Elektrifizierung  26.08.2026

Durch die Strassenbeleuchtung kam der Strom nach Walzenhausen

Das Licht als Strassenbeleuchtung begann mit Petrollampen. Dann hielt die Elektrizität Einzug, nachdem am 30. August 1906 und damit vor 120 Jahren die «Elektrische Kraft- und Lichtversorgung Walzenhausen AG» gegründet worden war.

Von Isabelle Kürsteiner
aktualisiert vor 5 Stunden

Derzeit erstellt die Elektra Walzenhausen im Gaismoos einen Neubau. Dass überhaupt Elektrizität in Walzenhausen eingeführt wurde, ist in erster Linie auf die Umrüstung der Strassenbeleuchtung von Petrollampen auf elektrisch betriebene Lampen zurückzuführen. Dabei machte die Elektrizität gegenüber dem Gas das Rennen, wobei die Gemeinde an beide neuen Energiequellen angeschlossen wurde. Die «Strassenbeleuchtungskorporation Dorf-Gütle» wurde 1897 vom Gemeinderat mit einem Betrag von 100 Franken unterstützt. Licht in die Dunkelheit brachten damals Petrollampen.

Das Amt des Lampenanzünders, so ist in der «Chronik der Gemeinde Walzenhausen» nachzulesen, war nicht sonderlich beliebt. Jeden Abend mussten auf einer langen Leiter auch die Gläser geputzt und Petroleum nachgefüllt werden.

Das 1902 erstellte Gaswerk in St. Margrethen lud ein Jahr später zu einem von Gemeindehauptmann Reinhard Kellenberger organisierten Vortrag über «Steinkohlengasbeleuchtung» ein. Deren Einführung wurde daraufhin gemeinsam mit Lutzenberg beschlossen.

Rheintaler Kraftleitung mit Folgen

Nachdem die «Elektrische Kraftversorgung Bodensee-Thurtal AG» – heute SAK (St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG) – zur gleichen Zeit eine Leitung ins Rheintal zog, eröffnete sich die Möglichkeit, eine elektrische Beleuchtung zu realisieren.

Nach Prüfung einer Offerte aus Bregenz, deren Verfasser sich für eine Stromlieferung vom Werk an der Bregenzer Ach empfahl, entschied man sich in Walzenhausen für die Zusammenarbeit mit der schweizerischen Gesellschaft. Der Energielieferungsvertrag wurde am 15. Januar 1907 abgeschlossen, nachdem am 30. August 1906 die «Elektrische Kraft- und Lichtversorgung Walzenhausen AG» gegründet worden war. 

Als Erstes hatte die Gesellschaft die Bergstation der Drahtseilbahn elektrisch beleuchtet. Ab 1907 erfolgte der Bau von Gasleitungen, wobei die Elektrizität den Wettlauf als Beleuchtungsenergie bereits für sich entschieden hatte. Von Walzenhausen aus erfolgte ab 1909 die Erschliessung von Büriswilen, das zum Innerrhoder Bezirk Oberegg gehört. Damit handelte es sich um ein kantonsübergreifendes Projekt.

Lachen fuhr ein elektrisches Extrazüglein

Ein elektrisches Extrazüglein fuhren die Lächler. Bereits 1902 befasste sich die Lesegesellschaft Lachen mit elektrischem Strom. Als jedoch die Weiterführung der Leitung vom Dorf nach Lachen als zu aufwendig eingestuft wurde, gründeten die Lächler die «Aktiengesellschaft Licht und Kraft Lachen». So kam die Elektrizität nach Lachen, wo die Stromversorgung ab 1908 funktionierte. Die grossen Materialkisten deponierte das junge Unternehmen im durch den Bau des neuen Schulhauses frei gewordenen Arbeitsschulzimmer. Dies sehr zum Missfallen des Gemeinderats, der Beschädigungen am Raum im alten Schulhaus befürchtete und sofort einen wöchentlichen Mietzins von drei Franken forderte.

Das elektrische Eigenleben von Lachen dauerte dreissig Jahre. 1938 wurde die Aktiengesellschaft zum Preis von 35 000 Franken von der Gemeinde übernommen, nachdem die SAK im Jahr 1921 eine Hauptleitung bis nach Lachen erstellt hatte.

Seit 1938 ist die Elektrizität Sache der Gemeinde

Im April 1934 reichte Carl Walter Kellenberger eine Initiative ein, die den Gemeinderat aufforderte, Schritte für den Kauf der «Elektrischen Kraft- und Lichtversorgung Walzenhausen AG» zu unternehmen. Nach jahrelangem Seilziehen um den Preis willigten die Stimmbürger am 28. April 1938 und die Aktionäre am 18. Juni 1938 ein. Seither ist die Elektrizitätsversorgung Sache der Gemeinde. Die «Strassenbeleuchtungskorporation Dorf-Platz» löste sich am 23. März 1942 auf.