Fussball vor 6 Stunden

Der FC Rüthi geht mit einem Edelkader ins Übergangsjahr

Nach dem überraschenden fünften Platz in der Saison nach dem Aufstieg folgt beim FC Rüthi der Umbruch: Neun Spieler haben den Verein verlassen, zehn sind neu auf dem Rheinblick, darunter der 28-jährige Ex-Profi Alessandro Kräuchi.

Von Yves Solenthaler
aktualisiert vor 5 Stunden

Ein Grossteil der Abgänge spielte in der vergangenen Saison nicht regelmässig in der Mannschaft von Trainer Granit Bojaxhi. Marco Hanimann und Florian Staub waren vor einem Jahr mit Rüthi aufgestiegen, konnten sich in der 2. Liga aber nicht durchsetzen. Beide kehren nun zur zweiten Mannschaft des FC Au-Berneck zurück.

«Wir hätten alle Spieler gerne behalten», sagt Baumgartner. Einige hätten sich jedoch mehr Einsatzzeit gewünscht, andere wollten fussballerisch kürzertreten, darunter auch Michael Heeb, der über 100 Spiele für Rüthi bestritt. Mit Verteidiger Giuliano Chiavaro, der zu Bad Ragaz wechselt, und Stürmer Kevin Streule, der nach Appenzell zurückkehrt, verliert Rüthi auch zwei bisherige Stammspieler.

Für Streule verpflichtete der Verein mit Simon Gebhart vom SK Brederis einen ebenfalls körperlich robusten Angreifer. Für die Innenverteidigung stösst Altin Jahiji vom FC Schaan zum Team. Er soll mittelfristig auch die Nachfolge von Abwehrchef Argurian Bojaxhi antreten. Der 35-Jährige möchte sein Pensum bereits in dieser Saison etwas reduzieren.

Neuen Spieler mit grossen Tönen angekündigt

In der kommenden Vorrunde wird zudem Robin Sonderegger fehlen. Der Flügelspieler begibt sich auf eine Weltreise. Dennoch ist das Kader deutlich stärker als in der letzten Saison. Der 29-jährige Lobsang Dorjee hat sich in Vorarlberg bewährt, der zehn Jahre jüngere Robin Ruault vom FC Lustenau ist ein Talent, und bei der Verpflichtung des 26-jährigen Isaac Ramalho-Machado von Herisau postete der Verein in den sozialen Medien: «Portugiesische Härte wie Pepe, Übersicht wie Luís Figo». Grösser geht nicht, oder doch: Der Rheintaler Königstransfer dieses Sommers betrifft Alessandro Kräuchi, der letzte Saison mit Tuggen die Aufstiegsspiele zur Promotion League bestritt und mit St. Gallen, Wil und Vaduz 39 Spiele in der Super League und 45 in der Challenge League auf dem Buckel hat. Der 28-Jährige ist durch den Kontakt mit Gabriel Lüchinger zum FC Rüthi gekommen, der früher ebenfalls als Profi gespielt hatte.

Dieses Edelkader lässt vermuten, dass Rüthi den Aufstieg in die 2. Liga interregional anstrebt. Diese Bemerkung weist Sportchef Joël Baumgartner weit von sich: «Der Aufstieg ist 0,0 das Ziel. Der FC Rüthi ist zu klein, um in der 2. Liga interregional zu spielen.» Rüthi sei durch glückliche Umstände zu einem überragenden Spieler gekommen. «Welcher Verein würde dazu Nein sagen?», fragt der Sportchef. Vielleicht einer, der finanzielle Grenzen setzt? «Das machen wir auch, unser Budget ist nach wie vor bescheiden und für FC-Mitglieder transparent.»

Der Umbruch in diesem Sommer leite vor allem einen Übergang ein: Langjährige Leistungsträger wie Argurian und Flamur Bojaxhi, Pascal Zäch und Sven Städler sind über 30-jährig, teilweise hätten sie ihr Karrierenende schon selbst thematisiert: «Wenn sie aufhören, müssen wir aber weiterhin eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen.» In diesem Zusammenhang hebt Heeb die Beförderung von drei A-Junioren in die erste Mannschaft hervor: «David Weber, Janis Kühnis und Beni Feldmann haben sich in der Vorbereitung gut integriert.» Ob sie von Beginn an Spielzeit bekommen, wird sich zeigen, sicher ist die Absicht des Vereins: «Sie sollen ein Teil unserer zukünftigen Mannschaft sein.»

Märchenhafte Zielsetzung: «Top 5 und Heimstärke»

Die offizielle, man kann auch sagen märchenhafte Zielsetzung des Vereins lautet: «Ein Platz in den Top 5.» Um dann doch sportliche Ambitionen anzumelden, ergänzt Baumgartner: «Eine schlechtere Klassierung wäre enttäuschend.» Darüber hinaus wolle Rüthi attraktiven Fussball spielen und eine neue Heimserie starten: Bis zur Niederlage gegen Montlingen im letzten Frühling war Rüthi auf dem Rheinblick fast zwei Jahre lang ungeschlagen.

Als Favoriten auf den Aufstieg sieht Baumgartner den FC Montlingen, die zweite Mannschaft des FC Rapperswil-Jona und Chur. Schaan, das seine Mannschaft ausgewechselt hat, sei schwierig einzuschätzen. Besondere Bedeutung haben erneut die Derbys gegen Montlingen und Au-Berneck sowie neu auch wieder gegen Rebstein. Diese Spiele locken regelmässig viele Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Rheinblick, «und die Leute im Dorf reden über die Spiele gegen die anderen Rheintaler Teams.»

Der erbittertste Rüthner Rivale ist natürlich der Nachbar, der FC Montlingen. Dieses Derby ist seit dem Auftritt von Gabriel Lüchinger im SRF-Fussballtalk «Sykora / Gisler» national bekannt. Der Sieg im Cup gegen Montlingen war letzte Saison einer der grössten Rüthner Siege, allerdings setzte es in der Meisterschaft zwei Niederlagen. «Es wäre schön, wenn wir Montlingen auch in der Meisterschaft besiegen», sagt Joël Baumgartner.

Transfers
Zuzüge: Lobsang Dorjee (Satteins), Beni Feldmann, Janis Kühnis, David Weber (Nachwuchs), Simon Gebhart (Brederis), Alessandro Kräuchi (Tuggen), Velduan Isufi (Sevelen), Altin Jahiji (Schaan), Isaac Ramalho Machado (Herisau), Robin Ruault (FC Lustenau).
Abgänge: Nurdin Abd El Hai, Michael Heeb, Genti Selmani (Rüthi II), Giuliano Chiavaro (Bad Ragaz), Nando Eugster (Rücktritt), Marco Hanimann, Florian Staub (Au-B. II), Jeffrey Keller (Staad), Kevin Streule (Appenzell).