Rebstein 16.06.2026

Ein Abend über Vergänglichkeit oder die Unbeständigkeit des Lebens

«Glück ist flüchtig, kaum zu fassen» hiess der Titel des Konzerts des Kulturformats «Sonntags 5nach5» in der katholischen Kirche Rebstein.

Von Theodor Looser
aktualisiert am 16.06.2026

Zu Kammermusik und berührenden Texten lud das «Ensemble Reno» ein, rund um Sabine Winter, eine grossartige Konzertsängerin und Operndiva. Ihr zur Seite standen die Cellistin Magdalena Reisser, der Geiger Klaus Nerdinger und der vielseitige Pianist Martin Gallez. Ihren äusserst professionellen und abwechslungsreichen Auftritt eröffneten die vier Künstler mit dem passenden Lied «Süsse Stille, sanfte Quelle» von G. F. Händel.

Das Ensemble Rheno mit Klaus Nerdinger (von links), Sabine Winter, Magdalena Reisser und Martin Gallez.
Das Ensemble Rheno mit Klaus Nerdinger (von links), Sabine Winter, Magdalena Reisser und Martin Gallez.

In ihrer Begrüssung thematisierte Sabine Winter den Titel des Konzerts mit Betrachtungen über die Vergänglichkeit von Thomas Mann. «Alles, was existiert, ist in ständigem Wandel begriffen. Ist daher echtes Glück überhaupt möglich, wenn alles vergänglich ist? Vergänglichkeit ist die Seele des Seins, verleiht allem Leben Wert, Würde und Interesse», so der Dichter.

Auch Musik ist vergänglich, aber sie ist auch gegenwärtig, wie Magdalena Reisser mit dem Cello und Martin Gallez am Klavier dem Publikum mit der Sonate von Antonio Vivaldi lebhaft demonstrierten.

Jetzt statt Vergänglichkeit

Bei der Sonate von J. S. Bach liessen Sabine Winter mit der Querflöte, Klaus Nerdinger mit der Geige und Martin Gallez an der Truhenorgel die musikalisch-süsse Vergänglichkeit des Seins erklingen. Es folgten Texte von Eckhart Tolle, einem spirituellen Lehrer und Autor. Geboren 1948, hatte er nach eigenen Aussagen 1977 eine Erleuchtungserfahrung.

Ein Abend über Vergänglichkeit oder die Unbeständigkeit des Lebens

Statt auf die Vergänglichkeit richtet er sein Augenmerk auf das Jetzt. «In dem Augenblick, in dem wir mit unserer Aufmerksamkeit in das Jetzt eintreten, stellt sich Wachheit ein, wird uns klar, dass das Leben heilig ist.» Mit dem Stück «Meditation» von J. Massenet zauberten Klaus Nerdinger und Martin Gallez das Publikum in das lyrische Jetzt hinein.

Lumpen oder Juwelen

Nach Hermann Hesse, dem vielleicht erfolgreichsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts, kann man Hirse oder Kuchen essen, Lumpen oder Juwelen tragen, das einzig Wichtigste jedes Menschen ist das eigene Innerste der Seele, die Liebesfähigkeit. Mit dem Stück «Gebet» sang sich Sabine Winter anschliessend in die Seelen der Zuhörer. «Ich setze auf die Liebe», sagte Hanns Dieter Hüsch im folgenden Text. Das Lamento aus dem Stabat Mater von Carl Jenkins meinte wohl dasselbe.

Die tiefgründige Aufführung dieses Werks war der spirituelle Höhepunkt dieses sehr schönen, wertvollen Konzertabends. Nach einer weiteren Lesung mit Worten von Hermann Hesse und der Darbietung des Stücks «Gesang» von Richard Strauss, mit Gesang, Geige und Klavier, konnte die Pfarreibeauftragte Esther Beyeler den Anlass mit den Worten «Es war ein Traum» abschliessen. Die Zugabe mit Zeilen von Konstantin Wecker liess die Konzertbesucher dann eher mit heiterem Gemüt nach Hause gehen.