Widnau 16.06.2026

Deep Purple trifft auf Zäuerli am musikalischen Brunch des Kulturvereins

Der Kulturverein lud zum Appenzeller Brunch mit dem Trio Anderscht. Dabei traf Hardrock auf traditionelle Appenzeller Musik mit Hackbrett, Kontrabass und Juchzern. Oder halt eben: gewohnt «Anderscht».

Von Susi Miara
aktualisiert am 16.06.2026

Was haben Deep Purple, Carlos Santana, Paul Desmond und ein Appenzeller Zäuerli gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch beim Appenzeller Brunch des Kulturvereins Widnau gelang dem «Trio Anderscht» am Sonntag das Kunststück, all diese musikalischen Welten auf faszinierende Weise miteinander zu verbinden. Das «Trio Anderscht» bewies eindrucksvoll, dass das Hackbrett weit mehr sein kann als ein traditionelles Volksmusikinstrument.

Mit Virtuosität, Spielfreude und erstaunlicher stilistischer Offenheit nahmen Andrea Kind und Fredi Zuberbühler an den Hackbrettern sowie Raffael Bietenhader am Kontrabass das Publikum mit auf eine musikalische Reise, die von Appenzell über Bulgarien bis nach Lateinamerika führte.

Swing, Rock, Klassik mit Blick ins Appenzell

Besonders eindrücklich gelang dies beim Stück «Deep Sitter», in dem sich ein traditionelles Appenzeller Zäuerli überraschend mit Klängen der Rocklegende Deep Purple verband. Was auf dem Papier gewagt klingt, verschmolz auf der Bühne zu einem ebenso originellen wie mitreissenden Klangerlebnis. Begeisterung löste auch «Siebenalp» aus, eine Komposition mit Einflüssen aus Bulgarien. Der rasante 7/16-Rhythmus verlangte den Musikern höchste Präzision ab und löste beim Publikum staunende Gesichter aus.

Swing, Rock, Klassik und immer wieder der musikalische Blick zurück ins Appenzellerland prägten das abwechslungsreiche Programm. Mit «Take Five» von Paul Desmond, dem Latin-Klassiker «Oye Como Va» von Carlos Santana sowie der Eigenkomposition «Lassü» von Andrea Kind zeigte das Ensemble eindrucksvoll seine stilistische Bandbreite.

Seit seiner Gründung im Jahr 2004 gehört das Trio Anderscht zu den innovativsten Formationen der Schweizer Volksmusik. Mit zwei eigens entwickelten fünfoktavigen Konzerthackbrettern und Kontrabass überschreiten die drei Musiker bewusst die Grenzen traditioneller Volksmusik. 

Unverwechselbare musikalische Sprache 

Appenzeller Klangwelten verbinden sich mit Elementen aus Jazz, Blues, Klassik, Rock und Improvisation zu einer unverwechselbaren musikalischen Sprache. Trotz aller Experimentierfreude bleiben die Wurzeln stets hörbar, und genau darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis des Ensembles. 

Passend brachte Kulturvereinspräsident Sven Rieser seine Eindrücke nach dem Konzert auf den Punkt: «Jetzt weiss ich, warum ihr Anderscht heisst.» Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings. Der Anlass musste aufgrund von Unstimmigkeiten in der Nachbarschaft im Restaurant Forum stattfinden. Angesichts des sommerlichen Wetters und der einladenden Atmosphäre hätte sich die Gartenwirtschaft als Konzertort geradezu aufgedrängt. Dem musikalischen Genuss tat dies jedoch keinen Abbruch. (mia)