Fussball vor 5 Stunden

Der Fussballer legt die Violine beiseite und leistet einen Assist

Der FC Au-Berneck und Besa St.Gallen trennen sich nach einem lebhaften, ausgeglichenen Spiel mit einem gerechten 1:1. Im Gespräch nach dem Match erfahren wir, dass der Auer Flügel Garret Eppler von zwei Entscheidungen erst eine getroffen hat.

Von Beni Bruggmann
aktualisiert vor 4 Stunden

Beginnen wir mit der Entscheidung, die Garret bereits hinter sich hat. Dazu müssen wir den Fussballplatz verlassen und ins Elternhaus Eppler wechseln. Mutter Maggi stammt aus Peru und liebt den Fussball über alles. Sie ist auch an diesem Nachmittag in Au als Zuschauerin dabei. Vater Martin, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Uni St. Gallen, hat früher Basketball gespielt und ist auch heute noch sportbegeistert. Bewegung gehört zu seinem Leben. Musik auch.

Zehn Jahre als «Musiker»

Ob die Freude an der Musik bei der Wahl des Namens für den Sohn eine Rolle gespielt hat? Könnte sein. David Garrett ist ein berühmter deutscher Geiger und war am 19. Mai 2004, als Garret Eppler zur Welt kam, immerhin schon 24 – und bekannt. Wie dem auch sei: Der kleine Garret bekommt eine Violine, übt und spielt. «Ich habe zehn Jahre Violine gespielt», sagt Garret, «dann habe ich aufgehört.» Diesen Entscheid hat er also gefällt. Der zweite Entscheid gehört in den sportlichen Bereich.

Schnelligkeit ist seine Stärke

Aber schauen wir zuerst dem Fussballer Garret zu. Er spielt beim FC Au-Berneck als Rechtsfüsser auf der linken Seite. Er sagt:

So kann ich mit dem Ball einwärts laufen und mit rechts abschliessen.

In der Torschützenliste dieser Saison wird er mit vier Treffern geführt. Diesmal trifft er nicht, leitet aber das Ausgleichsgoal mit seinem Steilpass auf Ahmed Cetinkaya ein. Er hält seine Position strikt ein, stürmt vorne mit und hilft hinten aus. Ihm ist kein Weg zu weit. Hat er den Ball am Fuss, kommt die Schnelligkeit, seine grosse Stärke, zur Geltung. Mit seinen Antritten lässt er seine Gegenspieler oft stehen. Aber nach zwei, drei erfolgreichen Dribblings scheitert er halt doch gelegentlich am nächsten Gegner.

Da ist nun sein Trainer gefragt. Daniele Polverino sagt:

Garret hat ausgezeichnete Anlagen. Er ist schnell und sucht den Abschluss. Wenn er den Ball hat, dribbelt er oft, sehr gut zwar, aber gelegentlich auch zu lange. Mit einem früheren Zuspiel könnte er dem Team noch mehr nützen.

Dann spürt man leises Bedauern: «Schade. Er fehlt zu oft.»

Im Futsal-Team

Der Grund ist einfach. Garret Eppler spielt auch noch im Futsal-Team Benfica Rorschach. Begonnen hat er in dieser Mannschaft vor drei Jahren. Es spielt in der höchsten Schweizer Liga, und dort sogar in der Finalrunde. Natürlich ist die Schnelligkeit auch dort Garrets Plus. Aber ohne gute Technik gibt es in der Halle nichts zu holen. Das alles gefällt ihm. Er gehört sogar zum erweiterten Kader des Futsal-Nationalteams. Sein Rorschacher Futsal-Trainer Samuel Pinto sagt: «Schade. Er fehlt zu oft.»

Eine Liga höher

Fussball oder Futsal? Die beiden Trainer möchten ihn gern hundertprozentig im Team haben. Diesen Entscheid hat Garret noch nicht getroffen. Aber man spürt eine Tendenz. Er sagt:

Ich möchte es im Fussball schon noch eine Liga höher versuchen.

Im Futsal ist er schon oben.

Die Juniorenzeit erlebt Garret beim FC Rorschacherberg. Er gehört auch zur Auswahl Rheintal-Bodensee. Als Aktiver spielt er bei Rorschacherberg und beim FC Staad, ehe er zu Au-Berneck wechselt. Da ist er nun in seinem zweiten Jahr. Eine Verletzung hat ihn zu einer längeren Pause gezwungen, doch nun ist er wieder voll da. Nach den 90 Minuten gegen Besa findet er doch noch persönliches Steigerungspotenzial. «In Sachen Kondition muss ich mich noch verbessern.»

Hätten gewinnen können

Zum Spiel meint er: «Schade, wir hätten gewinnen können, Chancen dazu hatten wir genug. Allerdings: Der Gegner hat gute Qualität ins Spiel gebracht.» Trainer Polverino sieht es ähnlich:

Wir haben den Start verschlafen, nachher aber genug Chancen zum Sieg gehabt. Das Unentschieden ist gerecht.

Fussball. Futsal. Dazu das Studium in Betriebswirtschaft an der Uni St. Gallen mit dem Abschluss als Bachelor in nächster Zeit – Garret Eppler hat ein volles Programm.