigt rund 25 Mitarbeitende. Biberbauten in den Fliessgewässern, eingestaute Drainageleitungen oder angenagte Bäume verursachen zusätzlichen Aufwand.

Das Rheinunternehmen unterhält rund 300 Hektaren Wald. Viele Bäume sind ökologisch wertvoll und sollen erhalten werden. Zum Schutz kommen unter anderem Drahtgitter oder eine spezielle Biberschutzpaste zum Einsatz, die mit Quarzsand versetzt wird. Allein der Baumschutz ist arbeitsintensiv und teuer. Eine weitere Gefahr droht von unterirdischen Biberbauten. Die oft meterlangen Tunnel und Wohnhöhlen sind von oben unsichtbar. Befinden sich diese unter Wegen oder Wiesen, besteht Einsturzgefahr. Claudio Senn schätzt die jährlichen Kosten für Baumschutz und weitere Massnahmen gegen den Biber auf rund 250'000 Franken, Tendenz steigend.

Zunächst wird der Biber toleriert

«Wir müssen immer wieder abwägen, welche Massnahmen personell und finanziell möglich und sinnvoll sind», erklärte Claudio Senn. Das Rheinunternehmen und der Kanton gehen dabei stufenweise vor: Zunächst soll der Biber möglichst toleriert werden. Wo nötig, wird versucht, ihn zu lenken, einzuschränken oder zu vergrämen. Die Entnahme eines sogenannten Problembibers bildet die letzte Eskalationsstufe. Dazu kam es bisher noch nicht und ist auch nicht angedacht.

Der Biber ist nach dem eidgenössischen Jagdgesetz geschützt. Eine eigenmächtige Jagd oder Tötung ist verboten. Nachgewiesene Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen sowie bestimmten Infrastrukturen können unter den gesetzlichen Voraussetzungen entschädigt werden.

Neue Bestandserhebung im Winter

Im kommenden Winter wird der Biberbestand erneut erhoben. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie sich die Population entwickelt hat und wichtige Grundlagen für den künftigen Umgang mit dem Biber liefern.

Die Informationsveranstaltung in Diepoldsau machte deutlich: Der Biber ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gewässerökosysteme, stellt die Verantwortlichen aber gleichzeitig vor neue Herausforderungen. Gefragt sind deshalb Lösungen, die den Schutz des Bibers berücksichtigen und gleichzeitig den Hochwasserschutz, wertvolle Bäume sowie die Sicherheit und Nutzung der Gewässerbereiche gewährleisten.