In Widnau in die Runde der besten acht Teams zu starten, war schon vor einem Jahr das Ziel der Gators. Sie erreichten es und schlugen dann das in einer engen Tabelle überraschenderweise nur auf Rang fünf klassierte Bassersdorf Nürensdorf (UBN) in den ersten zwei Viertelfinalspielen. Ein Jahr nach dem Finaleinzug schien es, dass die Gators abermals einen grossen Gegner aus dem Weg räumen könnten. Doch es kam anders. UBN drehte auf, und UBN drehte die Serie. Am 22. Februar gewannen die Zürcher in Widnau 10:2 und qualifizierten sich mit einem 3:2-Sieg in der Serie für den Halbfinal.
Die Saison des Gators-Fanionteams endete abrupt, obwohl dem 2:10 kein höherer Wert beigemessen werden muss: Die Rheintaler riskierten alles, am Ende ging es nicht auf. Ob man 9:10 oder 2:10 verliert, spielt keine Rolle, die Saison ist so oder so vorbei. «Das Ausscheiden hat geschmerzt, aber wir haben es rasch abgehakt», sagt Gators-Sportchef Simon Köppel. «Der Blick geht nach vorne. Wir haben uns im Sommer gefragt, was wir besser machen können, und haben daran gearbeitet.»
Auch das 8:2 darf nicht überbewertet werden
Mit der langen Vorbereitung auf die Saison – sie dauert stets mehrere Monate – ist Köppel zufrieden. Einen Höhepunkt im Sommer gab es, als die Gators im Cup im Juni das NLB-Team Pfannenstiel Egg mit 8:2 besiegten. «Der Gegner war im Umbruch und hatte noch kein vollständiges Kader. Das Resultat ist schwierig einzuordnen, denn wir hatten uns im Vorfeld durchaus Chancen ausgerechnet, obwohl Pfanni höher spielt», sagt Köppel.
Start gegen Frauenfeld und ein NLB-Topteam
Zum Auftakt wartet bereits die erste Doppelrunde in Widnau auf die Gators. Am Samstag treffen sie um 20 Uhr auf die Red Lions Frauenfeld. Der Auftakt verspricht viel Spannung. Die Red Lions qualifizierten sich letzte Saison knapp für die Playoffs und erlebten eine Serie, die jener der Gators verblüffend ähnelt: Auf zwei Siege zum Auftakt folgten drei Niederlagen, die das bittere Ausscheiden bedeuteten. Der Blick auf die Duelle der jüngeren Vergangenheit stimmt die Gators-Fans für den Samstag positiv: Die letzten beiden Begegnungen mit den Frauenfeldern entschieden die Rheintaler mit 6:2 und 6:3 für sich.
Am Sonntag, 17 Uhr, wartet ein anderes Kaliber: Mit Thun reist ein etablierter Vertreter aus der Nationalliga B ins Rheintal. Thun hat letzte Saison den Aufstieg in die NLA hauchdünn verpasst, indem es im entscheidenden Aufstiegsspiel an Floorball Chur aus der höchsten Liga scheiterte. Der Blick in die Vergangenheit ist weniger verheissungsvoll als jener für den Samstag. In der Saison 2023/24 trafen die Rheintaler im Cup schon einmal auf die Berner Oberländer und mussten sich deutlich mit 2:13 geschlagen geben. Wie gefährlich und physisch präsent der oberklassige UHC Thun ist, bekam im 1/32-Final Floorball Uri zu spüren: Der Ligakonkurrent der Gators wurde von den Thunern mit 2:10 deklassiert. (nil)
Die Zeit bis zu den Sommerferien verbrachten die Gators mit Hallentraining, mitunter geleitet von einer Athletiktrainerin. Dann waren die Hallen geschlossen; die Spieler trainierten individuell oder trafen sich für andere Aktivitäten. Danach ging das Training normal weiter, das Pensum war nicht höher als während der Saison – anders war nur, dass es kaum Spiele gab, dafür aber viel Schwitzen im Kraftraum auf dem Plan stand. Viele Testspiele haben die Gators nicht absolviert, es gab nur zwei Cupspiele sowie einen Test gegen den aus der NLB abgestiegenen neuen Ligakonkurrenten Davos-Klosters. Die Gators verloren jenen knapp. Köppel sagt: «Uns hilft dieses Spiel als gute Orientierung. Wir müssen weiter hart arbeiten, es wird uns nichts geschenkt.»
Die Breite im Kader stimmt Köppel positiv
Obwohl das 8:2 gegen Egg und das 19:1 gegen Viertligist Muttenz-Pratteln nicht überbewertet werden dürfen, waren es aufschlussreiche Spiele. Die Gators wissen, dass die offensive Last auf viele Schultern verteilt werden kann. Dies ist wichtig, denn sie haben mit den Abgängen von Ondrej Hlinovsky (29 Skorerpunkte) und Lukas Veltsmid (22) statistisch Power eingebüsst. Ligaweit belegten sie die Ränge acht und 29 der Skorerliste.
Die Nummer eins ist aber geblieben: Lasse Paus erzielte letzte Saison 28 Tore und gab 19 Assists; er sammelte elf Punkte mehr als sein erster Konkurrent. Weiter auf ihn zählen zu dürfen, ist für die Rheintaler sehr wichtig. Paus ist erst 21-jährig, aber bereits eine Leaderfigur des Teams. Ebenso wichtig sind Klasse und Konstanz auf der Torhüterposition. Auch dank dem starken Duo mit Marco Hutter und Andrin Schmid stellten die Gators letzte Saison die beste Defensive der Liga, was dem Team Sicherheit gibt.
Dieses hat sich im Sommer wenig verändert. Neben den Abgängen der beiden Tschechen sind Joel Stieger, Balz Marti und Jerome Huwyler nicht mehr dabei; verletzt fehlen zurzeit Pascal Frei, Rjano Ryser sowie Jens Aerni, und Tim Blaser ist in der RS. Mit Patrik Tobler, der Erfahrung aus Finnland und der NLA mitbringt, und Joel Conzett (von Herisau) stossen zwei starke Spieler zu den Gators. Sonst bleiben sie ihrer Linie treu, junge Spieler ins Fanionteam einzubauen. Luan Köppel, Kirill Meister und Lino Rieser bekommen die Chance, sich auf dieser Stufe zu beweisen – und haben im Cup bereits Duftmarken gesetzt. Weitere Änderungen betreffen den Staff: Martin Ostransky steigt in seine dritte Saison als Headcoach der Gators – er wird in dieser neu von Marco Kipfer, der auch die Academy des Vereins leitet, assistiert. Komplettiert wird der Staff mit dem neuen Teammanager Andreas Rutz und der erfahrenen Physiotherapeutin Marion Rohrer.
Mit diesem Personal soll es gelingen, auch in der Saison 2026/27 die «Top 4» zu erreichen. Im Playoff ist dann alles offen – wobei dies immer vom Gegner abhängt. In den letzten drei Jahren sind die Gators stets sehr knapp gegen jenes Team ausgeschieden, das danach in die NLB aufgestiegen ist. Auch in dieser Saison wollen die Gators wieder allen Gegnern das Leben schwer machen – angefangen mit Frauenfeld und Thun an diesem Wochenende.
Die Gators starten zuversichtlich: «Der Blick geht nach vorne»