Fussball vor 45 Minuten

Die Winterthurer U21 ist Widnaus nächster Heimspielgegner

Am Sonntag, 14 Uhr, trifft der FC Widnau auf die U21 des Challenge-League-Clubs FC Winterthur. Die Rheintaler haben nach fünf Spielen zwei Punkte und streben auf der Aegeten den ersten Saisonsieg an.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 36 Minuten

Letzte Saison verlor Widnau das Spiel auf dem Kunstrasen der Schützenwiese an einem kühlen Novemberabend mit 2:4. Winterthur legte bis zur 30. Minute zwei Tore vor. Das Anschlusstor durch ein Eigentor beantworteten die Rot-Weissen postwendend mit dem 1:3. Das 1:4 aus Widnauer Sicht war die endgültige Entscheidung. Stefano D’Amico gelang tief in der Nachspielzeit mit dem 2:4 noch Resultatkosmetik.

2:1-Sieg der Widnauer vor dreieinhalb Monaten

An das Rückspiel hat Widnau hingegen gute Erinnerungen: Am 23. Mai gewannen die Rheintaler 2:1. Es war ein enorm wichtiger Sieg im Fernduell mit dem SV Höngg gegen den Abstieg. Bei sommerlichen Temperaturen ging Widnau durch Daniel Lässer kurz vor der Pause in Führung. Und es kam noch besser: Das Lüchinger-Team machte nach der Pause ordentlich Druck, und D’Amico verwertete nach 62 Minuten einen Pass von Lässer zum 2:0. Zehn Minuten vor Schluss gelang Alisan Morina, der auch im aktuellen Kader der Winterthurer steht, das 2:1. Widnau brachte die Führung mit einem Mann weniger – Lässer wurde kurz vor Schluss mit Gelb-Rot vom Platz gestellt – über die Ziellinie.

In den dreieinhalb Monaten seit dem letzten Duell hat sich bei beiden Teams einiges getan. Bei Widnau sind fünf Akteure nicht mehr dabei, und bei Winterthur gab es, wie bei einer U21 üblich, einige Mutationen. Doch das Kader der Zürcher hat weiterhin sehr viel spielerische Qualität. Die U21 könnte für einige Kicker das Sprungbrett zu den Profis sein – wie bei Manuel Akanji oder Steven Zuber.

Ein Name im aktuellen Kader fällt besonders auf: Elijah Ifeanyichukwu Okafor. Der technisch und läuferisch starke 22-Jährige ist der Bruder des Nati- und Leeds-Spielers Noah Okafor. Auch der dritte Okafor, Isaiah, ist Fussballer: Er spielt bei Wil in der Challenge League. Elijah Okafor durchlief die Juniorenabteilung des FC Basel, wechselte dann zu Paderborn, wo er in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Nach Abstechern zu Biel und Lugano II spielt er seit Februar 2026 in Winterthur. Er stand auch beim 2:1-Sieg des FCW im Mai auf dem Rasen.

Deutscher A-Junioren-Meister und Pokalsieger

Auch Ersatztorhüter Silvan Heierli kennt die Aegeten aus Interregio-Zeiten: Er war für eine Saison Stammkraft bei Dardania. Die Nummer eins ist Paul Julius Zielke. Der schweizerisch-deutsche Doppelbürger begann bei Schaffhausen und holte sich in Radolfzell, Hoffenheim und Ulm weiteres Goalie-Rüstzeug. Bei den A-Junioren des TSG Hoffenheim räumte Zielke ab: Der 19-Jährige gewann dort die deutsche Meisterschaft und den Pokal. Eine Mutation gab es auf dem Cheftrainer-Sessel: Luigi De Donno ersetzte den 24-fachen Schweizer Nationalspieler Mario Cantaluppi.

Diverse Winterthurer haben bereits einige U-Länderspiele für die Schweiz auf dem Buckel: etwa Captain Ezequiel Meili, Thierry Diethelm, Diego Macello und Kelvin Pinto da Silva. Auf diese Spielzeit hin stiess der 18-jährige Johann Kramer zum Team. Der 195 Zentimeter grosse Stürmer erzielte bislang zwei der sechs Winterthurer Saisontore. Ebenfalls zweimal erfolgreich war Patrick Gjidoda. Er ist der Teamsenior. Alle Kaderspieler sind unter 20 Jahre jung, Gjidoda hingegen hat die 30er-Marke bereits überschritten. Er hat langjährige Erstligaerfahrung: Unter anderem war er bei Schötz, Solothurn, Buochs und Kriens engagiert.

Aktuell liegen die Winterthurer Reserven auf Rang zehn. Sechs Punkte gab es aus den bisherigen fünf Spielen – und alle waren recht knapp: ein 2:0 gegen Thalwil, ein 2:1 gegen Mendrisio, je eine 1:2-Niederlage in Baden und bei Kosova sowie ein 0:1 am letzten Samstag bei Collina d’Oro.

FC Widnau mit Punktgewinn im Tessin

Widnau war am letzten Samstag im Stadio Lido an den Gestaden des Lago Maggiore in Locarno zu Gast und kehrte beim 0:0 mit einem Punkt im Gepäck mitten in der Nacht ins Rheintal zurück. «Ich habe ein gutes Spiel unseres Teams gesehen», sagt Widnaus Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger. «Das Geschehen war sehr ausgeglichen. Eigentlich müssten wir in der ersten Halbzeit durch eine Hundertprozentige von D’Amico in Führung gehen.»

Er sprach jene Szene an, als den Locarnesi ein Fehlpass in der eigenen Platzhälfte unterlief und der Widnauer allein vor Goalie Aleandro Prati stand. Dieser vereitelte die Chance mit einer Parade, bei der er Kopf und Kragen riskierte. Trainer Andreas Lüchinger sah es ebenso: «Wir haben eine starke erste Halbzeit gespielt, nur hat sich dies nicht im Resultat gezeigt.» Daniel Lüchinger fügt an: «In der zweiten Hälfte hätten wir zwei oder drei Konter besser fahren müssen.»

Glück war kurz vor Schluss gegen Locarno

In der Schlussphase kamen die Gastgeber besser ins Spiel und hatten vier Minuten vor Abpfiff eine Riesenchance: Stürmer Stéphane Thierry Zobo übernahm einen Abpraller alleine vor Goalie Ilija Kovacic, setzte den Ball aber in den Tessiner Nachthimmel. «Da hatten wir Glück», sagt Andreas Lüchinger. «Der Auftritt hat gepasst. Wir waren sehr kompakt und defensiv sehr stabil. Dazu ist es im Tessin nie einfach zu spielen. Daher bin ich mit dem Punkt zufrieden», so Daniel Lüchinger.

Nun steht die Aufgabe «Winterthur U21» vor der Türe. Den Rheintalern fehlen die verletzten Noah Thönig und Tobia Walt sicher, Oliver Neumann ist mit einer Kopfverletzung fraglich. Auch Lirim Shalas Einsatz ist nicht sicher. Er hat sich in Locarno am Fuss verletzt.

«Winterthur ist eine Auswahlmannschaft; schnell, technisch und spielerisch sehr stark», sagt Andreas Lüchinger. «Wir wissen aber, wie man sie bezwingt», so der Trainer mit einem Augenzwinkern. Mit einem Sieg könnte der Platz unter dem Strich mit einer anderen Mannschaft abgetauscht werden. Dass Winterthur mit einer konzentrierten, starken Leistung schlagbar ist, hat Widnau schon gezeigt: am 23. Mai dieses Jahres.