Motorsport vor 1 Stunde

Der Mann, der Michael Schumacher Biberli brachte: Bruno Weder feierte seinen 80. Geburtstag

Bruno Weder, der legendäre Velo- und Motorradmechaniker, durfte am Mittwoch seinen 80. Geburtstag feiern. Wer ihm begegnet, merkt: Der Mann hat in seinem Leben einiges erlebt und weiss viel davon zu erzählen.

Von Elio Crestani
aktualisiert vor 1 Stunde

An der Gmeindstrasse 6 in Diepoldsau betreibt Bruno Weder das älteste Velo- und Töffgeschäft des Rheintals. Wer die modern eingerichtete Werkstatt mit Holzboden und 1950er-Charme betritt, wird von einem älteren, grauhaarigen Herrn freundlich mit einem «Hopp» begrüsst. Und in seinem breiten Diepoldsauer Dialekt hat Weder einiges zu erzählen.

So erinnert er sich etwa: «Der unvergessene Urs Weder, ehemaliger Inhaber des grossen Motorradgeschäfts in Au, hat bei mir seine Stifti als Töffmechaniker absolviert. Auch René Frisch, der sein Geschäft in Berneck an Zweirad Huber übergeben hat und später Honda St.Gallen gründete, hat bei mir gelernt», sagt der Diepoldsauer.

Eine Freundschaft dank einer Leihgabe

In den 1960er-Jahren eroberten japanische Motorräder den europäischen Markt. Schon zu dieser Zeit schraubte der Jubilar nebenbei tatkräftig in der Werkstatt seines Vaters mit. 1966, als der Zürcher Luigi Taveri nach 1962 und 1964 zum dritten Mal Weltmeister in der 125er-Klasse wurde, machte sich Bruno Weder selbstständig.

Und er war ambitioniert, wollte zur Eröffnung seines Geschäftes etwas ganz Spezielles. So fragte er Luigi Taveri, ob dieser ihm seine Fünfzylinder-Honda für eine Ausstellung zur Verfügung stellen könnte. «Ich kannte ihn vorher nicht persönlich», sagte Weder, doch der Zürcher sagte ohne zu zögern zu. Es entstand eine grossartige Freundschaft, die bis heute dauert. Die Kinder von Luigi und Mathilde Taveri, Blanca und Luigi junior, verbrachten jahrelang ihre Schulferien in Diepoldsau. Weder sagt: «Ich bekomme heute noch Hühnerhaut, wenn ich an dieses Vertrauen von Luigi Taveri denke. Seine Fünfzylinder-Honda ist heute Millionen wert.»

Töff-Legende auch auf dem Velo schnell

An der Eröffnung des Einkaufszentrums Rheinpark in St.Margrethen gab es ein Radrennen. Auf einem Rennrad von Bruno Weder gewann dieses Rennen ein gewisser Luigi Taveri. Weder schuf danach in Heerbrugg Grand-Prix-Stimmung. Auf dem Areal der Firma Wild, der heutigen Leica, drehte Taveri, der erste Motorrad-Solo-Weltmeister aus der Schweiz, an einem Samstagnachmittag ein paar Ehrenrunden auf seiner fauchenden Fünfzylinder-Honda.

In den 1970er-Jahren bestritt Bruno Weder auch selbst erfolgreich Motocross-Rennen.
In den 1970er-Jahren bestritt Bruno Weder auch selbst erfolgreich Motocross-Rennen.
Bild: pd

Bruno Weder veredelte indes 1974 eine Honda CB750. Die Weder-Honda hatte einen Stummel-Lenker, einen Solo-Höcker und eine Halbschale. Dazu kam eine spezielle Vier-in-eins-Auspuffanlage, die danach von der Zeitschrift «Moto Sport Schweiz» als schnellstes käufliches Motorrad für den Strassenverkehr vorgestellt wurde. Die Töfffahrer sagten damals, sogar die Kawasaki Z 900 hätte dagegen keine Chance gehabt. Ab Mitte der 1970er-Jahre bestritt Bruno Weder erfolgreich Motocross-Rennen. Und er betätigte sich weiter als Konstrukteur: Paul Weder von der Bernecker Berg-Garage gewann 1975 auf Weder-Yamaha die Schweizer Meisterschaft im Motocross.

Weder begleitete das Wunder von Zeltweg

Später betrat der junge Werner Nenning aus Götzis die Diepoldsauer Werkstatt. Bruno Weder begleitete den jungen Vorarlberger bei einigen Motorrad-GPs und merkte sofort, dass das Fahrwerk der schnellen Zweitakt-Yamaha OW35 750 zu schwach war. «Es schwaderte bei Vollgas so stark, dass man sogar auf der Geraden vom Gas musste», sagt der Diepoldsauer lachend. Und konstruierte eine ultraleichte Gabelbrille, die diesem Problem Herr wurde.

Danach geschah das Wunder von Zeltweg. Der mittlerweile 24-jährige Walter Nenning gewann auf der Weder-Yamaha bei Regen auf dem Österreichring beide Rennen der Formel-750-Weltmeisterschaft – vor den Werkteams. Nenning ist bis heute der Einzige, der an einem Tag beide WM-Läufe dieser Serie gewinnen konnte. Auch für Bruno Weder war dies ein riesiger Erfolg.

2002 besuchte Weder den siebenfachen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Dieser kickte damals für den Schweizer Amateur-Fussballverein FC Echichens in der Westschweiz und der Rheintaler brachte ihm Appenzeller Biberli, eine Spezialität, die der Rekordweltmeister nicht kannte. Das Foto, das Bruno Weder und Michael Schumacher zeigt, ging später um die Welt und erschien auch im «Blick».

Fans suchen bei Bruno Weder nach Rat

Bruno Weders Geschichte dauert bis heute an, auch seine historische Werkstatt in Diepoldsau gibt es immer noch. Wie damals gehen auch heute noch Gross und Klein bei Bruno Weder ein und aus. Ein besonderes Herz hat der Jubilar für die Kinder mit ihren kleinen Velos – und auch Rasenmäher hat er im Angebot. Die grösste Leidenschaft sind aber die alten Motorräder. Josef Wüst vom Diepoldsauer Team Wüst Motorsport sagte: «Sogar aus Deutschland reisen Töfffahrer an, um Bruno Weder nach Rat für ihre Oldtimer zu fragen.»

Noch heute ist Bruno Weder sehr gern in seinem selbst restaurierten Honda 800 Cabrio unterwegs.
Noch heute ist Bruno Weder sehr gern in seinem selbst restaurierten Honda 800 Cabrio unterwegs.
Bild: pd

Wenn es die Zeit zulässt, unternimmt Bruno Weder noch heute gern Ausfahrten im Rheintal. Dies macht er gern mit seinem selbst restaurierten Honda 800 Cabrio. In einem ähnlichen Modell dominierte der 80-Jährige zum Ende der 1960er- und zu Beginn der 1970er-Jahre auch die lizenzfreien Automobilslaloms der Region.