«Die Vereine aus den Bundesländern ganz im Westen und ganz im Osten haben im Männerfussball noch nie einen grossen Titel gewonnen», hiess es während der ersten Halbzeit in der TV-Übertragung des Cupfinals. Der Sportclub Rheindorf Altach hatte am Freitag die Gelegenheit, dies zu ändern. Im Endspiel ging es gegen den Linzer Athletik-Sport-Klub, der auf dem Papier Favorit war. Während Altach sich in der Liga gegen den Abstieg wehrt, spielt der LASK auch in der Meisterschaft um den Titel.
Im Stadion waren die Linzer unter den 22'000 Fans in deutlicher Überzahl. Aus Vorarlberg fand zwar eine Völkerwanderung an den Wörthersee statt, doch Linz liegt viel näher an diesem – die Altach-Fans mussten 550 Kilometer zurücklegen, die Linzer nur rund 250 –, was sich dann auch zeigte. Dennoch war die Stimmung auf beiden Seiten gut und die Fankurven eröffneten das für sie historische Spiel mit sehenswerten Choreografien.
Frühe zwei Tore – je eines pro Team
Die Altacher legten danach los wie die Feuerwehr und gingen nach fünf Minuten in Führung. Nach einem weiten Einwurf bis vor das Tor gelangte der Ball zu Patrick Greil, der mit einem satten Abschluss zum 1:0 traf. Die Freude war aber nur von kurzer Dauer, denn die Linzer glichen in der zehnten Minute aus. Nach einem einstudierten Spielzug kam die Kugel zu Moses Usor, der den Ex-St.Galler Dejan Stojanovic im Altacher Tor bezwang. Kurz später wurde dem LASK ein Tor zu Recht wegen einer Abseitsposition aberkannt.
In Führung gingen wieder die Vorarlberger: Greil bediente Vesel Dermaku, der in der 30. Minute mit einem schönen Abschluss das 2:1 erzielte. Dabei blieb es bis zur Pause, obwohl die Linzer in der letzten Viertelstunde viel Druck machten. Sie konnten die vielen Standardsituationen aber nicht nützen. Auch nach der Pause hatten die Oberösterreicher die erste Chance, doch Stojanovic machte gegen den etwas überraschten Nationalstürmer Sasa Kalajdzic seinen Fehler von zuvor wieder gut und parierte bravourös.
Spektakuläres Tor zum Linzer 2:2
Kalajdzic wiederum rehabilitierte sich in der 66. Minute für seinen Fehler. Nach einem weiten Ball des Torhüters leitete der grossgewachsene Stürmer die Kugel aus der Luft auf Samuel Adeniran weiter, der sie volley nahm und mit einem sehenswerten Schuss das 2:2 erzielte. Es war ein sehr schönes Tor, wobei Kalajdzic seine Mannschaftsdienlichkeit erneut unter Beweis stellte. Danach übernahmen die Linzer das Zepter und drückten auf den dritten Treffer.
Aber auch Altach suchte die Entscheidung. Nach einem Missverständnis in Linz’ Abwehr kam der SCRA zu einer Ecke und Captain Lukas Jäger kam zum Kopfball. Dieser gelang gut, er fand im Linzer Torhüter aber seinen Meister (79. Minute). Nun wurde das Spiel nervöser, wobei den Spielern anzusehen war, dass sie schon viele Kräfte verbraucht hatten. Immer wieder gab es Unterbrüche wegen Krampferscheinungen. Doch die Entscheidung über den Titel stand über alledem und die Trainer hatten noch Auswechslungen zur Verfügung.
Entscheidung in der Verlängerung
Dann wurde es dramatisch: Altach stand aussergewöhnlich hoch und die Linzer kamen zu zwei Möglichkeiten. Bei einer köpfte Adeniran den Ball in der 93. Minute ins Tor, doch wie in der ersten Hälfte zählte sein Treffer nicht, weil der Stürmer hauchdünn im Abseits stand. Der LASK-Trainer, die österreichische Fussballlegende Didi Kühbauer, jubelte und war schon fast in die Mitte des Spielfelds gerannt, ehe er merkte, dass das Tor nicht galt. Damit war das Pulver für die reguläre Spielzeit verschossen und es ging in die Verlängerung.
Auch diese begann mit vielen Unterbrüchen und weiteren Wechseln. Doch dann legte der Linzer ASK eine Schippe drauf und entschied das Spiel mit einem Doppelschlag für sich. In der 101. Minute war es George Bello, der mit einem Dropkick das 3:2 erzielte. Und nur wenig später war es Adeniran, der mit seinem zweiten zählenden Treffer des Vorabends das 4:2 für die Linzer erzielte. Damit war die Partie entschieden. Zumal Altachs Marlon Mustapha in der 108. Minute mit der roten Karte vom Platz flog.
In Unterzahl und mit einem Zwei-Tore-Rückstand war für Altach dann nichts mehr zu machen. Die Altacher dürfen aus diesem Spiel mitnehmen, eine beherzte Leistung gezeigt zu haben, das wird sie aber kaum interessieren. Denn sowohl sie wie auch das Bundesland Vorarlberg bleiben für mindestens ein weiteres Jahr titellos.
Der SCR Altach verpasst den Cup-Coup in der Verlängerung